(Foto: privat)
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Kamp-Lintfort. Für die Damen des TuS Lintfort läuft es in diesem Jahr sehr gut mit sieben Siegen in Folge in der 2. Bundesliga. Dabei begann die Saison nicht so rosig, die Klosterstädterinnen wähnten sich mitten im Abstiegskampf. TuS Lintforts Trainerin Bettina Grenz-Klein zieht in der Osterpause eine Zwischenbilanz beim LokalKlick-Interview.

 

Frau Grenz-Klein, der TuS Lintfort ist so etwas wie die Mannschaft der Stunde in der 2. Bundesliga und hat sich mit sieben Siegen in Serie aus der Abstiegsregion bis auf Platz 6 verbessert. Was sind die Gründe?

Bettina Grenz-Klein: Wir wussten zu Beginn der Saison, dass wir Geduld haben müssen. Unsere Zugänge waren ausschließlich junge, unerfahrene Spielerinnen. Uns war klar, dass es eine Zeit brauchen würde, um eine geschlossene Teamleistung hinzubekommen. Vor allem in der Abwehr haben wir in der Hinrunde erhebliche Probleme gehabt und hatten die schlechteste Abwehr der Liga. In der Rückrunde nun die beste. Das ist sicher der Hauptgrund für den Erfolg. Und auch der Spielplan spielt uns in die Hände. Bis auf Gräfrath haben wir alle Spitzenteams noch im Schlussspurt der Liga. Und gegen Gräfrath war es halt ein Derby.

 

Was macht die Mannschaft denn aktuell anders oder besser als in der Hinrunde?

Bettina Grenz-Klein: Die vielen personellen Probleme durch Verletzungen und Erkrankungen haben das Team zusammengeschweißt. Jede Spielerin weiß, dass sie sich nicht verstecken kann und dass jede, die noch gesund ist, auch wichtig für die Mannschaft ist. Ich denke, dass hat zusätzliche Kräfte freigesetzt.  Außerdem trainiert das Team schon die ganze Saison über richtig gut. Das zahlt sich jetzt aus. Und in der Abwehr wird vor allem im Innenblock mit Jana Willing und Prudence Kinlend überragend gearbeitet. Alex Humpert und Laura Graef im Tor ergänzen sich auf einem guten Niveau und geben der Abwehr viel Rückhalt. Unser Tempospiel ist sehr gut, vor allem im direkten Gegenstoß oder nach der schnellen Mitte. Lena Heimes liegt mit bisher 105 Toren auf Platz 3 der Torschützen aus dem Feld heraus. Das ist schon überragend, zumal Prudence Kinlend auch noch unter den Top Ten ist und auf 101 Feldtore kommt.

 

Lintfort trainiert nur drei Mal die Woche. Wie kann die Mannschaft da läuferisch so gut mithalten?

Bettina Grenz-Klein: Unsere frühere Kreisläuferin Tatjana van den Broek hat mal gesagt, sie wäre noch nie so fit gewesen wie in Lintfort, obwohl sie bei ihrem vorherigen Verein sieben Einheiten die Woche hatte. Wir haben eine Athletikeinheit im Leistungszentrum Niederrhein und drei Einheiten in der Halle. Die gehen aber immer über 120 Minuten und wir verschwenden keine einzige Minute. Das ist eine gute Balance aus hoher Belastung über zwei Stunden und viel Regeneration an den freien Tagen. Ich kenne Trainer, die trainieren vor einem wichtigen Spiel zwei Wochen ohne Pause. Die Mannschaft schleicht dann platt in das Spiel. Das machen wir vielleicht besser. Und bei 30 Spielen in der Saison müssen wir das auch bis zum Ende durchhalten.

 

Lintfort ist aktuell beste Mannschaft der Rückrunde. Wäre da nicht mehr drin gewesen?

(Foto: privat)

Bettina Grenz-Klein: Nein. Ich denke, es bringt nichts, zu hadern. Wir haben halt unsere Zeit gebraucht, die Mannschaft auf dieses Niveau zu bringen. Das hatten wir einkalkuliert und zum Glück haben Umfeld, Mannschaft und Trainerin die Ruhe bewahrt und zielstrebig gearbeitet. Die Momentaufnahme ist schön, aber unsere dicken Brocken kommen auch noch. Und die Spitzenmannschaften sind schon besser als wir. Außerdem ist das ja auch nicht normal, dass wir bisher jeden Ausfall kompensieren konnten. Wir spielen seit zehn Spielen ohne gelernte Rechtsaußen. Pia Kühn, die ja eigentlich Halblinke ist, übernimmt das klaglos und gut. Dana Gruner und Lena Heimes sind die einzigen Außen im Kader und spielen jedes Spiel quasi durch. Jule Samplonius dreht in der Rückrunde auf, obwohl sie beruflich stark eingebunden ist und Maxime Drent führt richtig gut Regie. Aber wir können auch schnell in ein Loch fallen und deshalb freuen wir uns einfach über jeden Punkt.

 

Was wünschen sie sich denn für die nächste Saison?

Bettina Grenz-Klein: Wenn es ums Wünschen gehen würde, dann vor allem, dass die unsägliche und völlig unsinnige Ligareform zurückgenommen würde. Und für den TuS Lintfort, dass der Kern der Mannschaft vielleicht zusammenbleibt und wir die derzeitige Erfolgsmannschaft gezielt verstärken können. Und vielleicht auch die ein oder andere Unterstützung durch neue Sponsoren.

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