(Foto: privat)

Mönchengladbach. Corona beflügelte Kreativität und Innovationsbereitschaft

Das Frühstücksbuffet ist frisch aufgefüllt, eine Kollegin nimmt eine Bestellung auf. In der Schlange stehen unter AHA-Bedingungen Unfallsanitäter in rot und gelb, Assistenzärzte und Pflegerinnen. Ihnen allen ist eins gemein: Geduld und Vorfreude auf ein frisches Brötchen, auf ein üppig belegtes Baguette, oder auf ein Croissant, auf Rührei, Saft oder Kaffee. „Da träumen manche Hotels von“, kommentiert Tobias Claßen die Fülle und die Frische in der Villa Leisse, dem Bistro für die Mitarbeiter*innen – und zu Zeiten ohne Corona auch für externe Gäste: „Wir sind sehr variantenreich aufgestellt. Wir bieten auch ein Bircher Müsli oder einen French Toast.“

Der 40-Jährige ist der Produktionsleiter und einer von sechs Köchen in den Städtischen Kliniken, die für die Versorgung des Personals und für die Patientinnen und Patienten zuständig sind: „Insgesamt sind wir 21 in der Küche. Zu normalen Zeiten bewältigen wir mehr als 500 Essen für die Patientinnen und Patienten. Hinzu kommen täglich noch 400 Essen für das Personal.“

Gerade gehe kein front cooking, erklärt Claßen, auch das Salatbuffet sei wegen der Pandemie geschlossen. Dennoch werde neben der frischen Zubereitung der Gerichte quasi nebenbei und zusätzlich noch Einiges für das Personal gemacht: „Für die Beschäftigten auf den derzeit vier Corona relevanten Stationen, also Testzentrum, Zentrale Notaufnahme, Kinderstation K3 und der Intensivstation, lassen wir uns jeden Tag auch noch etwas Besonderes einfallen. Mal was Süßes, mal was Herzhaftes.“ Gleich werde er sich um Milchreis kümmern. Aber die Küche habe auch schon Couscous Salat auf die Stationen gebracht, Blätterteig Lachs Rollen, Quiches, oder auch Teilchen. Er schmunzelt: „Unsere Kirmes ähnlichen Schokobananen sind auch gut angekommen.“

Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen hat er stets im Blick, was die Arbeit gerade in der

Pandemiezeit für die Klinikmitarbeiter*innen ein wenig leichter macht: „Wir kochen zum Beispiel Suppen in Gläsern ein. Die kann man sich im Spätdienst leicht aufwärmen. Manche nehmen sie sich auch für Zuhause mit. Da fallen die Mikrowelle und das Einkaufen weg. Wir vermeiden damit auch unnötige Kontakte“, so der Vater einer Tochter. Das Angebot sei ein Selbstläufer: „Wir machen nicht mal Werbung dafür. Wir kommen mit dem Kochen kaum hinterher.“ Die Suppe im Glas, etwa Tomatensuppe creolisch, soll auch nach der Pandemie im Angebot bleiben.

Die Reaktion auf das durchaus häufig wechselnde Speisenangebot der Eli-Küche seien durchweg postitiv: „Ich komme viel im Haus rum und erfahre viel Anerkennung und Lob.“ Tobias Claßen ist über seinen Vater ans Eli gekommen: „Er hat hier als Dekorateur gearbeitet. Ihm habe ich schon mal ausgeholfen.“ Er deutet in die Runde: „Die Lamellenvorhänge hier im Bistro habe ich damals mit aufgehängt.“ Irgendwann habe er dem damaligen Küchenchef dann seine Bewerbung in die Hand gedrückt: „Mittlerweile bin ich schon zwölf Jahre hier.“

„Wir probieren viel Neues, natürlich muss alles kostendeckend sein. Wir sind ein super Team. Jeder kann sich mit seinen Ideen einbringen. Das wird auch von uns erwartet, mal neue Wege zu gehen“, so Claßen. So werde auch die Abendbeilage für die Patient*innen abgeändert und verfeinert: „Vom Grundsatz her hat sich in diesem Bereich seit den 70er Jahren lange nichts verändert. Das tun wir nun.“ So soll es statt Forelle mit dem üblichen Spritzer Mayonnaise auch mal Rote Bete Schmand mit Pumpernickel geben.

Das vergangene Coronajahr habe auch von der Küche des Eli viel Kreativität und die Bereitschaft zur Innovation gefordert. So sei eigens ein Marktstand besorgt worden, erzählt der umtriebige Koch, um die Angebote auch „mal schicker aufbauen“ und im Bistro das Essen noch ansprechender präsentieren zu können. Externe Köche hätten mal fürs Personal etwas gekocht, ein Caterer habe mal Flammkuchen angeboten, ein anderes Mal seien über drei Tage alkoholfreie Cocktails gemixt worden: „Und es gab Eis oder Popcorn für alle.“ Aber das sei längst nicht alles. Im Dezember habe es einmal die Woche die Aktion „Die rote Kiste sagt Danke“ gegeben: Plätzchen und andere Leckereien für alle.

Und dann gab und gibt es noch die Feiertag Box. Die Mitarbeiter`*innen konnten ihr Weihnachts- oder Valentinsmenü bestellen: alles frisch zubereitet und vakuumiert, „mit entsprechender Getränkebegleitung.“ Wer wollte, konnte sich die Anleitung für die Zubereitung über einen QR-Code sogar als Video ansehen. Am Ostermenü für interessierte Mitarbeiter*innen würden sie gerade arbeiten, verrät Tobias Claßen, „und wir sind mit den Planungen für ein Grillbuffet befasst, für die Grillsaison. Wir zerteilen und portionieren vorab das Fleisch und stellen die entsprechenden Soßen bereit.“

Da die Kaffeebar im Haupteingang des Eli, die ebenfalls von der Küchencrew bewirtschaftet wird, derzeit Pandemie bedingt geschlossen ist, helfen die entsprechenden Mitarbeiter*innen an jedem Tag auch am Empfang aus, „um die Besucherströme zu regeln.“

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