( © Stadt Krefeld)
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Krefeld. Auf dem Höhepunkt gab es 182 Ansteckungen an einem einzigen Tag

Vor einem Jahr schaltete Krefeld in den Krisenmodus: Am 11. März 2020 wurden die ersten vier Corona-Infektionen in der Bürgerschaft bestätigt. Es handelte sich um eine Frau und drei Männer mittleren Alters, die kurz zuvor aus dem Skiurlaub in Ischgl zurückgekehrt waren und sich dort angesteckt hatten. Noch am gleichen Tag nahm die Stadtverwaltung Krefeld in einer Pressekonferenz zu den Vorgängen aktuell Stellung. Im Hintergrund lief zu diesem Zeitpunkt bereits unter Hochdruck die Kontaktverfolgung für die vier Fälle. „Es ging darum, Schutzmauern hochzuziehen, Infektionsketten zu zerschlagen, eine Ausbreitung des Virus‘ zu verhindern“, erinnert sich Oberbürgermeister Frank Meyer, der am 13. März den ersten Krisenstab unter seiner Leitung einberief. Der Kampf gegen die Pandemie hatte begonnen – und ist ein Jahr später noch lange nicht beendet.

Bis dato hat der Krisenstab 123-mal getagt, 88-mal hat der Fachbereich Presse und Kommunikation zu einer Pressekonferenz eingeladen. Mehr als eine Million Klicks auf die Corona-Seiten der Homepage, 381 Facebook-Postings mit fast vier Millionen erreichten Nutzern und 272.000 Minuten gestreamtes Videomaterial zeigen, wie stark die Pandemie das öffentliche Interesse bestimmt hat. „Diese Verwaltung arbeitet seit einem Jahr im Krisenmodus. Keiner von uns hatte das für möglich gehalten. Was normalerweise als kurzfristiges Instrument dient, ist für uns fast schon zur Routine geworden“, sagt Frank Meyer.

Wie auf Bundesebene ist die Pandemie auch in Krefeld in zwei Wellen verlaufen, einer vergleichsweise leichten im Frühjahr 2020 und einer schweren ab Herbst 2020. Der bisherige Höhepunkt war Ende Oktober erreicht. Damals stieg die Zahl der Neuinfektionen binnen einer Woche auf 503 Personen an. Am 30. Oktober wurden 182 Ansteckungen an einem einzigen Tag gemeldet. „Hinter jeder einzelnen Zahl steckt ein Mensch, dessen Kontakte nachverfolgt werden müssen, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Es gab Situationen, in denen das nicht mehr zu leisten war“, sagt André Wiegratz, der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes. Mit einigen Wochen Verzögerung stieg dann auch die Zahl der Todesfälle auf mittlerweile 137 an. Anhand der grausamen Logik „Erkrankung, schwerer Verlauf, stationärer Aufenthalt, künstliche Beatmung, Tod“ lässt sich laut Wiegratz erklären, dass der weitaus größere Teil der Toten erst im Jahr 2021 zu beklagen war. Seit 1. Januar starben allein 85 Krefelder an oder mit Symptomen von Covid-19.

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Der Fachbereich Gesundheit hat natürlich stetig auf die Verschärfung der Lage reagiert. Aus anfangs sechs Mitarbeitern, die im Hinblick auf die Pandemie Fälle ermitteln, Kontaktpersonen verständigen, Bescheide verschicken und Daten einpflegen, wurden in Spitzenzeiten 120 Kollegen, die teilweise aus anderen Fachbereichen zusammengezogen wurden. Bis heute müssen die Mitarbeiter der Stadt Krefeld auch etwa 100 Anrufe bewältigen, die pro Tag auf der Corona-Hotline eingehen. Anfangs hatten sich bis zu 1000 Bürger täglich mit ihren Fragen und Sorgen an die Stadt gewandt.

Eine weitere Herausforderung lag in der Überwachung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens, die mit der Pandemie einhergehen. Der Kommunale Ordnungsdienst wurde bereits im Frühjahr von 23 auf 41 Dienstkräfte aufgestockt, die zum Teil bis zwei Uhr nachts Streife gingen und bis 23 Uhr auch telefonisch für die Bürger erreichbar waren. Rund 1700 Bußgelder hat der KOD seit Beginn der Pandemie verhängt, fast 90 Prozent aufgrund von Verstößen gegen die sogenannte Maskenpflicht. Doch auch Missachtungen des Kontaktverbots, die illegale Öffnung von Läden, Restaurants und Bars oder Prostitution wurden unterbunden.

„Es gehört auch zu einer Krise, dass nicht alles hundertprozentig funktioniert, aber insgesamt schaue ich mit Stolz auf die Kolleginnen und Kollegen im Haus. Hervorheben möchte ich auch die fantastischen Partner, auf die wir bauen können, vor allem das Deutsche Rote Kreuz, die örtliche Ärzteschaft und die Krefelder Schulfamilie“, sagt Oberbürgermeister Frank Meyer. „Eine solche Krise hat unsere Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt. Ich wünsche uns allen, dass wir durch Impfungen und Tests nun den Weg aus der Pandemie herausfinden – vor allem wünsche ich es denen, die Angst um ihre Angehörigen haben, die sich Sorgen um ihren Job und ihr Geschäft machen, und den Kindern, die gerne wieder ungehindert mit ihren Freunden spielen möchten.“

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Auf diese Gruppe lenkt auch Stadtdirektor, Schul- und Jugenddezernent Markus Schön den Blick: „Wir müssen aufpassen, dass jetzt nicht ganze Jahrgänge abgehängt werden. Kinder und Jugendliche werden im Moment sehr stark auf die Bereiche Kita und Schule reduziert, doch zu ihrem Leben und Aufwachsen in Gemeinschaft gehören auch soziale Kontakte. Das müssen wir noch stärker bedenken“, mahnt der Dezernent. Umgekehrt habe sich gerade die Jugend in der Pandemie äußerst engagiert gezeigt: „Dass wir schon ganz früh im ersten Lockdown Einkaufs- und Hilfsdienste für ältere Menschen anbieten konnten, war dem tollen Engagement des jungen Krefelds zu verdanken“, sagt Markus Schön.

Auch von seiner Seite ging „ein herzliches Dankeschön und ein Riesenlob“ an die gesamte Krefelder Schulfamilie, die seit Anfang November auch einmal wöchentlich beim Schulgipfel die aktuellen Entwicklungen bespricht. „Obwohl Änderungen der Verordnungen oft sehr knapp erfolgen und Fragen offenbleiben, gelingt es allen Beteiligten mit einer ordentlichen Portion Pragmatismus im Sinne der Kinder und Familien zu handeln“, betont Markus Schön. Er erinnert an die frühe Einführung der Maskenpflicht an Grundschulen, die sich bewährt habe und inzwischen auch landesweit gelte. Zudem habe sich die Lieferung von 7500 Laptops und iPads für Lehrer und benachteiligte Schüler positiv ausgewirkt. Auch im Bereich Sport habe es die Verwaltung gemeinsam mit dem Stadtsportbund geschafft, auf aktuelle Entwicklungen angemessen zu reagieren und Angebote zu ermöglichen.

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Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen, die mitten in der Corona-Krise ihren Dienst angetreten hat, bezeichnet die gute Vernetzung aller Akteure in Krefeld als „großes Pfund, um die Pandemie zu bewältigen“. Sie organisierte gemeinsam mit den Partnern DRK und Ärzteschaft die pünktliche Eröffnung des Impfzentrums Mitte Dezember. Aktuell werden dort und am Diagnosezentrum zusätzliche Zentren für Schnelltests eingerichtet. Auch der Start der Impfungen in den Seniorenheimen fällt in Lauxens Amtszeit. „Es ist eine tolle Nachricht, dass in den Heimen jetzt 87 Prozent der Bewohner und mehr als 80 Prozent des Personals geimpft sind. Die anfängliche Zurückhaltung hat sich deutlich gewandelt“, betont Sabine Lauxen. Auch bei den Lehrern und Erziehern liege der Rücklauf beim Impfen bereits bei 75 Prozent: „Wir haben nicht einfach ein Angebot gemacht, sondern die Leute offenbar auch überzeugt, dort hinzugehen“, so die Dezernentin.

Wie die Statistiken des bisherigen Pandemieverlaufs deutlich zeigen, steht Krefeld aktuell noch über der Marke, die im Frühjahr den Gipfel der ersten Welle markierte. Auch die Situation auf den Intensivstationen hat sich nicht zum Positiven verändert. „Es wird ein Rennen zwischen dem Virus auf der einen und den Impfungen und Tests auf der anderen Seite. Vor zwei Tagen hatten wir bundesweit den bisherigen Höchststand von 260.000 Impfungen an einem einzigen Tag. Es ist absehbar, dass die Geschwindigkeit erheblich steigen und das Thema Impfen eine enorme Dynamik bekommen wird“, erklärt André Wiegratz. Genau daraus erwächst die Hoffnung, dass Krefeld die Pandemie Stück für Stück hinter sich lassen kann.

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