Pfarrer Claus Brandis (Foto: privat)
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Moers. Am 30. August um 10 Uhr lädt die Ev. Kirchengemeinde Schwafheim zu einem Gottesdienst ein, in dem viele Herzen traurig sein werden. Aber auch dankbar für 18 Jahre mit Pfarrer Claus Brandis, der die Gemeinde verlässt. Der Gottesdienst wird in frischer Luft auf der Gemeindewiese gefeiert, Ackerstraße 180. Alle, die sich verabschieden wollen, sind herzlich eingeladen – auch zum anschließenden Imbiss.

Claus Brandis wurde 1958 in Dortmund geboren und wuchs in Krefeld auf. Dass er Theologie studierte, hat viel mit der Auseinandersetzung in seinem Elternhaus zu tun, in dem nach den Jahren und den Lügen des Faschismus und des Krieges nahezu ausschließlich die scheinbare Gewissheit von  Zahlen und Fakten zählte und spirituelle Fragen wenig Raum bekamen. Sein Studium führte ihn nach Münster. Dort lernte er seine Frau kennen. In der Studienzeit setzte er sich nicht nur mit Religion auseinander, sondern unter anderem auch mit den komplexen Überlegungen der Quantenphysik: ihrem Abrücken von einem vermeintlich eindeutigen Tatsachenwissen, den Überlegungen zum Nichts und dem Zweifel an bislang behaupteten Gegensätzen.   „Naturwissenschaft und Spiritualität sind nicht gegensätzlich, sondern verschiedene Sichtweisen“, ist seine Erkenntnis, die er auch in der spirituellen Tradition des Zen-Buddhismus wiederfindet.

Sein Vikariat absolvierte Claus Brandis in Essen-Bredeney. Anschließend übernahm er für 16 Jahre die Pfarrstelle in der Ev. Kirchengemeinde Düsseldorf Garath und praktizierte in dieser Zeit alles, was den Pfarrdienst ausmacht und noch mehr: Bau eines Gemeindeshauses, des Kindergartens, Aufbau von Gemeindegruppen und Gemeindeleben neben der Seelsorge für die Menschen in seelischer Not, den Gottesdiensten, den Taufen, Trauungen, Beerdigungen.  Als er sich im Jahr 2002 nach Schwafheim bewarb, wurde er aus vielen Mitbewerbenden ausgewählt.

„Ich bin dankbar für die Zeit hier in Schwafheim“, sagt der 61-Jährige. „Für die wunderbaren haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden im Gemeindebüro, im Presbyterium, in der Jugendarbeit, im Kindergarten.“ Gemeinsam organisierten sie Gemeindefeste, Public Viewing zu Fußballweltmeisterschaften, Freizeiten, die über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Oldie-Night etc. In den Fokus der gemeinsamen Gemeindearbeit aber geriet zunehmend der Wunsch, den Menschen verstärkt Erfahrungen zu ermöglichen, die früher selbstverständlich waren und sie zu sich und zu Gott geführt hatten, erzählt Brandis. „Früher gab es ganz selbstverständliche Riten, in denen diese Begegnungen stattfanden, angefangen mit dem Tischgebet. Das alles ist weggefallen und einen Ersatz gab es für die Menschen nicht. Wir bieten Kurse und Gruppenangebote an, durch die Selbst- und Gotteserfahrungen wieder möglich sind, z. B. Perlen des Glaubens, Herzensgebet, Meditationen etc. Diese Gruppen werden auch von Nicht-Christen gut besucht. Die Menschen haben ein Bedürfnis nach Spiritualität. Unsere Übungen gibt es in allen Religionen und sie werden auch in Therapien genutzt.“ So hat Brandis eine Ausbildung zum geistlichen Begleiter gemacht und sich  im Herzensgebet weitergebildet. Was vor einigen Jahren mit gut besuchten Glaubenskursen der Gemeinde begonnen hat, mündet vorerst in dem Raum der Stille, den die Gemeinden bauen will und der einzig für diese Zwecke genutzt werden soll.

Künftig wird man dem Theologen nicht nur auf den Schwafheimer Straßen begegnen können, denn er bleibt im Ort wohnen, sondern auch seine spirituellen Angebote im Raum der Stille wahrnehmen können.

Die nächsten beiden Jahre bis zu seinem Ruhestand jedoch wird er für die Landeskirche im Rahmen eines Projektes in der Ev. Kirchengemeinde Norf–Nievenheim tätig sein, um z. B. an der Konzeption der Gemeinde mitarbeiten, Menschen für die Gemeindeleitung gewinnen etc.  „Es wird anders. Aber ich freue mich auch darauf.“

Zeitlich zusammenfallen sollen hatte sein Weggang eigentlich mit der geplanten Fusion der Ev. Kirchengemeinde mit den Nachbarkirchengemeinden, die dann allerdings nicht zustande kam. Über die weiteren pfarramtlichen Planungen beraten zurzeit die evangelischen Kirchengemeinden Moers, Moers-Hochstraß, Moers-Asberg, Moers-Scherpenberg, Kapellen, und  Schwafheim miteinander, die eine Region im Kirchenkreis Moers bilden.

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