Rund 70 Personen besuchten die Bürgerinformation zum Zechenturm im Foyer der Stadthalle und Sidney Lewandowski, Fraktionsvorsitzender 'Die Linke' vor dem Turm (Fotos: privat)
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Kamp-Lintfort. Bis zum 24. September können alle Kamp-Lintforterinnen und Kamp-Lintforter über das Schicksal des Zechenturms entscheiden. Um vorab jedem interessierten Bürger die Möglichkeit zu geben noch offene Fragen zu stellen und eine gemeinsame Wissensgrundlage zu schaffen, veranstaltete die Verwaltung am Mittwoch, 06. September, eine Bürgerinformation zum Zechenturm. Rund 70 Leute fanden den Weg in die Stadthalle, um sich zu informieren und ihre Meinung kundzutun.

Bürgermeister Christoph Landscheidt begrüßte alle Anwesenden, die gleich zu Beginn einen Auszug aus der Präsentation zu den neuen Entwürfen des Laga-Architekturbüros bbzl durch Monika Fraling, Leiterin Planungsamt, erhielten. Danach stellte auch Gutachter Reiner Auberg vom Gutachterbüro Böll und Partner die Ergebnisse zum Zechenturm dem Publikum genauer vor. Er betonte, dass bereits im Gutachten zehn Prozent an Kosten aufgeschlagen wurden, um eventuelle Sanierungsmaßnahmen, die aktuell noch verdeckt sein könnten, mit abzudecken. Auch Kämmerer Martin Notthoff machte in seiner Zusammenfassung der Kostenrechnung deutlich, dass er über die zehn Prozent Aufschlag im Gutachten ebenfalls die Ausgaben höher angesetzt hat, um guten Gewissens für den Erhalt auch aus Haushaltssicht sprechen zu können.

Unter den Besuchern des Info-Abends gab es zwar auch kritische Stimmen zum Turm, dennoch überwog an diesem Abend die Pro-Turm-Haltung unter den Gästen. Es wurden viele Argumente für den Erhalt des Turmes vorgebracht, die nicht alle rein emotionaler Natur waren. Trotzdem bleibt offen, wie sich die Bürgerinnen und Bürger bei der Bürgerbefragung entscheiden werden.

„Zur Klarstellung: Die Linksfraktion ist für den Erhalt des Zechenturms. Die Gutachten liegen nun vor und die Bürgerinnen und Bürger müssen über die Zukunft des Zechenturms entscheiden“, so Sidney Lewandowski, Fraktionsvorsitzender zum Thema. Es gäbe jedoch einige Punkte welche die Fraktion der Linken in Kamp-Lintfort bei der aktuellen Debatte um den Förderturm stören.

Zum einen müssen die Bürgerinnen und Bürgern allgemein verständlich informiert werden, welche Kosten für die Ertüchtigung und vor allem für den Erhalt des Turmes auf die Stadt bzw. die Bürgerinnen und Bürger zu kommen. Zum anderen sind die zukünftigen Kosten wie auch die Art der Nutzung nach Meinung der Linksfraktion nicht deutlich gemacht und werden durch die Stadt nicht überschaubar dargestellt. Die Linksfraktion befürchtet durch unvorhergesehene Probleme eine Kostensteigerung, die noch nicht absehbar ist.

„Die vielen Kommentare auf der letzten Ratssitzung von Seiten der SPD haben mich sehr aufgebracht und spiegeln die offenen Fragen in der aktuellen Debatte sehr gut wieder. Alle Fraktionen außer der SPD äußern Bedenken bei der Kostenrechnung, die bei der angespannten Haushaltssituation der Stadt und nach der letzten Grundsteuer B Erhöhung auch verständlich sind. Die ‘Turmgegner’, wie sie in den sozialen Medien genannt werden, entpuppen sich lediglich als kritische Bürgerinnen und Bürger. Eine sachliche Debatte ist leider kaum zu führen“, meint Lewandowski.

Laut Meinung der Linksfraktion zeigt das Gutachten nur die groben Kosten für ein paar Jahre. Die zukünftigen und längerfristigen Kosten müssen aber auch klar dargestellt werden. Bis dato, so die Fraktion, kommen von der Stadtverwaltung nichts als Hoffen auf den besten Fall und „es wird schon klappen“.

„Das reicht uns als Fraktion nicht und sollte den Bürgerinnen und Bürgern auch nicht reichen. Viele Dinge wie die Erneuerung der Dachabdichtung, die nach 20 bis 25 Jahren wie laut Gutachten empfohlen wird, wurde nicht berücksichtigt. Auch die Lebensdauer der Blechfassade wurde in der Berechnung nicht mit einbezogen. Diese wichtigen Punkte fehlen um die ausführliche Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.

Wir wollen nicht, dass der Turm abgerissen wird. Das sollen die Bürger entscheiden. Es muss allerdings klar dargestellt werden, was das Bauwerk für unsere Kinder kosten wird“, so Lewandowski abschließend.

Alle Einwohner Kamp-Lintforts, egal welcher Nationalität, ab 16 Jahren dürfen ihre Stimme für oder gegen den Zechenturm abgeben. Die Briefe werden vom kommunalen Rechenzentrum in den nächsten Tagen an alle Wahlberechtigten verschickt. Die Stimmabgabe ist bis einschließlich 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, möglich und kann per Post, persönlich im Rathaus oder am Wahltag im Wahllokal durch Einwurf in eine gesonderte Urne erfolgen. Die Stimmauszählung findet am darauffolgenden Montag, 25. September, statt, deren Ergebnis in die Entscheidung des Rates einfließen wird.

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