Paul und Manuela Angenvoorth können sich noch gut an das Rennen vor 45 Jahren erinnern (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof) sowie zwei Fotos aus dem Stadtarchiv der Stadt Krefeld (l. und r.)

Krefeld. Gerangel um die Startzeit, Zündstoff wegen der Olympianorm und ein angepeilter Weltrekordversuch bei den Frauen: Die Deutschen Meisterschaften im Marathon 1976, ausgetragen am 16. Mai in Krefeld, sorgten bereits im Vorfeld für Schlagzeilen. Das Ergebnis konnte sich – zumindest aus Krefelder Sicht – mehr als sehen lassen: Der Hülser Paul Angenvoorth siegte im Trikot von Bayer Uerdingen, seine Verlobte und spätere Ehefrau Manuela Preuß wurde Zweite, und die Mannschaft des Ausrichters KTSV Preussen Krefeld verpasste nur knapp das Treppchen und lief auf Rang vier. Dass Angenvoorth dennoch nicht für die Olympischen Spiele in Montreal zwei Monate später nominiert wurde, wurmt den heute 75-Jährigen noch immer.

Wegen der Hitze ging es schon morgens auf die Laufstrecke

Es war ein heißes Frühjahr im Jahr 1976. „Der komplette April war übernatürlich warm, am Tag stets über 30 Grad. Wir haben uns für unsere langen Trainingsläufe morgens um 6 Uhr getroffen, denn später am Tag wäre es nicht mehr möglich gewesen, über 30 oder 35 Kilometer zu laufen”, erinnert sich Gerd Quack von Preussen Krefeld. Sein Verein schickte sich 1976 an, zum zweiten Mal nach 1966 die Deutschen Meisterschaften im Marathon in Krefeld auszurichten. Anders als zehn Jahre zuvor sollte dies nicht mehr auf einem Rundkurs durch Verberg, Bockum und den Stadtwald geschehen, sondern nun auf einer Strecke mit Start und Ziel vor und in der Grotenburg-Kampfbahn und mit Wendepunkt in Traar. „Nach vielen Diskussionen mit den heimischen Aktiven habe ich eine solche Wendestrecke gewählt. Ich bin der Meinung, dass sie gegenüber einem Rundkurs für den Aktiven einen psychologischen Vorteil bietet”, erklärte der sportliche Leiter Karl-Heinz Bründt, damals selbst ein sehr guter Marathon-Läufer, der Westdeutschen Zeitung im November 1975. Diese Entscheidung ging allerdings zu Lasten der Zuschauer, die man 1976 bis auf wenige Hotspots vergeblich an der Strecke suchte. 1966 sah das noch anders aus: Nach übereinstimmenden Aussagen der Tageszeitungen peitschten 15.000 Zuschauer, darunter auch Paul Angenvoorth, die Teilnehmer Runde für Runde nach vorne. Sie sahen nach 2:24:56 h mit Karl-Heinz Sievers einen Krefelder als Sieger.

Bründt, der bei der Organisation von Willi Limberg, Ehemann der mehrfachen Deutschen Meisterin im Diskuswurf, Kriemhild Limberg, Karl-Heinz Sievers sowie von 105 Streckenhelfern, 25 Polizisten und 40 Kampfrichtern unterstützt wurde, sollte noch bei einer anderen wichtigen Angelegenheit diskutieren müssen. Denn die Athleten, allen voran die des A- und B-Kaders des Deutschen Leichtathletik Verbands (DLV), hatten gegen die Startzeit von 14.30 Uhr protestiert und sich eine Verschiebung auf 16.30 Uhr gewünscht, um der Nachmittagssonne und -hitze zu entgehen. Das Murren der Läufer war verständlich, schließlich ging es nicht nur um den Meistertitel, sondern auch um das Erreichen der Olympischen Norm von 2:15:00 h. Doch die Offiziellen lehnten einen entsprechenden Antrag zweimal ab.

Günter Mielke, der als einziger die Norm bislang unterboten hatte, galt als Favorit, auch wenn er in der Vorwoche wegen einer Viruserkrankung in der Freiburger Uni-Klinik behandelt wurde. Auf dem Schirm hatte man auch den 25-jährigen Wolf-Dieter Poschmann und den 28-jährigen Karl Mann. „Die große Unbekannte in diesem Rennen ist der 30-jährige Lokalmatador und Olympiateilnehmer von München, Paul Angenvoorth”, schrieb die WZ in ihrer Vorschau. Der Hülser im Trikot von Bayer Uerdingen hatte eine wechselhafte Marathon-Karriere vorzuweisen. 1968, bei seinem ersten Start bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin über die 42,195 Kilometer, erreichte er in 2:22:49 h prompt den dritten Platz und hatte damit die Norm für die Spiele in Mexiko in der Tasche. Da es aber seinerzeit drei schnellere deutsche Marathonis gab, darunter auch Sievers, blieb er zu Hause. Erst 1971 gelang ihm in einer Zeit von 2:18:57 h in Manchester ein beachtliches Comeback auf der Königsdisziplin der Leichtathletik. Die gute Form konnte er 1972 bestätigen und qualifizierte sich für die Spiele in München. Hier lief er mit 2:20:19 h nicht nur die schnellste Zeit eines Deutschen bei Olympischen Spielen jemals, sondern sorgte mit dem 16. Rang auch für die beste Platzierung eines Deutschen über die Marathon-Distanz bei Olympischen Spielen.Tagsüber in Vollzeit bei Bayer – und trotzdem der Traum von Olympia.

Nun aber, 1976, plagte er sich schon fast zwei Jahre mit Problemen an den Leisten und konnte daher kaum Rennen absolvieren. Folglich war er aus dem Kader des DLV gestrichen worden, reiste zu Wettkämpfen auf eigene Faust und musste aus der Ferne mit ansehen, wie Mielke beim renommierten Marathon in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) im Frühjahr 1976 die Olympia-Norm knackte. Um überhaupt in der Heimatstadt dabei sein zu dürfen, lief er beim sehr kleinen Marathon in Heinsberg in 2:32 h die entsprechende Norm – sein erster Marathon nach über einem Jahr. Hinzu kam, dass Angenvoorth als kaufmännischer Angestellter voll im Berufsleben stand. Nicht selten lief er morgens aus Hüls ins Bayer-Werk, und abends mit Umweg über die Sportanlage am Löschenhofweg wieder zurück. „Ich arbeite acht Stunden am Tag und kann mich nicht wie einige Konkurrenten voll auf das Training konzentrieren. Dennoch heißt mein Ziel, möglichst weit vorn, wenn möglich ganz vorn”, teilte er vor dem Rennen mit. Gedanken an die Olympia-Norm waren da, wenn auch nur im Hinterkopf.

Der Startschuss für die 180 Starter fällt am 16. Mai 1976 um 14.30 Uhr – und zwar ohne Mielke, der dann doch wegen seiner Virus-Erkrankung fehlt. Der größte Gegner Angenvoorths bleibt daher das Wetter. Durchaus fokussiert, wegen der Hitze aber auch reserviert und missgelaunt, geht Angenvoorth, bekannt als besonnener Läufer, ins Rennen. „Wenn es vor längeren Läufen warm war, hatte ich keine gute Stimmung, denn ich bin kein Freund von warmen Wetter. Durch die Hitze hat sich keiner getraut, schnell anzulaufen. Das kam mir sehr entgegen”, erinnert er sich.

Durch den abwartenden Start lässt er auf den ersten Kilometer allerdings auch einige wichtige Sekunden liegen. Im Schnitt muss für eine Zeit von höchstens 2:14:59 h eine Pace von 3:12 Minuten pro Kilometer her, das sind maximal 16 Minuten für fünf Kilometer. Zieht man seine ersten beiden Fünf-Kilometer-Splits heran (16:40 min und 16:31 min), fehlen jetzt schon 71 Sekunden auf die Norm. „33:11 für die 10 KM. Das war gewiss für das hochgesteckte Ziel etwas zu langsam”, heißt es in der Zeitschrift „Die Leichtathletik”.

Ab Kilometer zehn wird es dann aber deutlich schneller. Zwischen Kapuziner Berg, damals noch eine Müllkippe, und Niepkuhlen (Kilometer 15) steigert Angenvoorth sich mit seinen Begleitern auf 15:30 min. Hier trennt sich auch langsam die Spreu vom Weizen: Neben ihm setzen sich Karl Mann, Anton Gorbunow und Hans Gulyas vom Feld ab, ihre Zeit nach 15 Kilometern beträgt 48:41 min. Gerade Mann ist es, der das Tempo forciert, empfindliche Nadelstiche setzt und aus der Vierer-Gruppe schließlich zwei Duos macht: Mann und Angenvoorth, die für den nächsten Split 15:24 min benötigen, sowie Gorbunow und Gulyas, die nicht mehr folgen können. Fünf Sekunden liegt das Führungspärchen bei Kilometer 20 nur noch hinter der anvisierten Zeit von 1:04:00 h. Und riesengroß ist der Jubel der vielen Zuschauer an der Wende in Traar, denn hier stoppt die Zeit bei 1:07:05 h. Beide liegen damit voll im Soll.

Das Unheil nahm seinen Lauf: Die Tempoverschärfung war zu stark

Doch das Unheil nimmt wenig später seinen Lauf. Angenvoorth dazu in der „Leichtathletik”: „Wir haben hier einen entscheidenden Fehler gemacht. Anfangs haben wir wegen der Hitze absichtlich etwas langsamer gemacht. Die Tempoverschärfung aber war zu stark.” Kurz nach der Wende muss Mann nämlich abreißen lassen. Angenvoorth ist ab sofort auf sich alleine gestellt. „Ganz alleine, das war hart. Zumal ich sowieso immer lieber hinterhergelaufen bin als vorne weg.” Dennoch gelingt ihm sein Alleingang zunächst ganz gut, was seine Fünf-Kilometer-Splits beweisen: 15:50 min (3:10 min/km) und 15:56 min (3:11 min/km) benötigt er für die Strecke aus Traar zurück ins schattenspendende Hülser Bruch. Von Mann ist da schon nichts mehr zu sehen: Bei Kilometer 25 liegt dieser 20 Sekunden zurück, bei Kilometer 30 gar schon eine Minute. 1:35:51 h sind bei Kilometer 30 absolviert, Angenvoorth liegt damit neun Sekunden unter der Zeit und hat demnach noch 39:08 min, um unter der 2:15 h-Marke zu bleiben. Bleibt er bei seinem bisherigen Schnitt von 3:12 min/km, würde er 38:24 min benötigen und bei 2:14:15 h landen.

Angenvoorths Beine werden nun aber schwerer, Wind, Hitze und die trockene Luft kommen hinzu. „Es war eben doch recht anstrengend, alleine zu laufen und keinen dabei zu haben, der sich mal vor einen setzt und ein wenig zieht.” Die begleitenden Radfahrer, darunter Willy Wilms, sind zwar halbwegs geduldet, dürfen sich für ihn aber nicht in den Wind stellen. Die nächsten fünf Kilometer absolviert er in 16:14 min (3:15 min/km), hier und da gehen jetzt ein paar Sekunden verloren. Es gelingt ihm zwar, auch die nächsten fünf Kilometer in einer ähnlichen Zeit zu laufen (16:15 min), doch spätestens, als er bei 2:08:20 h die 40 Kilometer-Marke erreicht, wird klar, dass er jetzt den Turbo zünden muss: Es fehlen 20 Sekunden.

Aber die Kraft dafür reicht nicht mehr. Die letzten 2,195 Kilometer läuft er im Schnitt in recht gemächlichen 3:27 min/km und lässt die zwei vergangenen Stunden Revue passieren. Vor allem die Runde in der Grotenburg-Kampfbahn genießt Angenvoorth. 3.000 Zuschauer warten hier nach einem Einlage-Spiel der Damenfußball-Mannschaften von Preussen Krefeld und dem Grafschafter Moers (3:2) auf die Läuferschar. „Bravo Paule” schallt es von den Rängen. Nach 15-jähriger Lauftätigkeit holt er mit diesem fabelhaften Lauf seinen ersten deutschen Meistertitel – was für eine tolle Sache, dass dies auch noch in der Heimat gelingt. Die Zeit von 2:15:56 h ist die schnellste jemals gelaufene Zeit bei einer Deutschen Meisterschaft. Da ist zunächst auch vergessen, dass er die Norm um 56 Sekunden verpasst. Hinter ihm platzieren sich neben dem aufopferungsvoll kämpfenden Karl Mann (ASC Wella Darmstadt, 2:18:48 h) Jochen Schirmer (LG Jägermeister Bonn / Troisdorf, 2:19:13 h), Wolf-Dieter Poschmann (TV Wattenscheid, 2:21:39 h) und Wilfried Hellwig (LG Jägermeister Bonn / Troisdorf, 2:22:38 h).

Auch die damals durchaus beachtete Mannschaftswertung ist ein wahrer Krimi, den der ASC Wella Darmstadt (7:05:52 h) knapp vor der favorisierten LG Jägermeister Bonn / Troisdorf (7:06:15 h) gewinnt. Die Preussen, die sich einiges ausgerechnet hatten, müssen sich knapp geschlagen geben: Gerd Quack positioniert sich auf Rang zwölf in 2:24:49 h, Paul Peeters (23., 2:29:01 h) und Willi Roggenbach (27., 2:30:10 h) komplettierten das Team und legen 7:24:01 h vor. Das reicht nicht ganz, denn der LAC Quelle Fürth schiebt sich in 7:22:56 h auf Rang drei.

Erstmals durften die Frauen beim Marathon an gleicher Stelle starten

Etwas später kamen dann auch die ersten Frauen bei der Premiere ins Ziel. Eine Deutsche Marathonmeisterschaft hatte es für sie erst im Jahr zuvor erstmals gegeben, damals aber noch unabhängig von den Männern. 1976 durften sie dann aber an gleicher Stelle starten. „Beim Lauf der Frauen kam es offenbar nicht nur auf Schnelligkeit und Ausdauer an, sondern auch auf die äußere Erscheinung. Bei den 60 Teilnehmern des schwachen, aber schönen Geschlechts griff gar manche vor dem Start zum Schminkköfferchen”, frotzelte die WZ. Der Frauenlauf stand unter dem Vorhaben der absoluten Favoritin und Titelverteidigerin Christa Vahlensieck (Barmer TV), den Weltrekord der Amerikanerin Jacqueline Hansen von 2:38:19 h knacken zu wollen. Da die Wuppertalerin zwei Wochen vorher eine Weltbestzeit über die 25 Kilometer (1:30:06 h) aufstellt hatte, glaubte auch ihre Freundin und einstige Mannschaftskollegin Manuela Preuß daran, wie sie der WZ erzählte: „Ich traue Christa den Weltrekord zu. Ich will versuchen, so lange wie möglich, an Christa dranzubleiben. Mein Ziel ist es, unter 2:50 h zu laufen, eine Traumzeit für mich läge bei 2:45 h.”

Sowohl Vahlensieck, als auch Preuß, gehen angeschlagen in das Rennen: Vahlensieck plagt sich mit einer Zahnvereiterung und einer Fußverletzung herum, Preuss macht einer Bänderzerrung im Fuß zu schaffen. Dennoch können sich beide früh vom Feld der 57 gestarteten Frauen absetzen. 37:30 min (zehn Kilometer), 56:05 min (15 Kilometer) und 1:14:53 h (20 Kilometer) sind die gemeinsamen Zwischenzeiten. Kurz nach der Wende zieht Vahlensieck dann aber von dannen und rennt dem erneuten Titel entgegen. Da hilft es auch nicht, dass Preuß bei Kilometer 26 von ihrem Verlobten überholt wird. „Es hat mir zwar einen kleinen Auftrieb gegeben, ich wusste aber, dass ich Christa nicht halten konnte.” Bis zu Kilometer 30 liegt Vahlensieck auf Weltrekord-Kurs, dann aber kann sie das Tempo nicht mehr ganz halten. Den Weltrekord verpasst sie am Ende nur knapp. Ihre Zeit von 2:40:28 h (Durchschnitt 3:48 min/km) ist jedoch Weltjahresbestleistung. Und auch Preuß’ Zeit (2:43:00 h) ist beachtlich. Sie verbessert ihre persönliche Bestleitung damit um über zwölf Minuten. 1976 ist sie damit die zweitschnellste Frau auf der ganzen Welt. Sehenlassen kann sich auch die Leistung der Dritten: Gerda Reinke (SCC Berlin) steigert ihre PB ebenfalls, und zwar um vier Minuten. Mit 2:56:55 bleibt sie ebenfalls unter der markanten Drei-Stunden-Marke.

Der Deutsche Meister musste am nächsten Tag wieder arbeiten

Am Abend des 16. Mai knallten bei der Siegerehrung im Haus Blumental noch einige Sektkorken. Es blieb aber bei einer kleinen Feier, ins Krefelder Nachtleben zog es danach keinen. „Ich musste am nächsten Tag auch wieder arbeiten”, erinnert sich Angenvoorth. Für ihn war auch am Abend übrigens nicht klar, ob es für die Olympischen Spiele reichen sollte – auch wenn er ob seiner fabelhaften Leistung die Sache realistisch einschätze. „Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das nicht reichen sollte”, so seine Meinung, der sich in der Folge etliche Personen anschlossen. Freunde, Familie und Verein sowieso, aber auch die komplette Presse, Konkurrenten und sogar NRW-Innenminister Burkhard Hirsch. Zurückhaltender waren nur die Offiziellen, die schließlich Angenvoorth und Mielke am 10. Juni zu einem verpflichtenden 25-Kilometer-Lauf nach Griesheim (nahe Darmstadt) baten. „Dort zu starten, war der größte Fehler meiner Laufbahn”, sagt Angenvoorth noch heute, denn es endete – wieder wegen Hitze – für ihn in einem mittelschweren Fiasko. Sieben Kilometer hielt er gut mit, dann musste er einen Gang zurückschalten. Im Ziel hatte Mielke mit 1:17:34 h mehr als eine Minute Vorsprung auf den enttäuschten Zweiten (1:18:44 h). „Ich sehe keine Chance mehr. Nach normalen Überlegungen ist der Fall erledigt. Für mich sind solche Temperaturen Gift im Gegensatz zu Mielke, der schon oft unter solchen Bedingungen gute Leistung gezeigt hat. Es ist bei mir jetzt keine Frage der Norm mehr, sondern die Leistungen von uns beiden klafften heute zu sehr auseinander. Das wird den Ausschlag geben.”

Im Jahr 1977 waren die Angenvoorths das schnellste Ehepaar der Welt

Der DLV nominiert tatsächlich nur Mielke für die Spiele in Montreal, bei denen ein anderer Deutscher Geschichte schreiben sollte. Denn während Mielke sich schon kurz nach dem Start eine Fußverletzung zuzog und angeschlagen als 54. von 60 Finishern das Ziel erreichte, gewann Waldemar Cierpinski für die DDR das erste Marathon-Gold – ein Kunststück, das er vier Jahre später wiederholen sollte. Für Angenvoorth, der mit seiner Krefelder Zeit in Montreal Elfter geworden wäre, blieb die Teilnahme an den Spielen in München damit ein einmaliges Erlebnis. Nach einer erneuten langen Verletzungspause gelang ihm Herbst 1977 noch einmal ein Comeback mit dem dritten Platz bei der Marathon-DM in Berlin in persönlicher Bestzeit von 2:15:42 h. Seine Ehefrau wurde hinter Vahlensieck, die in neuem Weltrekord von 2:34:47 h gewann, in 2:38:09 h erneut Zweite. Zusammen waren die Angenvoorths damit offizielle das schnellste Ehepaar der Welt. Kurz vor der Europameisterschaft in Prag 1978 galt „Paule” als sicherer Kandidat, musste dann aber wegen Leistenbeschwerden absagen. Im Winter beendete er nach 439 Wettkämpfen seine langjährige Karriere.

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