Eine professionelle Gesundheitsversorgung ist für Mütter und Kinder in Haiti lebenswichtig, aber beileibe nicht selbstverständlich. Durch den aktuellen Ausnahmezustand wird sie zusätzlich erschwert (Foto: ADH / action medeor / J.Studnar)
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Tönisvorst. Nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse wurde in Haiti der Ausnahmezustand ausgerufen. Für das Medikamentenhilfswerk action medeor bedeutet dies eine besondere Herausforderung, denn die Tönisvorster Hilfsorganisation ist in dem karibischen Inselstaat seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen Nothilfe- und Gesundheitsprojekten tätig.

„Unsere lokalen Partner berichten uns von einer sehr angespannten Sicherheitslage vor allem in der Hauptstadt Port au Prince, die Menschen dort trauen sich nicht mehr aus ihren Häusern“, schildert Sid Peruvemba, Vorstandssprecher von action medeor. Rivalisierende bewaffnete Banden sorgen auf der Insel immer wieder für Angst und Schrecken, brennen Häuser nieder und töten Menschen. „Seit einigen Tagen ist die Lage nun nochmal eskaliert“, so Peruvemba.

Haiti gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, mehr als 60 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Zusätzlich wird die Karibikinsel immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht. action medeor unterstützt zusammen mit der lokalen Hilfsorganisation Fondation Enfant Jésus (FEJ) eine Klinik in der Region Larmardelle, wo es eine besonders hohe Kinder- und Müttersterblichkeit gibt.

„Durch die Bereitstellung einer professionellen Geburtshilfe, die Schulung von Hebammen und technische Fortbildungen konnten wir hier in der Vergangenheit gute Erfolge für die Gesundheit von Müttern und Kindern erzielen“, berichtet Peruvemba, „aber schon seit Februar 2021 melden unsere lokalen Partner wachsende Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung.“ Aufgrund der angespannten Sicherheitslage besuchen demnach immer weniger Menschen die Einrichtungen und Angebote, weil es auf den Straßen schlicht zu gefährlich ist. „Wenn dies ein Dauerzustand bleibt, wird die Mütter- und Kindersterblichkeit in der Region wieder steigen“, befürchtet Peruvemba.

„Was Haiti jetzt braucht, ist Sicherheit, politische Stabilität und Verlässlichkeit, damit die Menschen sich nicht fürchten, nicht hungern oder an vermeidbaren Krankheiten sterben müssen“, sagt der Vorstandssprecher von action medeor. „Wir tun weiterhin, was wir können, um das Leid der Menschen zu begrenzen.“

Wer die Arbeit von action medeor unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun. Das Spendenkonto lautet DE78 3205 0000 0000 0099 93 bei der Sparkasse Krefeld.

Hintergrund: In Haiti, vor allem in der Projektregion Larmardelle, gehört es zur kulturellen Praxis, zu Hause mit Hilfe traditioneller Geburtshelferinnen zu entbinden. So finden über 60 Prozent der Geburten ohne medizinisches Personal außerhalb eines Gesundheitszentrums statt – mit erheblichen Gesundheitsrisiken für Mütter und Kinder. Durch Aufklärung und eine professionelle medizinische Geburtshilfe kann die Sterblichkeit von Müttern und Kindern unter der Geburt deutlich reduziert werden.

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