Willichs Bürgermeister Christian Pakusch (Foto: Stadt Willich)
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Kreis Viersen/Mönchengladbach. Vermutung: Änderung des FNP pro Schnellradweg soll S28-Weiterbau stoppen

Die Absicht der Stadt Mönchengladbach, mit Festschreibungen bei der 246. Änderung des Flächennutzungsplans den Radschnellweg zwischen Gladbach und Krefeld zu pushen und planungsrechtlich zu priorisieren, hat in der Willicher Stadtspitze die Alarmglocken schrillen lassen. Natürlich hat auch bei der Stadt niemand etwas gegen den zügigen Ausbau des Radschnellwegs – ganz im Gegenteil.

Hintergrund des Willicher Unbehagens ist ein anderer: Der seit Jahren gewünschte Weiter- und Ausbau der Regiobahn S28 vom Bahnhof Kaarster See zum Bahnhof Viersen, für den man wegen bestimmter Flächen ein Einvernehmen der Stadt Mönchengladbach benötigt, hängt mit dem geplanten Radschnellweg wegen der dazu benötigten Trasse unmittelbar zusammen.

Ausbau der S28: Die hierfür vorgesehene und nötige Trasse über Schiefbahn und Neersen ist eisenbahnrechtlich gewidmet, wurde jahrzehntelang freigehalten und könnte durchgängig wieder genutzt werden. Eine Machbarkeitsstudie aus 2009 hatte in verschiedenen Varianten die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme eindeutig nachgewiesen – und letztlich gescheitert waren wirkliche Fortschritte in den letzten Jahren immer wieder an der blockierenden Haltung der Stadt Mönchengladbach.

Willichs Bürgermeister Christian Pakusch fürchtet nun, dass mit der seitens der Stadt Mönchengladbach offenbar angedachten Festlegung in Sachen Radschnellweg (konkret sind Änderungen im Flächennutzungsplan und Bebauungsplan im Bereich Neuwerk an der Stadtgrenze in den politischen Entscheidungsprozess gegeben worden) Fakten in Blick auf die Trasse geschaffen werden könnten, die dann ebenfalls faktisch den Weiterbau der S 28 auf Sicht verhindern könnten. Pakusch: „Andere Trassenvarianten für den unbestritten ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Weiterbau der S 28 sind wenig realistisch – und würden unsere Pläne, die Realisierung kurzfristig konkret anzugehen, auf Jahre konterkarieren.“

So will Pakusch jetzt kurzfristig den Kontakt zur Gladbacher Stadtspitze suchen und klären, ob die in Willich gehegte Vermutung, dass „hier auf kaltem Wege via Priorisierung Radschnellweg der Weiterbau der S 28 verhindert werden“ soll, den Tatsachen entspricht. Für diesen Fall kündigt Pakusch den deutlichen Widerstand der Willicher an: „Es kann nicht sein, dass man hier unter dem Deckmantel, ein an sich sinnvolles Projekt wie den Radschnellweg zu fördern, ein anderes, aus regionaler Sicht mindestens ebenso sinnvolles Projekt, eben den Weiterbau der S28, zu torpedieren. So sinnvoll Kooperationslösungen Radschnellweg/S28 möglich sind, werden wir als Stadt Willich alles tun, diese durchsichtigen Gladbacher Versuche zu stoppen.“

GRÜNE im Kreis Viersen weisen auf drohende Entwidmung der S28-Trasse in Mönchengladbach hin

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Kreis Viersen unterstützen ausdrücklich den offenen Brief zur S28 von Pro Bahn e.V. und Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD). Er ging vor ein paar Tagen an alle betroffenen Kommunen, Firmen und Institutionen. In dem Brief wird neben den Vorteilen der Verlängerung der Strecke unter anderem erwähnt, dass in Mönchengladbach eine Entwidmung der für die S28 vorgesehenen Trasse per Flächennutzungs- und Bebauungsplan droht.

Darauf weisen die GRÜNEN im Kreisverband Viersen explizit hin: „Die Bauleitpläne beziehen sich auf den geplanten Radschnellweg von Krefeld über Willich nach Mönchengladbach, der auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen diesen Städten verlaufen soll“, so Reiner Neuss, Sprecher der Kreisarbeitsgemeinschaft Verkehr von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Viersen. „Diese Trasse verläuft im Grenzgebiet zwischen Willich und Mönchengladbach etwa für einen Kilometer exakt auf der Trasse der S28“.

Auf Mönchengladbacher Gebiet soll diese Trasse laut Neuss nun für den Radschnellweg entwidmet werden. „Das Teilstück ist zwar nur knapp 300 Meter lang, damit wäre aber die Verlängerung der S28 gestorben.“ Reiner Neuss kennt die Bauleitpläne, die derzeit zur Information ausliegen und im Laufe des Jahres beschlossen werden sollen. In ihnen ist ausdrücklich von Entwidmung die Rede.

Der Verkehrsexperte meint: „Ich kann mir das nur mit Unwissenheit erklären. Denn es gibt ein Gutachten vom Sommer 2020, aus dem hervorgeht, dass sowohl Radschnellweg als auch S28 parallel auf die Trasse passen.“ Ein konkreter Lösungsvorschlag dafür sei im Gutachten ausgearbeitet und deshalb nur eine Teilentwidmung erforderlich.

„Wir GRÜNE sind absolut für den Radschnellweg, doch darf ein sinnvolles Mobilitäts- und Umweltprojekt nicht das andere verhindern“, sagt Maria Dittrich, Sprecherin des Kreisverbandes Viersen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. „Wenn für den Radschnellweg die Verlängerung der S28 geopfert werden sollte, dann muss sich Mönchengladbach wirklich fragen, ob es den Klimawandel und die Verkehrswende ernst nimmt. Zumal auch viele Bürgerinnen und Bürger Mönchengladbachs von der S28 profitieren würden.“

Reiner Neuss fügt hinzu: „Der Oberbürgermeister von Mönchengladbach hat jüngst in der WDR-Lokalzeit befürchtet, dass die S28 weiter bis Venlo führen soll und dann Mönchengladbach vom Schienenverkehr in die Niederlande abgeschnitten wäre. Davon ist jedoch keine Rede, sie soll definitiv nur bis Viersen gehen. Auch der aus Düsseldorf kommende RE13 wird weiterhin Mönchengladbach und Venlo anfahren.“

Maria Dittrich gibt zu bedenken, dass auch die für den Radschnellweg vorgesehene Trasse von Krefeld über Willich nach Mönchengladbach laut einer Auskunft der Landesregierung für den Schienenverkehr revitalisiert werden soll. Dittrich: „Das ist aber wohl nicht kritisch, da diese Trasse für die Realisierung beider Projekte geeignet ist. Nur entwidmen darf man sie nicht!“

Flächennutzungs- und Bauleitplan für den Radschnellweg sind im Entwurf auf der Webseite der Stadt Mönchengladbach unter „Rathaus/Aktuelle Möglichkeiten zur Beteiligung“ einsehbar. Dort kann auch eine Stellungnahme abgeben werden.

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