v.l. Daniel Busch, Sabrina Marquardt, Stephanie Herrmann, Simone Tönnes (Foto: privat)
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Essen. Eine Ausbildung mit Mitte 40? Heutzutage ist dies keine Ausnahme mehr. Welche Chancen die betriebliche Einzelumschulung für Berufsrückkehrer/innen und Unternehmen bietet, zeigt die Geschichte der 45- Jährigen Simone Tönnes aus Essen.

„Erst war ich skeptisch, ob ich mit Mitte 40 noch mal den Schritt wagen und eine neue Ausbildung starten soll. Doch nun bin ich froh, dass ich mich dafür entschieden habe“, betont Simone Tönnes. Die Essenerin gehört seit Anfang September 2019 zum Team des Augenoptikerfachgeschäftes „Optik am Grendplatz“ in Essen Steele.

Dabei ist dies nicht ihre erste Ausbildung. Direkt nach der Schule machte Tönnes eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und später noch eine Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Dann kam ihre Tochter zur Welt. Nach der Elternzeit hatte die Essenerin mehrere Aushilfsjobs und pflegte ihre Eltern. „Doch mir war bewusst, dass das nicht ewig so gehen kann. Ich habe natürlich auch an später gedacht und wollte etwas für meine Rente tun“, erinnert sich die 45-Jährige.

Also ging sie zur Agentur für Arbeit und ließ sich von Sabrina Marquardt beraten. Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt gab ihr Mut etwas Neues zu wagen: „Nach mehr als zehn Jahren im erlernten Beruf, machte es wenig Sinn dort wieder anzusetzen. Es ändert sich einfach zu viel in dieser langen Zeit und die Stellenauswahl wäre auch nicht so üppig gewesen.“

Wie so oft im Leben gehört auch ein Quäntchen Glück dazu. Simone Tönnes kam zum nächsten Gespräch bei Sabrina Marquardt mit einer guten Neuigkeit. Eine Bekannte hatte ihr von einer frei werdenden Stelle bei ihrem Arbeitgeber, dem Augenoptikerfachgeschäft „Optik am Grendplatz“, berichtet. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich Simone Tönnes. „Direkt nach der Schule hatte ich auch Bewerbungen für eine Optikerausbildung geschrieben. Dies hat damals leider nicht geklappt, aber der Beruf hat mich schon immer interessiert!“

Daniel Busch, der Inhaber des Optikergeschäftes in Essen Steele lud Simone Tönnes ein und fand sie direkt sympathisch: „Sie machte auf mich einen sehr guten Eindruck – motiviert und freundlich. Nun hatte ich eine freie Stelle, die ich aufgrund es akuten Fachkräftemangels in unserer Branche nicht besetzen konnte und eine Bewerberin ohne Fachkenntnisse. Ich war erst etwas ratlos, wie ich das nun zusammen bekommen soll.“

Doch Sabrina Marquardt und der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur konnten helfen und boten Unterstützung in Form der betrieblichen Einzelumschulung an. Bei dieser stellt das Unternehmen den/die angehende/n Auszubildende/n bereits vorab ein und zahlt ein tarifübliches Helfergehalt. Der Betrieb bekommt dann wiederum einen Arbeitsentgeltzuschuss der Arbeitsagentur. „Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, so Sabrina Marquardt. „Denn in der Regel können Berufsrückkehrer/innen, die bereits mitten im Leben stehen, Kinder und finanzielle Verpflichtungen haben, nicht von einem Azubi-Gehalt leben. Für die Unternehmen ist es ebenfalls profitabel, denn sie bekommen von uns einen Teil des Arbeitsentgeltes, dass sie zahlen, erstattet.“

Ein weiterer Vorteil: die Ausbildung dauert bei der betrieblichen Einzelumschulung nur zwei Jahre. „Ich bin direkt im zweiten Lehrjahr eingestiegen. Das heißt ich muss einiges aufholen und nacharbeiten. Eine Herausforderung, der ich mich aber gerne stelle, da es um meine Zukunft geht“, betont Simone Tönnes. „Am Anfang war es schon komisch mit den jungen Azubis in einer Klasse zu sitzen, aber alle sind sehr lieb und helfen mir bei Kleinigkeiten, die ich nicht mehr weiß, da meine Schulzeit zu lange zurückliegt – zum Beispiel wie man ein Geodreieck richtig benutzt.“

Die junge Mutter geht nun zwei Tage in der Woche zur Berufsschule und drei Tage ist sie im Betrieb, um die praktische Arbeit zu lernen. Denn Optiker/in beraten und verkaufen nicht nur, sie benötigen auch mathematisches und handwerkliches Geschick.

„Unser Traditionsgeschäft gibt es nun bereits seit 45 Jahren in Essen Steele, hier direkt am Grendplatz“, so der Inhaber Daniel Busch. Der Augenoptikermeister hat aktuell drei Mitarbeiterinnen und beobachtet eine dramatische Entwicklung: „Unserer Branche fehlen die Fachkräfte. Junge Menschen interessieren sich leider nicht für den Beruf und ausgebildete Optiker/innen sind nie arbeitslos. Sie finden sofort eine neue Stelle. Ich habe mich auch bei meinen Kollegen umgehört – es geht allen so. Freie Stellen können einfach nicht besetzt werden. Und wir suchen händeringend gutes Personal.“

Deswegen ist Busch froh, dass er nun die Möglichkeiten der Arbeitsagentur kennt. „Mir war nicht bewusst, was alles machbar ist und dank der guten Beratung, weiß ich nun, welche Wege ich noch gehen kann, um geeignetes Personal zu bekommen. Denn mit Frau Tönnes habe ich in zwei Jahren eine ausgebildete Optikerin und ich zahle aufgrund der finanziellen Unterstützung aktuell nur so viel, wie ich für eine Aushilfe zahlen würde. Besser geht es doch nicht.“

Stephanie Herrmann, Geschäftsführerin Operativ der Arbeitsagentur Essen, freut sich, dass alle Beteiligten profitieren: „Die Geschichte zeigt wieder, welches Potential Wiedereinsteiger/innen für den Arbeitsmarkt bedeuten. Sie bieten dem Betrieb viele Vorteile. In der Regel ist die Familienplanung bereits abgeschlossen und sie verfügen über Berufserfahrung, Organisationstalent und eine hohe Motivation. Sie sind ein Vorbild für ihre Kinder und zeigen, welchen Stellenwert Arbeit in unserer Gesellschaft hat. Zudem denken sie an später und machen etwas für ihre Rente. Berufsrückkehrer/innen und Unternehmen können sich gerne bei der Arbeitsagentur melden. Wir haben für jeden das passende, maßgeschneiderte Angebot und unterstützen gerne.“

 

Interessierte Wiedereinsteiger/innen erreichen Sabrina Marquardt unter der Rufnummer 0201 181 6610 oder per Mail: Essen.BCA@arbeitsagentur.de

Weitere Informationen zu den Angeboten der Beauftragten für Chancengleichheit gibt es auf der Homepage der Agentur für Arbeit Essen unter https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/essen/startseite (Rubrik Chancengleichheit).

Unternehmen können sich direkt an Dragana Marijan (0201 181 1701) oder an Simone Gutschmidt (0201 181 3612) vom Arbeitgeber-Service melden.

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