Sven Rodewald (Foto: © uniqueprojects)
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Duisburg. Rein männliche Berufsschulklassen sind keine Seltenheit. Das Duisburger Unternehmen unique projects will daran etwas ändern – doch das ist ein schwieriges Unterfangen.

„IT ist Männersache.“ Leider spiegelt dieser dumme Spruch in gewisser Weise die Realität wider. Denn noch immer schlagen nur wenige Frauen einen entsprechenden Berufsweg ein. In der Berufsschulklasse von Vincenzo Antacido beispielsweise sind die Männer unter sich: „Die Klasse besteht nur aus Jungs“, sagt der angehende Fachinformatiker für Systemintegration im ersten Ausbildungsjahr. Ein merkwürdiger Einzelfall? Offenbar nicht: „Meine Freundin macht ebenfalls eine schulische Ausbildung in der IT. In ihrer Klasse gibt es nur ein weiteres Mädchen“, ergänzt Vincenzo Antacido. Sein Azubi-Kollege Joshua Tepass, derzeit im zweiten Ausbildungsjahr, besucht eine andere Berufsschule in der Region. Er kennt keine junge Frau, die den gleichen Berufsweg eingeschlagen hat.

Ihr Ausbildungsbetrieb, die unique projects GmbH & Co. KG mit Sitz in der Duisburger Innenstadt und einem weiteren Standort in Leipzig, will an dieser Situation etwas ändern. Doch das ist gar nicht so einfach, zumal im Ausnahmejahr 2020: So wollte sich der IT-Lösungsanbieter am sogenannten Girls’Day beteiligen. Drei Schülerinnen hatten sich angemeldet. Doch dann fiel der bundesweite Termin Corona bedingt aus. Zudem ist es aus Sicht von Sven Rodewald, einem der beiden Geschäftsführer der unique projects GmbH & Co. KG, grundsätzlich eine Herausforderung, das komplexe Berufsfeld in nur wenigen Stunden zu präsentieren. „Im täglichen Arbeitsalltag ist kaum ein Überblick zu vermitteln“, gibt er zu. Daher habe man den Teilnehmerinnen des ersten Girls’Day 2019, erklärt, wie auf einem Raspberry PI, also einem Einplatinen-Computer, ein Betriebssystem installiert werde, um damit dann ein W-Lan zu hacken. „Die Schülerinnen sollten ein Gefühl dafür bekommen, wie einfach auch das negative, das illegale Tun sein kann.“ Da sich die Firma auch mit IT-Sicherheit befasst, ist solches Wissen essenziell.

Auf die Frage, warum es bislang so wenig Frauen in der IT gibt, hat Sven Rodewald keine Antwort. „Es gibt bei uns tolle Berufe, die natürlich von Frauen wie Männern gleichermaßen gut ausgeübt werden können.“ Fachkräfte in der Informatik werden händeringend gesucht – und entsprechend gut bezahlt. Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig (und rar) Fachleute sind, die beispielsweise das Homeoffice professionell vernetzen können. Das Duisburger Unternehmen versteht sich als flexibler Arbeitgeber, ist auch offen für die Wünsche und Vorstellungen von Müttern und Vätern. „Entsprechende Arbeitszeitmodelle sind kein Problem.“ Derzeit laufen die Ausschreibungen für zwei Azubi-Stellen. „Wir hoffen auf viele Bewerberinnen“, sagt Sven Rodewald. Auch im Rahmen eines Dualen Studiums gibt es offene Stellen.

Azubi Vincenzo Antacido hat mit Blick auf den Frauenmangel folgende Vermutung: „Vielleicht liegt es einfach daran, wie man als Kind aufwächst.“ Er selbst habe in seiner Schulzeit mit den Kumpels viele Computerspiele „gezockt“. „So habe ich eine Affinität zu Computern aufgebaut.“ Auch seine heutige Freundin durfte schon früh altersentsprechende Games am PC spielen. „Ihr Vater war selbst Computer-Enthusiast.“ Jungen wie Mädchen sollten nach Ansicht von Vincenzo Antacido in jungen Jahren an die Technik herangeführt werden.

Joshua Tepass glaubt, dass mit den nächsten Azubi-Generationen mehr Mädchen in die IT-Branche kommen werden. „Sie werden noch stärker als heute in den sozialen Netzwerken unterwegs sein und für unsere Berufe werben.“

InfoKlick: https://www.unique-projects.com/

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