Nach der Kranzniederlegung trugen Schülerinnen und Schüler der Martin-Luther-Schule ihre Gedanken zum Volkstrauertag vor (Foto: Stadt Herten)
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Herten. „Heute gedenken wir der Menschen, die Opfer von Krieg, Gewalt und der NS-Verfolgung wurden. Die Verstorbenen mahnen zur Versöhnung und erinnern uns daran, dass Frieden nicht selbstverständlich ist. Wir müssen das Vergangene akzeptieren, verstehen und aktiv agieren, damit so etwas nie wieder passiert“, so Bürgermeister Matthias Müller anlässlich des diesjährigen Volkstrauertages.

Am Sonntag gedachte er in Herten-Mitte gemeinsam mit rund 100 Bürgerinnen und Bürgern der Opfer von Terrorismus, politischer Verfolgung, Krieg und Gewalt. Schülerinnen sowie Schüler aus Herten und viele andere Personen unterstützten die Veranstaltung mit individuellen Beiträgen. Peter Ziegel, Vorsitzender des Sozialverbands VdK in Herten, und Arnaud Michel, Mitglied einer Delegation aus der Partnerstadt Arras, legten gemeinsam mit dem Bürgermeister Kränze vor den Denkmälern nieder.

Die Schülerinnen und Schüler der Martin-Luther-Schule setzten sich während der Gedenkveranstaltung damit auseinander, was der Volkstrauertag für sie persönlich bedeutet und zündeten Kerzen als Zeichen der Erinnerung und der Hoffnung an. Zwei Schülerinnen der Rosa-Parks-Schule präsentierte ein Gedicht des polnischen Dichters Tadeusz Rózewicz. Im zweiten Weltkrieg selbst Teil der Armee und Zeuge vieler Kriegsverbrechen studierte er nach Kriegsende Kunstgeschichte und war mehrere Male für den Literaturnobelpreis nominiert.

Satılmış Kulak von der Ditib Gemeinde Herten-Langenbochum trug ein Friedensgebet vor und übersetze die Verse aus dem Koran ins Deutsche, während Dr. Karl Ott von den Arras-Freunden Herten ein Gedicht von Victor Hugo vortrug, welches er anlässlich des deutsch-französischer Krieges verfasste. Gerd Lange, Vertreter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten, und Johannes Gertz, Geschäftsführer von „Pax Christi“ im Bistum Münster, erinnerten in ihrem Beitrag zum Volkstrauertag an die sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland sowie in Herten.

Musikalisch wurde der Volkstrauertag von Mirja Henkel, Rudi Rautenberger sowie von Ingo Jülicher unterstützt. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung sprach Stadtarchiv-Leiterin Kirsten Noetzel bei einem kleinen Rundgang über die Schicksale von Hertener Bürgerinnen und Bürger während der NS-Zeit.

Historischer Hintergrund:

1922 wurde der Volkstrauertag durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Während des Nationalsozialismus wurde die eigentliche Bedeutung entfremdet. So erklärten die Nationalsozialisten 1934 den Tag zum Staatsfeiertag, der unter dem Namen „Heldengedenktag“ bekannt wurde. Überall, auch in Herten, entstanden Kriegerehrenmale. So erhielt auch das Kriegerehrenmal am „Alten Friedhof“, an dem die Stadt bis heute den Volkstrauertag begeht, ein Eingangstor mit Aufmarschplatz. Die jeweiligen Ortsgruppen der NSDAP richteten diese Veranstaltungen aus und nutzen sie für ihre Propagandazwecke. Seit 1950 wird der Volkstrauertag wieder jedes Jahr im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen. Dabei ist der ursprüngliche Gedanke an Versöhnung und das Gedenken der Opfer wieder in den Mittelpunkt gerückt.

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