Ein Teil des Palliativteams des SKN v.l. Edelgard Houben (Pflegefachfrau und Demenzexpertin), Dr. Michael Pauw (Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Onkologie, Diabetologie und Allg. Innere Medizin), Gertrud Bollessen (pfleg. Leitung der Intensivstation), Matthias Wierzchowski (VAP-Teacher), Doris Zingsheim (Dipl. Sozialarbeiterin), Ute Bernstein (Musiktherapeutin), Jolanta Hirsch (Aromapflege-Expertin), Ivonne Edmery-Michel (Bereichsleitung Station 3), Anja Claßen (Pflegefachfrau), Andrea Wiegers (Pflegefachfrau), Christina Reulen (Stationsärztin Palliativstation) (Foto: privat)
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Nettetal. Viele Gründungsmitglieder des Palliativteams sind heute noch Mitarbeiter des Städtischen Krankenhauses Nettetal und blicken stolz auf 20 Jahre Palliativmedizin in Nettetal zurück. Die stetige Entwicklung bis zum heutigen ganzheitlichen orientierten palliativmedizinischen Ansatz bietet Patienten und Angehörigen ein umfassendes Konzept einer individuell abgestimmten palliativen pflegerischen und medizinischen Versorgung. Das Angebot ist in der Region einzigartig.

2004 begannen Elsbeth Steinfort, ehemalige Palliativmedizinerin des Städtischen Krankenhauses, Dr. Michael Pauw, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gertrud Bollessen, Leitung der Intensivstation und Doris Zingsheim, Dipl. Sozialarbeiterin, zusammen mit einem interdisziplinären Team ihre palliativmedizinische Arbeit. Gut vorbereitet mit der Ausbildung in Palliativ Care starteten sie mit einem palliativmedizinischen Konsildienst. Im Detail beinhaltete dies die Beratung und Begleitung in allen palliativen Fragestellungen rund um die Pflege, das Schmerzmanagement, den Übergang in ein Hospiz wie auch die Sterbebegleitung.

Demzufolge war das Nettetaler Palliativteam schon damals interdisziplinär aufgebaut, so dass auf die unterschiedlichen und vielseitigen Bedürfnisse der Patienten wie auch der Angehörigen eingegangen werden konnte. Damals wie heute arbeiteten und arbeiten Ärz­te, Pflegefachkräfte, Physiothera­peuten wie auch eine Seelsorgerin und Sozialarbeiterin Hand in Hand mit dem Ziel, Schwerstkranke und deren Angehörige zu unterstützen. „Wir sehen den Mensch als Ganzes und begleiten ihn und seine Angehörigen auch psychosozial und seelsorgerisch. Wir wollen ihnen jeden einzelnen Tag so angenehm, symptomarm und lebenswert wie möglich machen“, so Pauw.

2007 wurde die Palliativstation mit eigenen Betten eröffnet, die inzwischen ihre Kapazität von vier auf sieben Betten fast verdoppelt hat. Zahlreiche Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger wurden in Palliative Care ausgebildet, mehrere Ärztinnen und Ärzte absolvierten die Zusatzausbildung Palliativmedizin.

Das Team wuchs beständig und damit auch die Möglichkeiten. So finden beispielsweise die Aroma- und Klangschalentherapie genauso wie die tiergestützte Therapie, die Musik- und die Kunsttherapie ihren Platz in der täglichen Arbeit. Mit Räumlichkeiten wie dem Medienzimmer oder dem Rückzugsraum „Raum der Stille“, einer eigenen Küche für Patienten und Angehörige wie auch einem Badezimmer inkl. Badewanne mit einer speziellen Hilfsfunktionen beim Ein- und Aussteigen, entsteht eine Atmosphäre, in der das Wohlergehen des Patienten oberste Priorität hat. „Unser Ziel ist es die oft sehr belastenden Symptome der fortgeschrittenen Erkrankung so gut wie möglich zu behandeln, mit modernen schulmedizinischen Methoden, aber auch komplementärmedizinischen Ansätzen, um unseren Patienten wieder einen Raum für Leben, Begegnungen, Gespräche und mehr zu geben“, sagt Reulen.

Darüber hinaus gehören weitere grundlegende Säulen zum ganzheitlichen Konzept des Hauses. Mit viel Herzblut und Engagement werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassend in dem VIV-Arte®Pflegekonzept geschult, um feinfühlig mit dem Patienten natürliche Bewegungen auszuüben. Gleichzeitig widmen sich hausinterne Experten dem Thema Demenz und haben entsprechende Projekte ins Leben gerufen, um demenzkranke Patienten wie auch deren Angehörigen zu stärken. Kurse und Gesprächskreise für pflegende Angehörige im Rahmen der Familialen Pflege bietet das Haus ganzjährig und kostenfrei für alle Interessierten an. Zudem wurde ein Ethikkomitee eigens für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegründet, um in allen ethischen Fragestellungen zu unterstützen.

Der neueste wichtige Baustein für eine umfassende Begleitung und Betreuung in der Palliativarbeit sind die Letzte Hilfe-Kurse. Fünf erfahrene Palliativexperten haben sich zu zertifizierten Kursleitern des bundesweiten Projektes „Letzte Hilfe“ ausbilden lassen. In diesen Letzte Hilfe-Kursen lernen Interessierte, was sie für die ihnen Nahestehenden am Ende des Lebens tun können. Im Sinne eines kleinen 1×1 der Sterbebegleitung werden Basiswissen und Orientierungen sowie einfache Handgriffe vermittelt. „Wir möchten ermutigen, die Normalität des Sterbens als Teil des Lebens anzuerkennen und sich Sterbenden zuzuwenden“, so Kursleiterin Bollessen.

Auch für die Geschäftsführung des Hauses ist das ein wichtiger Aspekt, sowohl für Patienten als auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses: „Beruflich wie auch privat kann man in die Situation kommen, jemanden beim Sterben zu begleiten“, sagt Jörg Schneider. „Dann ist es gut, wenn man vorbereitet ist und Angebote wie dieses für sich in Anspruch nehmen kann.“ So war es für Jörg Schneider auch nur folgerichtig, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses dieses Angebot innerhalb der Arbeitszeit frei zugänglich zu machen bzw. sich sogar Arbeitsstunden gut zu schreiben bei dem Besuch des Kurses.

Im nächsten Schritt, Ende Oktober, wird der erste sogenannte Profi Letzte Hilf-Kurs im Nettetaler Haus starten. Anders als beim Basiskurs geht es noch weiter in die Tiefe und auch medizinische und pflegerische Aspekte in der Sterbebegleitung werden thematisiert. Gertrud Bollessen hat bereits die Profiausbildung zur Kursleiterin absolviert, Christina Reulen ist dabei, so dass das Wissen von Kollegin zu Kollegen weiter getragen werden kann und soll. Damit ist das Städtische Krankenhaus Nettetal Vorreiter in der gesamten Region.

Die Palliativstation am Nettetaler Krankenhaus ist sehr gut vernetzt mit den weiteren palliativmedizinischen Strukturen im Kreis, den Hausärzten, HomeCare Linker Niederrhein, dem Hospiz Haus Franz in Dülken und vielen anderen Angeboten. Sie ist ein fester und unverzichtbarer Bestandteil der Versorgung schwer kranker Menschen in der Region geworden.

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