hier: Zierapfel – Blütenpracht im Botanischen Garten in Krefeld. Mehr Bilder stehen in einer Galerie unter www.krefeld.de (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof)

Krefeld. Frühling im Botanischen Garten in Krefeld

Der Schulunterricht gestaltete sich vor über 100 Jahren auf vielfältige Weise natürlich anders als heutzutage. Für den botanischen Unterricht unterhielt die Stadt Krefeld einen eigenen Garten im Schönwasserpark in Oppum. „Ein wöchentliches Angebot der verfügbaren Unterrichtspflanzen, die zum Teil auch in Wald und Wiese gesammelt wurden, ergab die Bestellungen der einzelnen Klassen aller Volks- und höheren Schulen“, wird im Krefelder Jahrbuch „Die Heimat“ berichtet. Bei der Vielzahl der Schulen sei es deshalb nicht erstaunlich gewesen, wenn der Bote des Gartens bei einer zweimaligen Lieferung je Woche den Anhänger seines Fahrrades, meist aber eine Ziehkarre, vollgepackt mit Blumen und Pflanzen, durch die Straßen der Stadt zog. Die gesamte Menge aller Unterrichtspflanzen innerhalb eines Sommerhalbjahres betrug hunderttausende Exemplare. Dieser Schulgarten sollte die Keimzelle für den heutigen Botanischen Garten werden.

Zum Wissen und zur Freude wurden botanische Gärten angelegt. Die erste Anlage entstand im 16. Jahrhundert an der Universität im italienischen Padua. Der Mediziner und Botaniker Johann Daniel Major gilt als Initiator des ersten botanischen Gartens im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, der 1669 an der Universität Kiel aufgebaut wurde. Die Überlegungen für einen Botanischen Garten in Krefeld konkretisierten sich um 1927: Der vor 150 Jahren bei Rendsburg geborene Dr. Johannes Johansen war von 1911 bis 1930 Oberbürgermeister und verantwortlich für die Planung und den Ausbau des Krefelder Grüngürtels. Johansen und der Gartenbaudirektor Arnold Noell setzten auch die Realisierung des Grüngürtels zwischen Burg Linn und Haus Schönwasser um. Der dort angrenzende Schulgarten sollte zudem ausgebaut und in einen Botanischen Garten umgewandelt werden. Die Stelle eines botanischen Gärtners wurde ausgeschrieben und Anfang März 1928 mit Peter Gottschol besetzt. Über mehrere Jahrzehnte sollte er an dem Ausbau mitwirken. Bereits nach zwei Jahren war der Garten eine ansehnliche Anlage geworden. Diese ausschließlich den Schulen vorzubehalten, änderte sich bald. Die Krefelder entdeckten den Garten für sich – er entwickelte sich schnell zu einer Bildungsstätte für Schulen und weitere Kreise.

Heute wachsen auf 3,6 Hektar rund 5000 Pflanzenarten aus aller Welt. Europäische, amerikanische und asiatische Laub- und Nadelbäume bilden den äußeren Rahmen des Gartenareals. Neben dem Rosengarten mit rund 150 Rosensorten sind je nach Jahreszeit Rhododendronbereiche, Alpinum und der Apothekergarten mit Heil- und Giftpflanzen die Hauptanziehungspunkte. – Seit über 25 Jahren bildet der Botanische Garten zudem den Rahmen für die Ausstellung „Art of Eden“, die wegen des Coronavirus in diesem Jahr allerdings abgesagt worden ist. Aus diesem Grund bleibt der Botanische Garten auch noch geschlossen. Aber in einer Bildergalerie unter www.krefeld.de sind einige aktuelle Frühlingseindrücke aus der Anlage zu sehen.

Beitrag drucken
Anzeigen