v.l. Prof. Dr. Huan Nguyen, Schwester Susan, Pfleger Götz, Wolfgang Kleff, Patricia Ridder, Sebastian Kleff (Foto: Jana Bauch/ Städtische Kliniken)
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Mönchengladbach. „Die Angst nimmt dir die Luft“

„Ich bin der Wolfgang.“ Damit ist die Atmosphäre schon gesetzt, in der die Begegnung mit der Torwartlegende Wolfgang Kleff stattfindet. Nicht vor dem Torgehäuse, dafür auf der H 1, derzeit die Covid-Station der Städtischen Kliniken. Der 74-Jährige wird an diesem Vormittag entlassen, am 13. Tag seiner Einlieferung per Krankenwagen. Er ist noch ein wenig „wackelig auf den Beinen“, meint er, lässt aber keinen Zweifel, dass er froh ist im Eli „gut versorgt worden zu sein. Nicht nur wegen der Medizin, vor allem auch wegen der Betreuung.“ Das Positive im Gesicht der Schwestern, Pfleger und Ärzte, habe ihn „nach vorne gebracht und hoffen lassen.“ Ein Lächeln sei mithin die beste Medizin, meint er. Dünn ist er geworden, denkt man unwillkürlich, als er vor einem steht, in Jeans, grauem Kapuzenshirt und Turnschuhen.

Wann und wie er sich mit Covid-19 abgesteckt haben könnte, weiß er nicht zu sagen: „Ich habe immer Maske getragen. Massen gemieden und auch beim Einkaufen Abstand gehalten.“ So sei er ohne Vorzeichen von jetzt auf gleich „zusammengeklappt“ und habe sich aus eigener Kraft nicht mehr erheben können. Vorsorglich waren alle in seinem persönlichen Umfeld getestet worden und hatten Quarantäne gehalten, „aber alle Ergebnisse waren negativ. Ich habe zum Glück niemanden angesteckt.“

Prof. Dr. Huan Nguyen ist davon überzeugt, dass der Sportler es seiner Konstitution zu verdanken hat, dass er die „heimtückische Krankheit“ vergleichsweise gut überstanden hat, „und seinem unbedingten Siegeswillen. Ihm war anzumerken: ich will gewinnen.“

Behandelt worden war Wolfgang Kleff mit der Standardtherapie „bei mittelschweren Verläufen der Erkrankung, mit Sauerstoff, Cortisol und einem Antibiotikum.“ Die Isolierstation H 1 des Eli sei derzeit mit 13 Patienten voll belegt, so Nguyen: „Etwa 30 Prozent der Patienten die auf diese Station aufgenommen werden, müssen anschließend auf die Intensivstation verlegt werden.“ Das Borussen Urgestein gehöre damit zu den glücklicheren Patienten.

„Die Angst war das Schlimmste. Die Angst zu ersticken“, erinnert Wolfgang Kleff sich. Diese Erfahrung wünsche er niemandem. Ab etwa dem dritten Tag habe er Veränderungen in seinem Körper gespürt, „da war mir klar, dass es besser wird.“ Ehrfurcht und Dankbarkeit habe er in dieser Zeit entwickelt, und er hat gelernt, „dass Gesundheit nichts Selbstverständliches ist.“

Der ehemalige Torhüter sei ein äußerst angenehmer Patient gewesen, der mit seiner bekannt lockeren Art auch für manch humorvolle Situation gesorgt habe, so Nguyen: „Wobei er sich nie in den Vordergrund gespielt hat. Das Personal hat erst gar nicht gewusst, wer der Patient in Zimmer 161 ist.“

Sohn Sebastian und Lebensgefährtin Patricia Ridder haben Wolfgang Kleff aus der Klinik abgeholt. Die ersten Schritte waren noch vorsichtig. Dem ehemaligen Leistungssportler ist klar, „dass ich mögliche Rückschritte akzeptieren muss. Ich muss an meiner jetzigen Verfassung mit Geduld arbeiten. Jetzt genieße ich erst einmal, dass ich die frische Luft atmen kann. Es sind die kleinen Versatzstücke, die das Leben insgesamt ausmachen. Das darf man nie vergessen.“

Dementsprechend deutlich fällt sein Appell aus: „Es ist eine Unverschämtheit seinem Umfeld gegenüber sich nicht zu schützen und das Risiko billigend in Kauf zu nehmen.“ Ganz im Sinne von Prof. Nguyen betont er: „Was sind schon drei Wochen Lockdown im Leben? Da kann man sich doch mal zurücknehmen. Aber es fehlt vielen leider an der dazu nötigen Disziplin.“

Wolfgang Kleff wäre nicht Wolfgang Kleff, wäre er während seines Krankenhausaufenthalts nicht von Genesungswünschen überhäuft worden: „Ich habe meine Zeit im Eli nicht publik gemacht. Aber jemand hat das wohl spitz gekriegt und schon habe ich allein 1.000 Emails bekommen. Viele davon habe ich beantworten können.“

Der Geschäftsführer der Städtischen Kliniken Mönchengladbach Thorsten Celary verband seine Genesungswünsche mit einer kleinen Aufmerksamkeit, die er, ganz Fan von Fortuna Düsseldorf, mit einem Augenzwinkern überreichte: eine DVD mit den Highlights aus den Spielen der Fortuna: „Dort haben Sie ja auch von 1982 bis 1984 zwischen den Pfosten gestanden.“

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