Ende der Mahnwache: Thomas Hommen wird symbolträchtig auf einem Anhänger vom Ort seiner zweiten Heimat weggefahren (Foto: privat)

Alpen. Der blaue Gartenstuhl des Alpener FDP-Chefs Thomas Hommen bleibt ab der kommenden Woche leer. Am gestrigen Mittwoch hat Hommen zum letzten Mal Quartier vor dem „alten“ Feuerwehrgerätehaus am Willy-Brandt-Platz in Alpen bezogen. Seit Anfang April 2019 hat Hommen dort jeden Mittwoch von 10.55 Uhr bis „fünf vor zwölf“ insgesamt 111 mal seine Mahnwache zur Rettung des Gebäudes abgehalten und dabei seine magentafarbene Weste, die inzwischen eines seiner Markenzeichen ist, übergestreift.

„Nachdem nun inzwischen die Dachschindeln abgenommen, die Dachbalken ausgebaut, die Ziegel entfernt und einige Wände eingerissen wurden, haben wir beschlossen, die Aktion zu beenden. Wir haben lange gekämpft. Das Gebäude ist nun so schwer beschädigt, dass es nicht mehr zu retten ist“, erklärt der mit sogenanntem Sitzfleisch ausgestattete Liberale.

„Rückwirkend betrachtet hat sich die Aktion trotzdem gelohnt“, sagt Hommen. „Die Bürgerinnen und Bürger haben dadurch ein feineres Gespür für die Großprojekte der Verwaltung und den Umgang der Politik damit entwickelt. Sie nehmen nicht mehr alles klaglos hin, sondern sie setzen sich zur Wehr, stellen vorher Hingenommenes infrage.“

Auf die eine oder andere Anekdote angesprochen, gibt Hommen an, dass drei Gartenstühle die Aktion nicht überlebt hätten und vier Regenschirme dem Wind zum Opfer gefallen seien. Die Mahnwache, die unabhängig von Schnee, stürmischem Regen, Eiseskälte oder Gluthitze stattfand und, wie man Hommen kennt, auch zu Weihnachten und an Neujahr durchgeführt wurde, fand allseits große Anerkennung.

„Regelmäßig haben mittwochs auch Gemeindefahrzeuge patrouilliert, um zu überprüfen, ob wir wieder vor Ort sind. Wir haben dann immer fröhlich gewunken“, so Hommen amüsiert. „In der Mitte des letzten Jahres wurden dann urplötzlich einige Termine im Rathaus oftmals auf einen Mittwoch auf den besagten Zeitraum zwischen 11.00 und 12.00 Uhr gelegt. Nach einigem hin und her und der Beteuerung, dieses sei natürlich reiner Zufall, legte sich auch das.“. Auch sei ein Ratskollege einer anderen Fraktion fast mal mit dem Rad gestürzt, der im letzten Augenblick die Aktion bemerkte und einen Umweg fahren musste, um nicht unmittelbar bei Hommen vorbeizufahren. „Da hat er gerade noch die Kurve gekriegt“, schmunzelt Hommen.

Radio KW, die WDR-Lokalzeit Duisburg, SAT1-NRW und die Lokalredaktionen der hiesigen Zeitungen haben oft und ausführlich über die Aktion berichtet. SAT1-NRW titelte anlässlich der 50. Ausgabe: „Deutschlands einsamster Demonstrant“. Obwohl dies erst seit März 2020 galt, nachdem Hommen aus Gründen der Pandemie weitestgehend allein vor der Wache Platz nehmen musste, nahm er den Titel mit Humor, hatte doch der Verband liberaler Kommunalpolitiker den Protestler in einem bundesweiten Wettbewerb den dritten Platz zugesprochen. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf Aktionen, die eine Verbindung zwischen Mandatsträgern und Bürgerinnen und Bürgern auf unkonventionelle Weise herstellen. Das ist ihm mit Sicherheit gelungen.

„Im Karneval 2020 wurde ich in jeder Sitzung mit der Aktion konfrontiert. Die Karnevalisten haben sich sehr humorvoll damit auseinandergesetzt. Im Karneval auf diese Art und Weise auf die Schüppe genommen zu werden, ist schon eine Auszeichnung, über die ich mich sehr gefreut habe“, sagt Hommen nicht ohne Stolz.

Zu seinen treuesten Mitstreitern gehören neben Annemarie Cargnelutti und Klaus Günther auch seine Frau Birgit. Alle haben von Beginn an regelmäßig der Aktion beigewohnt. „Es haben sich richtige Freundschaften entwickelt, die über das Ende des Sitzens Bestand haben werden. Einige der Beteiligten engagieren sich inzwischen auch politisch“, gibt Hommen Auskunft.

Auch in Düsseldorf und Berlin stieß die Aktion auf große Aufmerksamkeit. Keine Teilnahme an Parteitagen, bei Landtagsbesuchen oder anderen Veranstaltungen, bei denen Hommen nicht auf die Aktion angesprochen wurde. „Wo ist deine Weste? Hast du deinen Stuhl dabei oder bist du mit dem Rad hier?“, waren dabei die häufigsten Fragen. Zahlreiche Abgeordnete aus Bund und Land haben sich mit der Aktion solidarisiert und haben hin und wieder an der Mahnwache teilgenommen.

Weggetragen zu werden, wie ursprünglich vorgesehen, war aufgrund des Unterschreitens von Mindestabständen nicht möglich. Seinen Abgang hatte Hommen deshalb symbolträchtig auf einem Anhänger, auf dem er vom Ort seiner zweiten Heimat weggefahren wurde. Matthias Evers, sein liberaler Mitstreiter, hatte dies überraschend für ihn organisiert.

Als kleines Geschenk zum Ende der Mahnwache hatte Hommen eine schöne Idee. „Ich habe mich mit Sabrina Steffens in Verbindung gesetzt und sie auf ihre originelle Frühstücksbrettaktion angesprochen. In einer kleinen Auflage habe ich ein Brett mit dem Motiv des Feuerwehrgerätehauses und meinem Stuhl davor erworben und an den harten Kern der Mitstreiter überreicht.“

„Meine Hauptaussage zu Beginn habe ich eingelöst“ berichtet Hommen. „Ich habe immer gesagt, dass ich so lange vor dem Gerätehaus sitzen werde, bis es entweder gerettet ist oder abgerissen wird. Mir war dabei wichtig, dass Politiker zu ihren Aussagen stehen sollten. Leider ist das bei vielen heutzutage nicht mehr der Fall. Bei mir schon.“ Sein Motto „aufgeben ist keine Option“ galt bis zum jetzigen Abriss und damit bis zum Schluss.

Was Hommen mit der frei gewordenen Zeit anfängt, beantwortet er wie folgt: „Radeln, Bürgerbus fahren und die Familie freut sich sicher auch“.

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