Statue in Gedenken an den von den Nationalsozialisten hingerichteten Nikolaus Groß in der Kirche St. Mauritius Hattingen-Niederwenigern (Foto: Holger Grosz)
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Hattingen. Der katholische Arbeiterführer aus Hattingen-Niederwenigern widersetzte sich den Nationalsozialisten und wurde hingerichtet. An die Seligsprechung des Märtyrers erinnert ein Festgottesdienst am kommenden Samstag, 2. Oktober, im Dom in Niederwenigern, an dem auch der Enkel des Widerstandskämpfers teilnehmen wird, der in der Lebensgeschichte seines Großvaters auch einen Auftrag für heute sieht. Am gleichen Tag eröffnet der Verein das von ihm betriebene und kuratierte Museum nach langer Corona-Pause.

Am 7. Oktober vor 20 Jahren ist Nikolaus Groß in Rom seliggesprochen worden. An den besonderen Jahrestag erinnert die Festmesse am kommenden Samstag, 2. Oktober, 17.30 Uhr, in St. Mauritius Hattingen-Niederwenigern. Sie wird vom Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck zelebriert und musikalisch von den Essener Domsingknaben gestaltet. Eine Reservierung für Gottesdienstbesucher wird empfohlen (im Pfarrbüro unter Tel. 02324/591926, montags bis freitags, 10 bis 12 Uhr).

Der katholische Arbeiterführer Nikolaus Groß, der 1898 in Niederwenigern geboren wurde und sich aus seinem christlichen Glauben heraus den Nationalsozialisten widersetzte und von ihnen hingerichtet wurde, ist der einzige Selige des Bistums Essen.

Der Jahrestag der Seligsprechung sollte aus Sicht von Thomas Groß, Enkel des Seligen, „für uns alle Anlass sein, sich noch einmal der Lebensgeschichte des Seligen zu nähern“. Sein Vermächtnis des starken und unerschütterlichen Glaubens, der Standhaftigkeit gegen Hass, Gewalt, Unterdrückung und Mord und die Wahrhaftigkeit in Wort und Schrift seien „nach wie vor Auftrag in unserer heutigen Zeit“. Der 62-Jährige, der auch an der Festmesse teilnehmen wird, sagt über seinen Großvater: „In der Zeit des Nationalsozialismus hat er den politischen Mächten widerstanden und deutlich Flagge gezeigt. Er hat sich nicht verbiegen lassen und Mut und Standhaftigkeit gelebt. Er ist damit Vorbild und er ermutigt uns, sein Vermächtnis durch Gebet, Wort und Tat wachzuhalten.“

Die Erinnerung an Leben, Wirken und Sterben des Märtyrers hält der Verein Nikolaus-Groß-Niederwenigern am Geburtsort des Bergmanns, Gewerkschaftssekretärs und Chefredakteurs der Westdeutschen Arbeiterzeitung wach. Das Nikolaus-Groß-Museum des Vereins in direkter Nachbarschaft zum Dom wird nach dem Gottesdienst am 2. Oktober für Besucher geöffnet. Ab Oktober kehren die Verantwortlichen außerdem nach langer Corona-Pause wieder zu festen Museums-Öffnungszeiten zurück. Zunächst wird an jedem dritten Sonntag im Monat von 11 bis 13 Uhr der Besuch möglich sein. Führungen außerhalb dieser Zeit sind nach Absprache möglich (Kontakt: info@nikolaus-gross.org)

Ins Museum werden aktuell weitere Ausstellungsstücke aufgenommen. Dazu gehören die Eheringe von Nikolaus und Elisabeth Groß, die in naher Zukunft in der Schau zu sehen sein werden. Ebenso zwei Kelche, die dem katholischen Priester Otto Müller gehörten – der, wie sein Freund Nikolaus Groß, Gewerkschaftsführer, Widerstandskämpfer und als Mitglied des „Kölner Kreises“ an der Planung für ein Deutschland nach Hitler beteiligt war. Die beiden Kelche des Geistlichen werden voraussichtlich am kommenden Wochenende vom Essener Bischof beim Pontifikalamt genutzt werden.

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