Eine Mitarbeiterin des Café Schließfach verteilt Verpflegungspakete an wohnungslose Frauen und Mädchen. Jetzt nimmt die Einrichtung die persönliche Beratung wieder auf (Foto: privat)
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Essen. In kleinen Schritten zurück zur Normalität

Tatkräftige Hilfe, mentale Unterstützung, eine große Hilfsbereitschaft und Engagement, das ganz neu gedacht wird: Die besondere Situation der letzten Wochen entspannt sich langsam und die Normalität hält in kleinen Schritten Einzug. So zum Beispiel in den Beratungsstellen der cse.

Die Beratungsstellen der cse waren in der letzten Zeit über Notfallnummern telefonisch erreichbar. Der wichtige enge Austausch mit Klientinnen und Klienten war so weiterhin jederzeit sichergestellt. Nun können einzelne Einrichtungen ihre Türen wieder eingeschränkt öffnen, um ein offenes Ohr für Klientinnen und Klienten zu haben.

Die Beratungsstellen der Jugendhilfe, der Familienberatung, der Schwangerenberatung oder die Angebote für Frauen in Notlagen nehmen Ihre persönliche Beratung wieder auf. Das Café Schließfach, ein Angebot für wohnungslose Mädchen und Frauen, öffnet Montag bis Donnerstag zwischen 11.00 und 12.00 Uhr und zwischen 13.00 und 14.00 Uhr. Vier Frauen dürfen gleichzeitig im Café bleiben. Natürlich mit Maske und unter Einhaltung des Mindestabstands. „In der jetzigen Situation ist die zeitweise Öffnung für uns eine große Hilfe, um die Frauen noch persönlicher beraten und stabilisieren zu können“, so Maike van Ackern, Leiterin des Café Schließfach.

Auch die Beratungsstellen des Fachbereichs Integration und Migration beraten wieder persönlich. Die Migrationsberatung im Treffpunkt Graffweg im Stadtbezirk VII öffnet ihre Pforten, genauso wie der Treffpunkt Süd im Stadtbezirk V und die offene Sprechstunde in der Niederstraße im Stadtbezirk I. Zweimal in der Woche für jeweils vier Stunden können sich Hilfesuchende beraten lassen. Aufgrund der derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln wurde ein Terminsystem eingeführt: Interessierte holen sich morgens einen Termin für den gleichen Tag. So sind immer nur wenige Personen gleichzeitig im Raum.

Im Fachbereich Gesundheit und Pflege können die bislang weitgehend ausgesetzten Einsätze der Ehrenamtlichen wieder eingeschränkt aufgenommen werden. Dies betrifft die Demenzbetreuung, den ambulanten Hospizdienst für Erwachsene Cosmas und Damian und den ambulanten Kinderhospizdienst im KinderPalliativNetzwerk.

Wie können wir über den telefonischen Kontakt hinaus für unsere Klienten und Klientinnen da sein? Eine Frage, die sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der cse in den letzten Wochen täglich gestellt haben. Neue Herausforderungen führen zu neuen Lösungen: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Unglaubliches geleistet, hatten tolle Ideen und sind gemeinsam über sich hinausgewachsen“, so Andreas Bierod, seit April neuer Geschäftsführer der cse. Im Folgenden einige Beispiele.

 

Lernförderung: cse-Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Stiftungen arbeiten Hand in Hand

Mitarbeitende der Lernförderung, die normalerweise Kinder in rund 15 Grundschulen wöchentlich und in kleinen Lerngruppen fördern, finden in Corona-Zeiten andere Wege: 365 Grundschulkinder erhalten eine 25seitige Zusammenstellung von Lern- und Spielmaterial. Die `Stiftung – Dein Zuhause hilft´ – Eine Initiative der LEG-Immobilien-Gruppe – unterstützt dieses Vorhaben durch eine finanzielle Zuwendung zur Deckung der entstehenden Material- und Honorarkosten.

Das Team des Fachbereichs Integration und Migration aus dem Bezirk V erwirbt dank der finanziellen Unterstützung des Sozialfonds des Bistums Essen zahlreiche zweisprachige Kinderbücher und Sprachlernspiele. Die Mitarbeitenden und ehrenamtlich Helfenden verteilen diese an die Flüchtlingsfamilien im Bezirk V. Nach einigen Tagen werden die Bücher und Spiele wieder eingesammelt und die Familien erhalten neue Bücher. Jedes Tütchen enthält auch Bastelmaterial für die Kinder. Die Übergabe erfolgt immer kontaktlos – die Tütchen mit den Büchern werden vor die Haustür gelegt. „Mit diesem Projekt wollen wir die Kinder und Familien unterstützen, die durch den aktuellen Ausfall des Schulunterrichts, der Integrations- und sonstiger Deutschkurse sehr wenig Kontakt zu der deutschen Sprache haben“, so Dr. Agnieszka Bitner-Szurawitzki, Ehrenamtskoordinatorin der cse.

Die Ehrenamtlichen aus dem Treffpunkt Graffweg treffen sich in der Zeit des Kontaktverbots online mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen ihrer Deutschkurse. Ganz praktisch üben Sie mit Geflüchteten per Skype das Sprechen, vertiefen Grammatikregeln, erklären wie man einen Weg beschreibt und mehr. Etwas lockerer geht es im neuen Online-Erzählcafé zu, hier wird per Skype geplaudert, nebenbei vertieft sich die Sprache.

 

Pragmatische Hilfe: Mahlzeiten sicherstellen

Mitarbeitende der Suppenküche geben Verpflegungspakete aus, um trotz räumlicher Distanz den wohnungslosen Männern und Frauen auch weiterhin helfen zu können.

Im Café Schließfach für wohnungslose Mädchen und Frauen wird eine Tafelausgabe eingerichtet, über die die Besucherinnen Verpflegungspakete erhalten.  Zusätzlich beliefern die Mitarbeiterinnen die Frauen, die zur Risikogruppe gehören. Sie bringen ihnen Lebensmittel von der Tafel nach Hause und stellen diese vor der Tür ab.

Das Team aus dem Fachbereich Prävention & Bildung versorgt Familien in Not, in denen Mahlzeiten für die Kinder aufgrund Kita- und Schulschließungen wegfallen, mit Lebensmittelpäckchen. Die Päckchen enthalten frische und haltbare Lebensmittel, aber auch mit Spiel- und Beschäftigungsmaterialien. Die `Stiftung – Dein Zuhause hilft´ – Eine Initiative der LEG-Immobilien-Gruppe – unterstützt dieses Vorhaben durch eine finanzielle Zuwendung.

Was deutlich wird: Gerade in Zeiten des Coronavirus kommt keine Langeweile auf. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der sozialen Arbeit finden in dieser Situation gemeinsam neue kreative Lösungen. Auch unter schwierigen Bedingungen.

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