(Foto: privat)
Anzeigen

Dormagen. 50 Figuren für den Kölner Rosenmontagszug, ausgesägt und von Hand nachbearbeitet: Arsen Julakians bislang wohl amüsantester Auftrag hat mit dem rheinischen Brauchtum zu tun. Seit zwei Jahren arbeitet der gelernte Schreiner in der Tischlerei Nowak in Hackenbroich. Er ist fester Teil des Teams und nicht mehr wegzudenken.

Julakian ist gebürtiger Armenier und lebte zuletzt in Syrien, wo er gemeinsam mit seinem Bruder eine eigene Schreinerei führte. Die Suche nach Sicherheit und einer Zukunftsperspektive führte ihn und seine Familie 2012 nach Dormagen. Dass Julakian dort beruflich Fuß fassen konnte, kam durch Vermittlung von André Heryschek zustande, der bei der Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen (SWD) unter anderem das Thema Fachkräftesicherung koordiniert.

Heryschek stellte den Kontakt zu Heinz und Hans Peter Nowak, den beiden Geschäftsführern der Tischlerei Nowak, her. Erfahrung mit ausländischen Arbeitskräften hatten beide bis dato nicht gehabt. „Wir waren, gerade wegen der Sprachbarriere, zunächst skeptisch”, räumt Heinz Nowak ein.  Doch weil der auf Fensterbau spezialisierte Traditionsbetrieb mit vollen Auftragsbüchern dringend eine Fachkraft suchte, kam der Ball beruflich für Arsen Julakian ins Rollen. Seine Fähigkeiten überzeugten die Chefs sofort. „Arsen ist handwerklich sehr gut ausgebildet, Werkstattarbeit macht er ganz alleine“, berichtet Hans Peter Nowak. Nur beim Kunden steht ihm immer ein Kollege zur Seite, der Sprache wegen. Aber auch das wird noch.

Der formal notwendige Weg über die Agentur für Arbeit, die auch für arbeitssuchende Flüchtlinge Vermittlerfunktion hat, war indes etwas betreuungsintensiver. „Die Tischlerei Nowak hatte aufgrund der Auftragslage das große Interesse, Herrn Julakian umgehend einzustellen. Durch kontinuierliches Nachhaken konnten wir das Verfahren beschleunigen. Nach anfänglichen Hürden läuft der Austausch zwischen Betrieb und BA nun aber einwandfrei“, erinnert sich André Heryschek. Er würde sich wünschen, dass das Beispiel von Arsen Julakian Schule macht und mehr Unternehmen sich trauen, Mitarbeiter mit Zuwanderungsgeschichte einzustellen. „Wir konnten zwischenzeitlich einige Erfolgsgeschichten schreiben. In den meisten Fällen ergibt sich ein Gewinn für beide Seiten”, ist Heryschek überzeugt.

Arsen Julakian hat sich nach eigenem Bekunden „sehr gut eingelebt“ in Dormagen, sowohl arbeitstechnisch als auch menschlich. Die Kollegen haben ihm eine Krippe geschenkt, sodass der gläubige Christ Julakian, seine Frau und die beiden kleinen Töchter das Weihnachtsfest in ihrer neuen Heimat stilecht feiern konnten. Sie möchten hierbleiben, auf Dauer. Dass der Familienvater einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei Nowak hat, ist eine gute Grundlage, um einen unbefristeten Aufenthaltstitel zu bekommen.

Beitrag drucken
Anzeigen