Manfred Webel und Yvonne Klasen mit einem mittelgroßen Model der Webel-Skulptur vor dem Monheimer Rathaus. Sie zeigen: Kunst ist dehnbar, beweglich und steckt voller Energie. Webel bricht mit dem Tabu, Kunst sei unberührbar, sondern lädt sogar bewusst dazu ein: „Skulpturen wollen befreit werden etwas erleben. Mit Ihnen!“ Klasen ist seit einigen Wochen die neue Programmleiterin für den Erwachsenenbereich der städtischen Kunstschule und Koordinatorin für Kunst im öffentlichen Raum (Foto: Thomas Spekowius)

Monheim am Rhein. Ein Kunstprojekt zum Mitmachen, das auch in Coronazeiten wunderbar funktioniert

Das Monheimer Kunst- und Kulturleben steht nicht still, auch wenn seine Akteurinnen und Akteure gemeinsam mit ihrem Publikum gerade eine schwere Zeit durchleben – gerade was den direkten Kontakt betrifft.

Trotz der Auftakt-Erschwernisse, durch die noch immer anhaltende Corona-Pandemie, will der Paderborner Künstler Manfred Webel am Samstag, 15. Mai, eine schon lange geplante dreijährige Tournee durch zwölf Städte beginnen, die in Monheim am Rhein ihren Anfang haben wird. Ihr Titel: „Bitte berühren!“ Dass der Auftakt in Monheim erfolgt: Kein Zufall! Webel: „Diese Stadt begeistert mich. Hier hat man verstanden, dass Kultur eine Grundsatzaufgabe ist, die zur Infrastruktur einer Stadt gehört. Deshalb wolle ich unbedingt genau hier beginnen.“

Mit seinem rollenden Atelier, einem großen Kunst-Container, wird Webel vom 15. bis 23. Mai auf dem Monheimer Rathausplatz gastieren. Mit in seinem Reisegepäck wird er dann eine Skulptur von etwa zwei mal drei mal vier Metern Umfang haben, die gerade noch so auf seinen Transporter passt. Webel hat sie bewusst so geformt, dass man auf ihr sitzen, sie beklettern und mit ihr spielen kann. Am liebsten würde er sie schon bald gemeinsam mit den Monheimer Bürgerinnen und Bürgern durch die Stadt bewegen – denn auch das geht durch eine besondere Ergonomie trotz ihrer enormen Größe. Doch da heute noch niemand genau sagen kann, was in ein paar Wochen möglich ist, sollen die Menschen mit der Skulptur auch vorab schon kreativ werden.

Webel ist ein Schöpfer von Skulpturen, mit denen man etwas erleben kann, ein Pionier auf seinem Fachgebiet. Er lädt gemeinsam mit dem Team der städtischen Kunstschule zur Mitgestaltung des Projekts ein: „Überlegen Sie sich zunächst, wie groß Ihre eigene Darstellung der Skulptur wohl wäre: Tragbar wie ein Ohrring oder wie Fahrradhelm? Gemütlich wie ein Schaukelstuhl? Schutzgebend wie ein Zelt, oder doch eher riesig wie eine Freibad-Rutsche? Zeigen Sie, wie Hände die Skulptur berühren, wie Menschen auf ihr sitzen oder sie durch die Stadt bewegen. Welche Abdrücke hinterlässt die Skulptur wohl im Sand? Wo in Monheim am Rhein könnte sie stehen? Erfinden Sie mit uns eine Welt, in der die Skulptur Abenteuer erlebt!“ Dafür können zum Beispiel Collagen mit Fotos aus Zeitungsausschnitten genutzt werden. Es darf aber auch gezeichnet, gemalt, gebastelt oder fotografiert werden. „Es sind bewusst keine Grenzen gesetzt“, erläutert Yvonne Klasen, seit einigen Wochen die neue Programmleiterin für den Erwachsenenbereich der städtischen Kunstschule und Koordinatorin für Kunst im öffentlichen Raum.

Die kreativen Ideen der Monheimerinnen und Monheimer sollen dann im Kunst-Container auf dem Rathausplatz ausgestellt werden. „Und wir alle haben Kreativität in uns“, unterstreicht Webel. „Meine partizipativen Skulpturen bieten ganz bewusst Energie und Freiraum für Veränderungen. Sie stehen für die Verwirklichung des Vorstellbaren. Und vorstellbar ist erstmal alles.“

Was denkbar ist, wird auch in einem kleinen Flyer erläutert, der ab sofort im Rathaus, in der Kunstschule und weiteren öffentlichen Gebäuden ausliegt sowie auf der Internetseite zum Download bereitsteht – und der zum kreativen Mitmachen einlädt. Die Ideen können dann bis Mittwoch, 12. Mai, in der Kunstschule abgegeben werden.

Ab dem 12. Mai soll die Skulptur dann auch zu Orten im Stadtgebiet gebracht werden, die sich die Monheimerinnen und Monheimer mit ihren Ideen gewünscht haben. Und tatsächlich gilt auch dann auch wieder die Einladung: „Bitte berühren!“

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