Über den gelungen Jahresempfang freuen sich Karl Döring (v.l., Vorstand Caritasverband Geldern-Kevelaer), Anne Peters (stv. Bürgermeisterin Stadt Goch), Stefan Rouenhoff (Mitglied des Bundestages), Eva Maria Welskop-Deffaa (Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes), Rainer Borsch (Vorstand Caritasverband Kleve) und Stephan von Salm-Hoogstraeten (Vorstand Caritasverband Geldern-Kevelaer) (Foto: Markus van Offern)
Anzeigen


Goch/Keis Kleve. Die beiden Caritasverbände im Kreis Kleve hatten zum Jahresempfang ins Gocher Kastell eingeladen. Im Mittelpunkt stand dabei der Talk mit Eva Maria Welskop-Deffaa. Die rund 200 geladenen Gäste erlebten eine nahbare, gewitzte und weltoffene Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, die erst seit November 2021 – als erste Frau überhaupt – im Amt ist.

Sie hat es sich gemütlich gemacht – mit einer Tasse Kaffee, einem Stückchen Bienenstich und Blumen aus dem Garten. Genauso wie sie es gerne mag, nahm Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, im Wohnzimmer der beiden Caritasverbände im Kreis Kleve Platz. Anlässlich des gemeinsamen Jahresempfangs hatte die ausrichtende Caritas Kleve die Bühne des Gocher Kastells neu eingerichtet – und so einen Raum für einen Talk geschaffen. Moderiert wurde der Nachmittag von Andrea Franken aus Uedem.

Persönliche Begegnung

Statt eines Vortrages erlebten die rund 200 geladenen Gäste eine persönliche Begegnung mit der Präsidentin, die wie Rainer Borsch, Vorstand des Caritasverbandes Kleve, in seiner Begrüßung sagte, „die erste Frau an der Spitze der Deutschen Caritas ist“. Sie erfuhren zum Beispiel, dass ihr Schulweg früher täglich durch den Duisburger Bahnhof führte, dass sie gerne Apfelkuchen backt und dass sie – als sie wegen ihrer Kinder eine zehnjährige berufliche Auszeit nahm – ehrenamtlich in einer katholischen öffentlichen Bücherei gearbeitet hat. „Da geht mir mein Herz auf, wenn ich daran zurückdenke“, sagte Eva Maria Welskop-Deffaa, die gleichzeitig aber auch entgegnete: „Heutzutage können Mütter diese Zeit gar nicht mehr aufbringen. In dieser Sache muss Ehrenamt neu gedacht werden.“

Damit sprach die Präsidentin, die bereits am frühen Morgen mit dem Zug von Berlin nach Duisburg gereist war, um verschiedene Einrichtungen der Caritas in Kleve und Goch zu besichtigen, ihre „großen UNDS“ an. Nach ihrer Idealvorstellung sollte zum Beispiel die berufliche UND die freiwillige Arbeit im Caritasverband eng verbunden werden. „Das Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamt muss so gelingen, dass sich jeder mit seinem Engagement gut aufgehoben fühlt.“

Rettung der Sprach-Kitas

Ein gutes Gefühl machte sich aber auch bei den Gästen im Gocher Kastell breit. Die Vertreter aus Kirche und Caritas, aus Politik und Verwaltung sowie von den Kooperationspartner:innen erlebten eine witzige wie auch weltoffene Präsidentin, die Rückmeldungen und Problemlagen aus der Praxis für politische Zwecke auf eine unaufgeregte Art und Weise einzusetzen weiß. Besonderes Augenmerk erhielt an diesem Tag das Thema „Rettung der Sprach-Kitas“. Dabei ist es ihr nicht nur als Lobbyistin des größten deutschen Wohlfahrtsverbandes, sondern auch als Großmutter von fünf Enkelkindern ein Anliegen, dass das frühkindliche Bildungsprogramm nach 2022 fortgeführt und verstetigt wird. Und so informierte sie sich bereits vor dem Jahresempfang in der Gocher Kindertagesstätte Sterntaler über die drei Säulen des Bundesprogramms und trommelte auch noch einmal auf der Bühne für den Erhalt. „Dadurch erfuhr unser Infostand eine große Resonanz. Die Fachberatungen konnten viele Unterschriften für die Petition zur Rettung des Bundesprogramms sammeln“, freute sich Rainer Borsch.

Nicht weniger wichtig, aber mehr ein lokal- statt bundespolitisches Thema ist die Finanzierung der Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Kreis Kleve. „Bisher wird eine Stelle von den Jugendämtern im Kreis Kleve finanziert. Vom Land NRW haben wir aber bereits eine Zusage für drei Stellen“, machte Rainer Borsch den Gästen deutlich.

Mit Blick auf die steigenden Energiepreise kamen natürlich auch die Sorgen und Nöte aller Bürger zur Sprache. Auf dieses Thema angesprochen antwortete Eva Maria Welskop-Deffaa: „Auch ich habe Sorge, die materiellen Fragen treiben mich um. Und natürlich werde ich mich auch für Erhöhung des SGB2-Beitrages und für eine Wohngeldanpassung einsetzen. Ich sehe es aber auch als unsere Aufgabe an, die Menschen zu beraten. Sie müssen von uns zugeschnittene Informationen bekommen, damit die Probleme nicht größer werden als sie sind.“

Moderne und weltoffene Caritas

Die Caritas – mittlerweile 125 Jahre alt – muss, um zukunftsfähig zu sein und auch zu bleiben, modern UND weltoffen sein. Das repräsentierte Eva Maria Welskop-Deffaa beim Jahresempfang der beiden Ortsverbände, die im Kreis Kleve zu den größten Arbeitgebern gehören, sehr gut. Beim Thema Digitalisierung zum Beispiel wisse die Caritas, dass hier die jungen Mitarbeiter:innen gefragt sind. „Sie sprechen die Sprache des Nachwuchses.“ Ferner wünsche sie sich von allen Mitarbeitenden Zukunftsmut UND Zukunftskunst. „Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, um kulturelle, ökonomische und auch technische Prozesse zu gestalten.“

Auch Stephan von Salm-Hoogstraeten, Vorstand des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer, sagte in seinem Schlusswort: „Da, wo jeder von uns, wo wir als Caritas in unserer täglichen Arbeit anderen Menschen mit Respekt begegnen, sie wertschätzen, sie solidarisch an- und aufnehmen und uns im Sinne der Gerechtigkeit mit unseren Bedürfnissen auch mal selbst zurücknehmen – genau da entsteht eine Gesellschaft, die anders ist.“ Anschließend lud er zum gemeinsamen Gespräch ein, zu einem weiteren, persönlichen Kennenlernen.

 

Info – Der Jahresempfang der Caritas

Seit 2018 richten die beiden Caritasverbände im Kreis Kleve, der Caritasverband Geldern-Kevelaer und der Caritasverband Kleve, einen gemeinsamen Jahresempfang aus. Der diesjährige stand unter dem Motto „#DasMachenWirGemeinsam“, das gleichzeitig auch das Jahresthema der Deutschen Caritas ist. Ausrichter in diesem Jahr war die Caritas Kleve, im nächsten Jahr ist wieder die Caritas Geldern-Kevelaer an der Reihe.

Beitrag drucken
Anzeigen