(Foto: Prof. Prof. Dr. Thomas Ziegler)
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Köln. Weitere Rückführungen von Philippinenkrokodil-Nachwuchs auf die Philippinen zur Wiederauswilderung und zur Stärkung der natürlichen Populationen geplant

Nach der Rückführung zweier Philippinenkrokodil-Nachzuchten aus dem Kölner Zoo im Dezember 2020 ist erneut die Vermehrung dieser vom Aussterben bedrohten Krokodilart in der Terrarienabteilung des Kölner Aquariums gelungen.

 

Nach sechs Jahren die zweite gelungene Naturbrut im Kölner Zoo

Im Februar 2021 ließen wir das ansonsten separat gehaltene Kölner Philippinenkrokodil-Pärchen Pinoy und Mindo zur Paarung zusammen. Nach der Nestbauphase und intensiven Nestpflege durch das Weibchen kam es am frühen Morgen des 28. März zur Eiablage. Vier Eier entwickelten sich, d.h. sie erwiesen sich als befruchtet. Am 30.6.2021, an Tag 96 nach der Eiablage, fand dann am frühen Nachmittag der erste Schlupf statt. Dies ist die zweite gelungene Naturbrut im Kölner Zoo, nach der ersten erfolgreichen im Jahr 2015, aus der die zuletzt zurück auf die Philippinen geschickten Jungen  „Hulky“ und „Dodong“ schlüpften.

Das erste Jungtier aus der aktuellen Naturbrut stieß zum Schlupf mit seiner Schnauze, auf der sich zu diesem Zeitpunkt ein sogenannter Eizahn zum Durchstoßen der Eierschale befindet, durch das Ei. Das Weibchen half anschließend den Jungen aus dem Nisthügel bzw. trug sie mitsamt Eierschalen in das Wasser, um ihnen dort aus dem Ei zu helfen – der sogenannte Maultransport.  Dies wurde bisher noch nicht in freier Wildbahn dokumentiert und zeigt auch, welch wichtige Forschungsarbeit in Zoos geleistet werden kann.

Derzeit sind die vier Jungen mitsamt Mutter Mindo für die Besucher im Nistbereich der Krokodilanlage zusammen zu sehen, wo sie gemeinsam mit der Mutter aufwachsen können. Das Sozialverhalten, also die Interaktionen zwischen Mutter und den vier Jungen, wird derzeit von Studierenden der Universität zu Köln im Rahmen ethologischer (verhaltenskundlicher) Studien untersucht.

 

Zukunftspläne

In einigen Wochen bis Monaten werden wir die Jungen voraussichtlich trennen müssen, da Philippinenkrokodile einzelgängerisch leben, und sie dann separat hinter den Kulissen aufziehen.

Auch diese Jungtiere sollen zurück auf die Philippinen, so die Pläne der philippinischen Behörden, gemeinsam mit Vicente P. Mercado und Rainier Manalo von Crocodylus porosus Philippines Inc (CPPI), einer philippinischen NGO, die sich für den Krokodilschutz auf den Philippinen einsetzt und mit der der Kölner Zoo kooperiert.

Es ist beabsichtigt, die Jungen etwa im Alter von 1,5-2 Jahren auf die Philippinen zur Auswilderung zurückzusenden, um dort die lokalen Populationen weiter aufzustocken.

Da sie wie die bereits rückgeführten Jungtiere „Hulky“ und „Dodong“ aus einer Naturbrut entstammen, d.h. ihre Eier wurden nach dem Legen im Gehege belassen und die Schlupflinge nach dem Schlupf von der Mutter ins Wasser getragen, sind sie bestens für eine Auswilderung geeignet. Denn sie konnten gemeinsam mit der Mutter aufwachsen. Solch eine natürliche Sozialisierung ist Grundvoraussetzung für ein späteres Auswildern.

 

Die im Dezember 2020 rückgeführten „Hulky“ und „Dodong“ bereits kurz vor der Auswilderung

„Hulky“ und „Dodong“, die beiden im Dezember zurück auf die Philippinen ausgeflogenen Kölner Nachzuchten, warten derzeit in einer geräumigen, naturnahen Halbfreianlage auf den Philippinen, wo sie auf die frei Wildbahn vorbereitet werden, auf ihre Auswilderung im Siargao Schutzgebiet. Dies ist wichtig, um die stark bedrohten, sehr kleinen natürlichen Bestände zu stärken.

 

Weltnaturschutzunion unterstützt Zoo-Artenschutz-Strategie

„Das ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie von Zoos koordinierte Erhaltungszuchtprojekte aktiv zu in situ-Schutzmaßnahmen beitragen oder, wie in diesem Fall, überhaupt erst möglich machen“, sagt der Kölner Aquariumsleiter Prof. Dr. Thomas Ziegler, der auch Regionaler Vorsitzender für Europa der IUCN Crocodile Specialist Group ist. Prof. Theo B. Pagel, Kölner Zoodirektor und Präsident des Weltzooverbands, fasst zusammen: „Das ist ein weiteres erfolgreiches Beispiel für den ,One Plan Approach’ von Zoos. Er wird von der Weltnaturschutzunion unterstützt und zielt darauf ab, für den Artenschutz verstärkt integrative Strategien zu entwickeln, die das Zusammenwirken von in situ und ex situ Maßnahmen und Expertengruppen fördern.“

 

Status „Höchst bedroht“: Nur noch rund 100 Exemplare leben in der Wildnis

Das Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) ist eine mittelgroße Krokodilart, die es nur auf den Philippinen gibt. Mit nur noch etwa 100 Tieren in freier Wildbahn zählt es zu den seltensten Krokodilen der Welt. Deswegen wird die Art in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Sie hat den höchsten Schutzstatus (Anhang I) auf dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Aufgrund dieser besorgniserregenden Lage in der Natur und um die Art nicht zu verlieren, hat die IUCN Crocodile Specialist Group (CSG) ex situ Maßnahmen empfohlen, d. h. den Aufbau von Erhaltungszuchten in Zoos. Internationale Erhaltungszuchtprogramme, geregelt durch Verträge mit der Philippinischen Regierung, wurden zunächst in den USA und Australien aufgebaut, später auch in Europa. Das Erhaltungszuchtprogramm (ESB) in Europa wurde im April 2012 von der Europäischen Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA) ins Leben gerufen. Koordiniert wird das europäische Programm vom Kölner Zoo.

Ziel war der Aufbau einer Reservepopulation in Europa. Dazu wurden 2006 15 junge Philippinenkrokodile aus dem Palawan Wildlife Rescue & Conservation Center (PWRCC) nach Europa eingeflogen. Sie sind eine Leihgabe des Department of Environment and Natural Resources (DENR) der Philippinischen Regierung. Kurz darauf gelang im Kölner Zoo im Juli 2013 die Erstzucht des Philippinenkrokodils für Europa – ein Meilenstein. Es folgten weitere Nachzuchterfolge im tschechischen Krokodil-Zoo Protivin, im englischen ZSL London Zoo und im dänischen Krokodille Zoo. So wuchs die Anzahl an Philippinenkrokodilen in Europa stetig an, sodass es jetzt insgesamt knapp 50 Tiere sind, verteilt auf mittlerweile doppelt so viele Institutionen wie zu Beginn des Erhaltungszuchtprogramms.

 

Genetisch reinerbig

Da Farmkreuzungen zwischen Philippinenkrokodilen und ebenfalls auf den Philippinen vorkommenden Leistenkrokodilen bekannt wurden und diese Arthybriden äußerlich nicht von reinerbigen Tieren zu unterscheiden waren, war von da an klar, dass der mühsam eingeführte europäische Zoobestand genetisch untersucht werden muss, da reinerbige Tiere eine Grundvoraussetzung für von wissenschaftlich geführten Zoos durchgeführte Erhaltungszuchtprogramme sind, insbesondere mit dem Ziel der späteren Wiederauswilderung. Die Kölner und darüber hinaus auch alle anderen im ESB geführten Philippinenkrokodile stellten sich uim Rahmen der umfassenden genetischen Untersuchungen nachfolgend glücklicherweise als reinerbig heraus, so dass sie bestens zur Wiederauswilderung auf den Philippinen geeignet sind.

 

Zootier des Jahres – das Krokodil

2021 ist übrigens nicht nur das 50-jährige Jubiläum des Kölner Aquariums, sondern in diesem Jahr ist auch das Krokodil Zootier des Jahres, eine Aktion ausgerufen von ZGAP gemeinsam mit der Deutschen Tierpark-Gesellschaft e.V. (DTG), der Gemeinschaft der Zooförderer e.V. (GdZ) und dem Verband der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ). Eines der drei in diesem Jahr von den Zootier-Geldern unterstützten Projekte ist das Philippinenkrokodil – und zwar der Ausbau einer Halbfreianlage für zukünftige Wiederauswilderungen auf Siargao gemeinsam mit einer Umweltbildungskomponente und weiteren Freilandarbeiten. Ein vielversprechendes Projekt mit starken Partnern, das äußerst sinnvoll für verbesserten Krokodilschutz ist.

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