Mit Leidenschaft Heilerziehungspfleger: Thomas Mesmer (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Krefeld/Mönchengladbach/ Rhein-Kreis Neuss. „Unsere Persönlichkeit ist unser Werkzeug“ 

Im  gemeinsamen Wohnzimmer herrscht gute Stimmung, gerade sind Gesellschaftsspiele angesagt. Schon auf den ersten Blick ist klar: Thomas Mesmer liebt seinen Job. „Ich brauche im Beruf das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, jemandem helfen zu können und seine Eigenständigkeit zu stärken, damit er an der Gesellschaft teilhaben kann.“ Unterstützen, begleiten und dazu beitragen, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen ihren Alltag möglichst eigenständig und selbstbestimmt gestalten können – das ist der Berufsalltag eines Heilerziehungspflegers. Bislang waren die Voraussetzungen zur Ausbildung in der Heilerziehungspflege recht hoch gehängt: Immerhin 900 Stunden Praxiserfahrung mussten die künftigen Bewerber nachweisen. Jetzt sind nur noch 480 Stunden Praxiserfahrung oder sechs Wochen Praktikum in Vollzeit Voraussetzung – ein klarer Vorteil, um nach der Schule eher in die Ausbildung gehen zu können.

„In sechs Wochen können sich die Bewerber schon ein ganz gutes Bild machen, ob sie sich für den Beruf als geeignet fühlen und ob dies der Beruf ist, in dem sie später arbeiten möchten“, sagt Sonja Kolb, zuständige Koordinatorin bei der St. Augustinus Gruppe. Voraussetzung für die Ausbildung bleiben aber das Abitur bzw. die Fachhochschulreife oder die Mittlere Reife/Fachschulreife und zusätzlich der Abschluss einer anderen Berufsausbildung. „Diese Bedingungen sind relativ hoch – aber die Ausbildung hat im theoretischen Teil auch Bachelor-Niveau“, so Kolb. „Dafür verdienen die jungen Leute jetzt auch mehr: Im ersten Ausbildungsjahr sind es immerhin schon über 1.000 Euro im Monat.“

Das im Vorfeld erwartete Praktikum ist zwar ohne Vergütung, aber aus Sicht von Thomas Mesmer ein absolutes Muss: „Diese sechs Wochen sind sehr sinnvoll für alle, die in den sozialen Sektor wollen, aber noch nicht genau wissen, ob eine Ausbildung oder ein Studium das Richtige für sie ist“, sagt der 40-Jährige, der seit über 20 Jahren in der Behindertenhilfe tätig ist. Bei der St. Augustinus Gruppe gebe es den Vorteil, in der Ausbildung dann gleich mehrere Bereiche kennen zu lernen. „Wir haben Wohneinrichtungen sowohl für  Menschen mit chronisch psychischen, als auch für  Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Wir haben große Häuser, als auch kleine Wohngemeinschaften, dazu Begegnungsstätten, Netzwerke und Ambulant betreutes Wohnen – da sammeln Azubis sehr viele Erfahrungen.“

Diese können natürlich auch bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder beim Bundesfreiwilligendienst erworben werden. „Aber nur mit Ausbildung hat man im Anschluss auch richtig gute Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen“, wirbt Thomas Mesmer für seinen Beruf. Und muss bei der Frage nach den wichtigsten Eigenschaften für – künftige – Heilerziehungspfleger nicht lange überlegen: „Beobachtungsgabe, Empathie, Kommunikationsvermögen, Flexibilität und vieles mehr – unsere Persönlichkeit ist unser Werkzeug! Aber selbst wer im Anschluss an ein Praktikum keinen Beruf im sozialen Sektor anstrebt, sagt im Rückblick doch fast immer, dass die Zeit in der Behindertenhilfe eine große Bereicherung und wichtige Erfahrung für die eigene Persönlichkeitsentwicklung war.“

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