An der Uniklinik Düsseldorf wurden seit 2010 über 200 Spenderherzen implantiert – eine Teamleistung: (von links) Prof. Dr. Artur Lichtenberg (Direktor der Herzchirurgie), Norbert Longerich (früherer Patient und Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe Organtransplantierter NRW) sowie Prof. Dr. Udo Boeken (Oberarzt in der Herzchirurgie und chirurgischer Leiter des Herz-Transplantationsprogramms am UKD) (Foto: UKD)
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Düsseldorf. Unter dem Dach der Uniklinik Düsseldorf arbeitet eines der größten Herztransplantationszentren Deutschlands – Voraussetzung: Die perfekt abgestimmte Kooperation vieler Abteilungen

Über 200 Patientinnen und Patienten haben im Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) seit Wiederaufnahme des Herztransplantationsprogramms im Jahr 2010 ein Spenderherz erhalten. „200, das ist nicht nur eine Zahl“, sagt Prof. Dr. Artur Lichtenberg, Direktor der Klinik für Herzchirurgie. „Wir sehen 200 komplex erkrankte Menschen mit einer langen Erkrankungsvorgeschichte, die von uns versorgt werden konnten.“

Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, dass ein Herz-Transplantationszentrum erfolgreich arbeiten kann. „Es fängt damit an, dass wir umfassend und sorgfältig prüfen, ob ein Spenderorgan auch optimal zum vorgesehenen Empfänger passt“, so Prof. Dr. Udo Boeken, Oberarzt in der Herzchirurgie und chirurgischer Leiter des Herz-Transplantationsprogramms am UKD. Neben dem chirurgischen Eingriff sind auch die interdisziplinäre Vorbereitung und Nachsorge der Patienten entscheidend für die Behandlungsqualität – und ein hoch-engagiertes Team.

Auf das gute Zusammenspiel kommt es an

Prof. Lichtenberg lobt die gute Zusammenarbeit im UKD. „Dass wir so vielen Menschen helfen konnten, liegt auch an der guten fach- und berufsgruppenübergreifenden Kooperation.“ Die Kardiologie (Direktor: Prof. Dr. Malte Kelm), die Anästhesiologie und Intensivmedizin (Direktor: Prof. Dr. Benedikt Pannen), die Herzchirurgie sowie die Teams der OP- und Anästhesiepflege bis hin zu den Pflegeteams auf den Stationen sowie weitere Berufsgruppen spielen alle eine wichtige Rolle, um die immer sehr kurzfristig angesetzten Transplantations-Operationen möglich zu machen und die Patientinnen und Patienten auch im Anschluss gut zu versorgen. PD Dr. Ralf Westenfeld, Leiter Abteilung Herzinsuffizienz, und PD Dr. Stephan Urs Sixt, Oberarzt in der Anästhesie, bestätigen das: „Die Patientinnen und Patienten profitieren von diesem fachübergreifenden Ansatz, der uns die Möglichkeit gibt, die jeweilige Situation der Betroffenen aus vielen Perspektiven zu beleuchten und gute Lösungen zu finden.“ Zudem kommt es auch auf die Unterstützung durch die Selbsthilfe Organtransplantierter NRW an. „Ohne die dort geleistete bemerkenswerte ehrenamtliche Arbeit könnten wir hier als eines der größten Transplantationszentren Deutschlands nicht so gut arbeiten“, sagt Prof. Lichtenberg.

Norbert Longerich ist Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe Organtransplantierter, die Menschen mit massiven Herzerkrankungen vor und nach Transplantationen berät. Er selbst hat in der Silvesternacht 2015/2016 an der Uniklinik Düsseldorf ein Spenderherz erhalten, nachdem er drei Jahre mit einem Kunstherz durchs Leben ging. Nun widmet er seine Zeit den Betroffenen. „Wir können in vielen Fällen die Angst nehmen, weil wir selbst Vieles erlebt haben“, so Longerich.

Aktuell meiden viele Patientinnen und Patienten Arzt- und Krankenhausbesuche

Sorgen bereitet ihm derzeit vor allem, dass sich aktuell viele Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion nicht ins Krankenhaus oder zum Arzt trauen. „Wir arbeiten massiv daran, die Leute zu überzeugen, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

Norbert Longerich hat selbst erfahren, wie gut das Herz-Transplantationszentrum in Düsseldorf funktioniert. „Wir Patienten profitieren davon, dass wir hier engagierte Menschen haben, die Tag und Nacht im Einsatz sind.“ Wenn durch Eurotransplant ein geeignetes Spenderorgan für eine Patientin oder einen Patienten gemeldet wird, müssen in sehr kurzer Zeit viele Zahnräderperfekt ineinandergreifen. „Das Spenderherz wird immer durch die implantierende Klinik entnommen“, so Prof. Boeken. Das bedeutet, dass im Fall einer anstehenden Operation zwei dreiköpfige Operationsteams zur Verfügung stehen müssen, von denen das eine sich auf den Weg zum Organspender macht. „Zu beachten ist dabei der enge Zeitkorridor“, sagt Prof. Boeken. „Von der Entnahme bis zur Implantation des Spenderherzens sollten maximal vier Stunden vergehen. Danach werden die Ergebnisse deutlich schlechter.“ Wichtig ist eine perfekte Logistik, bei der das Transplantationszentrum Unterstützung von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) erhält. Sie organisiert den Transport des OP-Teams zur Organentnahme und den Rücktransport zum Transplantationszentrum.

Umfassendes Kunstherzprogramm ein Vorteil

Ein weiterer Faktor für die positive Entwicklung des Herz-Transplantationsprogramms in Düsseldorf ist laut Prof. Boeken das gut etablierte Kunstherzprogramm am UKD, das parallel zu den Transplantationen vor gut zehn Jahren wieder aufgenommen worden ist. Patientinnen und Patienten mit massiver Herzschwäche finden hier einen Ansprechpartner, wenn es um eine mechanische Kreislaufunterstützung geht – entweder, um das Herz vorübergehend zu entlasten, oder als Überbrückung bis zu einer Transplantation. Die Spezialisten am UKD arbeiten hier mit den modernsten Geräten und sind aufgrund der Teilnahme an vielen Multicenterstudien mit den aktuellsten Technologien vertraut. Über das Kunstherzprogramm sind viele der Patientinnen und Patienten, für die zu einem späteren Zeitpunkt eine Transplantation in Frage kommen könnte, schon bekannt.

 


Daten und Zahlen:

Seit der Neu-Etablierung von Herztransplantationen am Universitätsklinikum Düsseldorf im Jahr 2010 ist die Zahl der vorgenommenen Transplantationen fast durchgehend gestiegen und hält sich nun auf hohem Niveau. Das UKD gehört mittlerweile zu den drei größten Herztransplantationszentren Deutschlands. 2019 erhielten hier 34 Patientinnen und Patienten ein Spenderherz, im von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 waren es 35. Im laufenden Jahr sind bereits 15 Herztransplantationen vorgenommen worden.

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