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Kreis Wesel. Die Anzahl der bestätigten Fälle von labordiagnostisch nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus (Covid-19) im Kreis Wesel liegt aktuell bei 700, Stand 25.06.2020, 12 Uhr. Zum Vergleich, Stand 24.06.2020, 12 Uhr = 692 Fälle.

Die aktuelle 7-Tage-Inzidenz im Kreis Wesel liegt damit bei 7,2. Die 7-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage bezogen auf jeweils 100.000 Einwohner gemeldet wurden.

Die Lage stellt sich folgendermaßen dar:

Wohnort Gesamtanzahl der Infektionen* Genesen** Verstorben
Alpen 15 15 0
Dinslaken 104 92 2
Hamminkeln 38 34 1
Hünxe 29 27 2
Kamp-Lintfort 66 46 7
Moers 161 122 4
Neukirchen-Vluyn 42 38 3
Rheinberg 48 46 0
Schermbeck 40 36 0
Sonsbeck 16 13 3
Voerde 58 54 0
Wesel 58 50 1
Xanten 25 23 2
Gesamt 700 596 25

* Die Gesamtanzahl der Fälle beinhaltet auch verstorbene und genesene Personen.

** Als „Genesen“ werden die Personen bezeichnet, die aus der Quarantäne entlassen wurden.

Kreis Wesel führt Reihentestungen in Moerser Fleisch-Unternehmen durch

In der Moerser Öztas Dönerproduktion GmbH & Co KG wurden 17 (von insgesamt 275) Mitarbeitende positiv auf das Corona-Virus getestet. Die Betroffenen befinden sich in Quarantäne, die Kontaktnachverfolgung durch den Fachdienst Gesundheitswesen des Kreises Wesel ist bereits angelaufen. Aktuell befinden sich 43 weitere Personen vorsorglich in Quarantäne. Zwölf der infizierten Personen stammen aus Moers, eine aus Kamp-Lintfort und eine aus Neukirchen-Vluyn. Drei weitere haben ihren Wohnsitz in Duisburg.

Die positiven Testergebnisse ergaben sich im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Nachtestung der vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW erlassenen Reihentestungen aller Mitarbeitenden von Schlachtbetrieben in NRW Anfang Mai. Hierbei wurden die Personen getestet, die aufgrund von Urlaub, Kurzarbeit o.Ä.  am Haupttermin nicht getestet werden konnten.

Zur Verhinderung eines größeren Infektionsgeschehens hat der Fachdienst Gesundheitswesen in enger Absprache mit dem Unternehmen am Mittwochvormittag (24.06.2020) Reihentestungen aller anwesenden Mitarbeitenden am Standort in Moers durchgeführt. Ziel von Unternehmen und Kreisverwaltung ist die Kontrolle und Eindämmung des lokalen Infektionsgeschehens. Hierzu wird der Betrieb zunächst geschlossen bis die Testergebnisse vorliegen. Lediglich eine kleine Kernmannschaft, bestehend aus gesunden und symptomfreien Mitarbeitenden, wird in den kommenden Tagen unter Einhaltung strenger Hygieneregeln in einem abgegrenzten Bereich des Betriebs die bereits angelieferte Frischware weiterverarbeiten, um zu vermeiden, dass diese verdirbt.

Sobald Ergebnisse der Reihentestungen vorliegen, wird der Kreis Wesel erneut informieren. Der Betrieb verfügt über ein hervorragendes Hygienekonzept. Die Firma Öztas arbeitet nicht mit Werkverträgen oder bringt Mitarbeitende in Sammelunterkünften unter.

Die neue landesweite Abstrichstrategie, anlassbezogene Reihentestungen vor Ort vorzunehmen, kommt im Kreis Wesel hier zum ersten Mal zum Einsatz. Gemeinsames Ziel von Kreisverwaltung und Unternehmen ist, ein größeres Infektionsgeschehen durch frühe Risikoerkennung, Kontaktnachverfolgung und begleitende Quarantänemaßnahmen zu verhindern.

Bürgermeister Fleischhauer fordert Erhalt des Abstrichzentrums Bethanien

Bürgermeister Christoph Fleischhauer hält die Schließung des Abstrichzentrums für Corona-Tests am Krankenhaus Bethanien durch den Kreis Wesel für nicht vertretbar. In einem Brief appelliert er an Landrat Dr. Ansgar Müller, dieses unbedingt aufrechtzuerhalten. „Wir befinden uns in einer fragilen Lage der Lockerung und können im Moment nicht absehen, ob nicht gerade in Ansehung der beabsichtigten Mehrtestungen in der Zukunft das Abstrichzentrum sogar noch an Bedeutung gewinnen wird“, schreibt Fleischhauer. „Deshalb nochmals: Der Erhalt des Abstrichzentrums am Krankenhaus Bethanien ist zurzeit unverzichtbar!“

FBM unterstützt Forderung von Fleischhauer

„Angesichts der vermehrten Coronainfektionen in Moers und der Forderung von Dr. Voshaar auf Erhalt des Abstrichzentrums kann man die Forderung vom Bürgermeister Fleischhauer nur unterstützen“, erklärt aktuell Paul Süßer, Fraktionsvorsitzender der „Freie Bürgerliste Moers (FBM)“ zu den Planungen, dass Abstrichzentrum für Corona-Tests am Krankenhaus Bethanien durch den Kreis Wesel zu schließen. Süßer verweist dabei auch auf die während der Pandemie gemachten Erfahrungen, wie schnell Hotspots mit Coronainfizierten, wie z.B. am Anfang der Kreis Heinsberg und jetzt um Gütersloh, entstehen können.

Grüner Bürgermeisterkandidat Pelikan: Lockdown verhindern

In seinem aktuellen Statement “Lockdown verhindern” verweist Christian Pelikan, Bürgermeisterkandidat der Bündnis 90/Die Grünen in Neukirchen-Vluyn aus Massenunterkünfte, mangelnde Hygiene, und viele Erkrankungen: “Klingt nach klassichen Problemen aus der Massentierhaltung. Ja, diese gibt es auch leider weiterhin und ein Ende des Tierleids ist nicht in Sicht.

Hierbei geht es aktuell jedoch um Menschen. Menschen, die aus dem Ausland gelockt werden, um hier in der florierenden Fleischereiwirtschaft zu arbeiten. Hier angekommen, lernen die Arbeiter, welche zumeist über Leiharbeitsfirmen angestellt sind, die bittere Wahrheit kennen. Die Arbeiter*innen müssen in Massenunterkünften wohnen, welche nach Betten zu hohen Preisen abgerechnet werden. Die Bezahlung entspricht gerade einmal dem Mindestlohn. Zudem sind die hygienischen Zustände in fleischverarbeitenden Betrieben miserabel und das schon seit Jahren.”

Weiterhin fragt sich Pelikan: “Warum kommt also jetzt erst der große Aufschrei? Das Corona-Virus zeigt schonungslos die Schwachstellen in den Hygiene-Konzepten (soweit vorhanden) dieser Betriebe auf. Tönnies, Westfleisch, Wiesenhof und nun ein Dönerfleischproduzent aus Moers.”

Es sei ein deutliches Muster zu erkennen, so Pelikan. “In Moers stehen wir mit bisher 17 positiven Test von 275 Mitarbeitern noch am Anfang. Es gilt nun schnellstens zu handeln. Der Betrieb muss bis auf Weiteres geschlossen bleiben und alle Mitarbeiter müssen vorsorglich in Quarantäne. Nur so lässt sich die Verbreitung stoppen und ein Lockdown von Moers oder gar dem Kreis Wesel verhindern.”

Ein genereller Systemwechsel müsse her. “Weg vom schnellen Billighack für 3,99 €/kg, hin zu mehr Tierschutz und Mitarbeiterfürsorge. Nur, wenn Tier und Mitarbeiter ein angenehmes Leben hatten, lässt sich das Schnitzel auch genießen. Oder man lässt es gleich ganz weg”, zieht der Neukirchen-Vluyner Bürgermeisterkandidat als Fazit.

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