Vertreterinnen des Vereins „pro wohnen international“ begrüßten die Gäste im Nachbarschaftstreff Tackenberg (Foto: pro wohnen / Jörg Vorholt)
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Oberhausen. Kommt es zu Naturkatastrophen, gehören die Helfer von I.S.A.R vom Niederrhein oft zu den ersten, die sich auf den Weg machen, um im Chaos Leben zu retten. So auch im Februar bei dem verheerenden Beben in Syrien und in der Türkei. Doch das Team von I.S.A.R. schaut nicht nur nach Verschütteten, sie blicken auch über den Tellerrand hinaus und haben erlebt, wie hilflos man dort in den zerstörten Regionen beim Umgang mit zahlreichen alten und von Demenz betroffenen Menschen ist. Zum Teil bis heute. Eine internationale Delegation sucht nach Lösungen und war nun Gast beim Oberhausener Verein „pro wohnen international“, der seine Arbeit seit Jahren dieser Zielgruppe widmet.

Die Gäste kamen aus der Türkei, aus Irland, Slowenien, Spanien und Ungarn. Sie gehören neben I.S.A.R. und der staatlichen türkischen Organisation AFAD zu vier weiteren Hilfsorganisationen, zu zwei Alzheimergesellschaften und einem IT-Unternehmen. Die Delegation soll im Rahmen eines Projektes der EU bis Ende 2024, dann in Istanbul, ein handlungsorientiertes Konzept erarbeiten, wie im Katastrophenfall demenziell erkranken Menschen gezielt geholfen werden kann. Bis dahin wird die Delegation auch in Budapest, in Dublin und in Madrid zu Gast sein.

Improvisierte Versorgung

Nach dem Beben am 6. Februar wurden in der Türkei rund 5.000 Demenzerkrankte in Zeltstätten in sicheren, entfernten Regionen untergebracht und werden seitdem dort mit viel Improvisation versorgt. AFAD will nun beginnen, über ihre örtlichen Koordinierungszentren die Betreuung gezielter zu steuern. Nach wie vor bindet das Maß der Zerstörung sehr viel Energie und Personen. Das Bewusstsein, diesen Menschen helfen zu müssen, sei sehr wohl gegeben, aber die Ressourcen seien immer noch sehr gering, so türkische Mitglieder der Delegation.

Memory und Sprichworte

Wie Hilfe aussehen könnte? Im Nachbarschaftstreff an der Richard-Dehmel-Straße 65 begrüßte pro wohnen-Geschäftsführerin Neşe Özçelik die rund 20 Gäste und stellte ihnen die erfolgreiche und vor allem auch praxisorientierte Arbeit des Vereins vor, auf Grund derer „pro wohnen“ unter dem Motto „best practise“ in die Liste der Besuchsziele des Projektes aufgenommen wurde. Özçelik schilderte, wie in Deutschland, aber auch gezielt in Oberhausen durch „pro wohnen“, Hilfsangebote bei Demenz erarbeitet und vermittelt werden. Als Beispiele zeigte sie vom Verein speziell entwickelte Spiele wie ein Memory mit türkischen Motiven oder Übungen mit typischen Sprichworten, die dem Training bei Demenz dienen. Auch ein Bildband, welcher Pflegeleistungen zeigt ergänzt um Übersetzungen in mehrere Sprachen, stieß auf großes Interesse.

Öffentlichkeit suchen

Neşe Özçelik betonte zudem die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit, die diese Arbeit nach außen hin bekannt macht. So geschehen bei Simon Gutzeit. Er ist sogenannter „Medical“ bei I.S.A.R. und lebt in Oberhausen. Hier hatte er von der besonderen Kompetenz von „pro wohnen“ beim Thema Demenz bei Menschen mit einem türkischen Migrationshintergrund erfahren und den Besuch der Delegation in Osterfeld organisiert. Während des Termins diente er als Dolmetscher. Nachdem Özçelik den Besucherinnen und Besuchern weiteres Hilfsmaterial wie Notfallkarten oder die deutsch-türkische Infobroschüre „Was ist Demenz“ zur Anschauung mit an die Hand gegeben hatte, beantwortete sie einige Fragen wie die nach der Bedeutung der persönlichen Ansprache bei Demenzerkrankten. Abschließend wurde noch das Thema angerissen, in wie weit man Kinder im Umgang mit Demenz in der Familie schulen könne und solle.


I.S.A.R. Germany ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation. Sie wurde 2003 in Duisburg gegründet und kommt weltweit zum Einsatz. Der Name I.S.A.R. steht für „International Search-and-Rescue“ und ist ein Zusammenschluss aus Spezialisten verschiedener Hilfsorganisationen und dem Bundesverband Rettungshunde e.V. Aufgabe ist es, internationale Hilfe unter anderem nach Naturkatastrophen, Unglücksfällen und bei humanitären Katastrophen zu leisten. Dazu gehört zum Beispiel die Suche und Rettung von Erdbebenopfern. Dafür werden Rettungshundeteams und mit modernster Technik ausgestattete Bergungsspezialisten eingesetzt.
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