Einblick in die Arbeit des Berufsförderungszentrums Schlicherum, hier beim Gabelstapler-Training (v.l.): Herbert Bremer (Trägerverein BFZ Schlicherum), Bürgermeister-Kandidat Jan-Philipp Büchler, Maßnahmenteilnehmer Adam Manfred Wolters, MdB Hermann Gröhe, Ausbilder Detlef Just, Geschäftsführer Michael Stork und Thomas Nickel (Trägerverein BFZ Schlicherum) (Foto: BFZ Schlicherum)
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Neuss. Gröhe und Büchler besuchen BFZ Schlicherum

Bei einem Ortstermin informierten sich der Neusser Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe und der CDUBürgermeister-Kandidat Jan-Philipp Büchler über die Arbeit des Berufsförderungszentrums Schlicherum. Die Einrichtung, die vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit verschiedenen Maßnahmen die (Wieder-)Eingliederung in den Arbeitsmarkt ermöglicht, steht aktuell vor großen Herausforderungen, wie Thomas Nickel, 1. Vorsitzender des Trägervereins, deutlich machte.

Als Bildungseinrichtung musste das BFZ Schlicherum wie die Schulen und Hochschulen im Zuge der Schutzmaßnahmen gegen die CoronaPandemie am 16. März vorübergehend schließen. Inzwischen läuft die Arbeit wieder weitgehend im Normalbetrieb – mit umfassenden Schutz- und Hygienevorkehrungen. BFZ-Geschäftsführer Michael Stork zieht eine positive Zwischenbilanz zur Corona-Krise: „Wir konnten den Kontakt zu unseren Maßnahmenteilnehmern ständig aufrecht erhalten – per Telefon, E-Mail oder mit Webmeetings. Gerade die inhaltliche Arbeit mit digitalen Medien bietet großes Potenzial, das wir in Zukunft stärker nutzen wollen“, sagte Stork und wies zugleich auf ein gravierendes Problem hin: „Viele unserer Klienten haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, um privat eine entsprechende technische Ausstattung für das Lernen zu Hause vorzuhalten. Das muss die Politik in ihrer Digitalisierungs-Strategie im Blick haben.“

Ein weiteres Problem, das sich in den letzten Jahren zusehends verschärft hat, ist die fehlende Planungssicherheit. Die Vergaben für berufliche Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen zum Beispiel durch die Jobcenter erfolgen in immer engeren Zeitfenstern bei tendenziell verkürzten Laufzeiten, kritisierte Nickel. Nicht selten liegen zwischen Zuschlag und Maßnahmenbeginn keine drei Wochen. „Unsere Vorlaufzeit ist aber viel höher. Wir müssen Personal einstellen, räumliche und technische Voraussetzungen schaffen. Das ist in so kurzer Zeit nicht möglich. Investitionen in Personal und Ausstattung werden aufgrund kurzer Laufzeiten der Maßnahmen zu einem erheblichen Risiko – nicht zuletzt für die betroffenen Mitarbeiter“, erläuterte Stork. Gröhe und Büchler zeigten sich sehr offen für diese Probleme und betonten gemeinsam ihre hohe Wertschätzung für die Arbeit des BFZ, in dem derzeit rund 100 junge Menschen in Berufsfeldern wie Hauswirtschaft/Gastronomie, Lager/Logistik, Garten-/Landschaftsbau, Farb-/Raumgestaltung, Metallbearbeitung oder Pflege geschult werden. „Hier werden Brücken in den Arbeitsmarkt gebaut. Das Berufsförderungszentrum Schlicherum bietet dafür eine enorme Erfahrung und Qualität. Darum wollen wir solche Einrichtungen unterstützen“, unterstrich Gröhe.

Büchler hob den lokalen Bezug hervor: „Wir haben hier viel Erfahrung und Expertise direkt vor Ort. Die Arbeit des BFZ Schlicherum ist auch wegen des Corona-bedingten Anstiegs der Jugendarbeitslosigkeit im Rhein-Kreis Neuss wichtiger denn je. Wir brauchen solche dezentralen, lokalen Einrichtungen, in denen die Teilnehmer optimal persönlich betreut werden.“

Kurzprofil
Das Berufsförderungszentrum Schlicherum e.V. widmet sich seit 1985 erfolgreich der Förderung benachteiligter Menschen. Im Fokus stehen insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene. Durch Berufsvorbereitung, Qualifizierung und Hilfen bei der Überwindung schwieriger Lebenslagen ermöglicht das BFZ Schlicherum die gesellschaftliche Integration und die (Wieder-)Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Die Maßnahmenteilnehmerinnen und -teilnehmer werden in sieben Berufsfeldern und in zehn eigenen Lehrwerkstätten in Theorie und Praxis auf eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt vorbereitet. Aktuell hält das BFZ Schlicherum rund 160 Teilnehmerplätze vor. Zu den Auftraggebern zählen u.a. die Bundesagentur für Arbeit, der Rhein-Kreis Neuss, das Jobcenter im Rhein-Kreis Neuss sowie verschiedene Ministerien auf Bundes- und Landesebene.

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