Anika Kratz (2. v. l.) probiert mit drei Klientinnen und Klienten der Behindertenhilfe schon einmal die Kostüme an (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Bergheim. Die Kölner wissen schon lange: Jede Jeck is anders. Im Netzwerk Marienstraße, einer Einrichtung der Behindertenhilfe der St. Augustinus Gruppe, ist eine solche gegenseitige Akzeptanz selbstverständlich. Am Karnevalssonntag soll diese Botschaft nun zusammen mit einer großen Ladung bunter Kamelle unter die Leute gebracht werden. Denn die Behindertenhilfe hat für ihre Klientinnen, Klienten und Mitarbeitenden einen Platz im Bergheimer Karnevalszug organisiert. Das gemeinsame Motto dieses Jahr lautet „Minsch ärgere dich net – et kütt, wie et kütt“. Passend dazu wird sich die kleine Fußgruppe als Spielfiguren des bekannten Gesellschaftsspiels verkleiden.

Und jeder Jeck leistet seinen Beitrag: Es werden eifrig Schilder bemalt, Kostüme genäht und Kamelle beschafft. Heinz Genzwürker, Klient der Behindertenhilfe, hat eine lange Liste mit Sprüchen gesammelt, die die Gruppe passend zum Motto ausgewählt hat, und die unter anderem auf gestiegene Preise und andere Alltagsprobleme anspielen. Grundgedanke: Mer kann sich de janze Dach ärgere, muss mer ävver net. „Wir würden gerne den Menschen auf der Straße vermitteln, dass wir trotz erheblicher Beeinträchtigungen – und damit meinen wir nicht nur die Einschränkungen, mit denen unsere Klientinnen und Klienten leben, sondern auch die Dinge, die uns alle gerade im Leben einschränken und beeinträchtigen – eine sehr fröhliche, zuversichtliche, inklusive und energiegeladene Truppe sind“, bekräftigt Anika Kratz, Mitarbeiterin der Behindertenhilfe. Ihr ist es wichtig, immer den Gedanken der Inklusion voranzutreiben und dabei die Selbstständigkeit der Klientinnen und Klienten zu fördern.

Die Idee, eine eigene Gruppe für den Zug anzumelden, kam beispielsweise von Stefan Schröder, einem weiteren Klienten der Behindertenhilfe. Er hat die Erfahrung gemacht, dass nicht jede Karnevalsgruppe bereit ist, Menschen im Rollstuhl oder mit Depressionen entgegenzukommen. Im Netzwerk Marienstraße aber wird deutlich, dass man mit Gemeinschaft und Zusammenhalt mehr schaffen kann – egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung. Umso mehr freuen sich alle ihr gemeinsames Projekt nach monatelanger Vorbereitung schon bald auf die Straße bringen zu können.

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