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Kamp-Lintfort. Es war ein Tag, der sicherlich in die Geschichte der 300 Jahre alten Kapelle in Saalhoff eingehen wird: So viele Menschen wollten dort am Sonntag, 19. Juni, gemeinsam den Gottesdienst feiern, dass nur ein kleiner Teil von ihnen einen Platz in der Kapelle fand. Doch es war vorgesorgt. Gleich nebenan wurde die Messe auf einen großen Fernseher ins Festzelt übertragen, in dem fast alle Besucher einen Sitzplatz fanden.

Zu den Feiernden zählte auch Weihbischof Wilfried Theising, der sich sichtlich über die zahlreichen Menschen freute, die in die kleine Gemeinde bei Kamp-Lintfort gekommen waren. Wie stark dort die Gemeinschaft ist, hatte schon die Prozession mit Reitern, Fahnenschwenkern, Schützen und Musikzug gezeigt, die vom Feuerwehrhaus zur Kapelle zog. Die Wichtigkeit dieser Gemeinschaft betonte Theising dann auch mehrfach. Schon beinahe im Verborgenen liege das kleine Gotteshaus, sagte er, doch „Glaube wird nicht sichtbar in der Höhe des Kirchturms“. Er habe sich, sagte der Weihbischof in seiner Predigt, mit der 300-jährigen Geschichte der Kapelle beschäftigt: „Die Menschen hier hatten es nie ganz einfach hier, sie mussten oft kämpfen und sich ihre Wünsche erstreiten. Doch sie wollten die Gemeinschaft haben und ein Zentrum zur Eucharistiefeier.“ Immer wieder habe es in den drei Jahrhunderten Menschen gegeben, die sich für ihre Kapelle eingesetzt und nicht locker gelassen hätten.

Das sei auch heute noch so, und so bedankte sich Theising bei allen, die in den vergangenen acht Jahren dafür gesorgt hatten, dass das in die Jahre gekommene Gebäude renoviert werden konnte und so auch für die Zukunft als Gotteshaus zur Verfügung stehen kann. „Wir Menschen brauchen einen gemeinsamen Ort, der Identität gibt“, erklärte der Weihbischof und schlug dabei den Bogen zum Evangelium (Lk 9, 18-24). Dort hatte Jesus seine Jünger gefragt, für wen ihn die Menschen halten. „Jeder von uns hat seine eigene, sehr persönliche Antwort auf diese Frage, das ist von Jesus so gewollt“, sagte Theising. Doch bei aller Individualität bräuchten die Menschen dennoch die Gemeinschaft und einen gemeinsamen Ort. Ein solcher Ort sei die Kapelle: „Hier sind immer Menschen gewesen, die sich aus ihrem Glauben heraus in ganz besonderer Weise engagiert haben. Wir spüren, wie Wesentlich und wichtig das ist, dass wir füreinander eintreten und dem Ganzen ein Gesicht geben.“ Spontan spendeten die Gläubigen dem Weihbischof nach seiner Predigt Applaus.

Nach dem Gottesdienst feierten die Besucher den Sonntag über den runden Geburtstag ihrer kleinen Kapellen auf der benachbarten Wiese.

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