„Wir sind für euch da! Bleibt ihr bitte für uns daheim!!!“ appelliert auch die Notbesetzung im VKJ-Kinderhaus (Foto: VKJ)
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Essen. VKJ zieht positives Fazit nach Woche 1 in Zeiten der Corona-Krise

Die Republik steht Kopf: Seit einer Woche herrscht in allen KiTas ein Betretungsverbot. Auch der VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V., hat seine 25 Kindertageseinrichtungen in Essen und Mülheim umgehend auf Notbetreuung umgestellt. Und: anfängliche Befürchtungen erwiesen sich bereits am vergangenen Montag als unbegründet – die Eltern zeigten sich verständnisvoll, Chaos blieb aus (vgl. Presse-Info vom 13.3.2020). Aber wie ist die Lage in den KiTas? Wie die Gefühlslage der Erzieher_innen vor Ort? Und wie kommt die Neuregelung der Notbetreuung für Personen in systemrelevanten Berufen an, die das Land NRW am Wochenende beschlossen hat?

Mit einem „etwas mulmigen Gefühl“ kommen Rosa Hermann, Leiterin des VKJ-Familienzentrums Kinderhaus SimSalaGrim in Kray, und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit letzter Woche zum Dienst. Sieben Kinder sind für die Notbetreuung angemeldet, aber „zum Glück nicht alle gleichzeitig vor Ort“, so Hermann. Denn: „Die Eltern sind sehr einsichtig und helfen, wo es nur geht, um unnötige Zusammenkünfte zu vermeiden und Infektionsketten zu unterbrechen.“ Am frühen Montagmorgen ist nur der kleine Max im Haus. „Das ist für ihn natürlich toll, Gruppen- und Nebenräume ganz für sich zu haben“, lacht Rosa Hermann. „Wir versuchen, auch für ein Kind den bekannten Tagesablauf aufrecht zu erhalten, frühstücken gemeinsam, spielen, hören Musik, kochen und versuchen alle Wünsche in dieser schwierigen Zeit zu erfüllen.“ Natürlich gehen dabei alle untereinander auf Abstand.

Max hört gerade Musik – endlich kann er mal der DJ sein. Doch die Gesellschaftsspiele hat er schon im Blick. Mit Erzieherin Sabine möchte er gleich eine Runde „Zicke Zacke Hühnerkacke“ spielen, bevor es ein leckeres Mittagessen gibt.

Insgesamt nahmen in der Vorwoche Eltern von 51 Kindern in Essen und Mülheim das Angebot der Notbetreuung wahr. „Die Zahl der Kinder in den Einrichtungen variiert von einem bis zu elf Kindern, die allerdings in den meisten Fällen nicht zeitgleich da sind. Einige Eltern benötigten nur stundenweise Betreuung, andere sogar nur an bestimmten Tagen“, erklärt VKJ-Geschäftsführerin Vera Luber, die ergänzt: „Wir hatten mit mehr Bedarf gerechnet. Ca. 97 Prozent unserer Kinder konnten erfreulicherweise zuhause betreut werden.“

Mit einem Anstieg rechnen Luber und der VKJ-Vorsitzende MdL Frank Müller in dieser Woche unter anderem dadurch, dass die Landesregierung den Zugang zur Notbetreuung am Wochenende neu geregelt hat. „Damit wird Personen, die für uns alle in systemrelevanten Berufen aktuell Großartiges leisten, eine Last genommen, denn sie wissen jetzt auch, wenn nur ein Elternteil in einem dieser Berufe arbeitet, ihre Kinder gut versorgt“, so Müller.

Rosa Hermann hofft, dass die Eltern weiterhin einsichtig bleiben: „Wir führen viele Telefonate und informieren immer wieder, dass weniger Kontakt in diesen Tagen mehr für uns alle ist. Eltern, die um 11 Uhr zum Dienst ins Krankenhaus müssen, haben uns gefragt, ob sie die Kinder ab 7 Uhr bringen können. Wir haben an die Vernunft appelliert, dass es doch reiche, die Kinder ab 10 Uhr in die Betreuung zu geben und stoßen dann auch auf offene Ohren.“

Das mulmige Gefühl, mit dem die Erzieherinnen und Erzieher aktuell zum Dienst erscheinen, kann ihnen keiner nehmen. „Wir haben eine tolle Supervisorin, die unentgeltlich telefonische Beratung und Hilfe in dieser schweren Zeit für das gesamte VKJ-Team angeboten hat“, freut sich Vera Luber. „Natürlich appellieren auch wir auf allen Kanälen, die Notbetreuung nur zu nutzen, wenn wirklich keine andere Betreuungslösung gefunden werden kann, denn je weniger Kontakt auch unter Erziehern und Kindern ist, desto mehr können wir die Infektionsketten eindämmen. Der VKJ ist für Sie und Ihre Kinder da, aber bitte bleiben Sie für uns daheim, damit wir bald Erfolge im Kampf gegen das Virus verzeichnen können“, so der Appell der Geschäftsführerin, die am Montag noch durch die Neuregelung der Notbetreuung mit mehr Andrang gerechnet hatte. “Aber der blieb wieder aus. Wir freuen uns, dass die Eltern weiterhin wenig Gebrauch vom Betreuungsanspruch machen, denn so schaffen wir es, Infektionsketten besser einzudämmen.”

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