Annika Walker, Professorin für Angewandte Hebammenwissenschaft (Foto: privat)
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Krefeld. Mehr als 20 Jahre hat es gedauert, bis die Ausbildung der Hebammen in Deutschland akademisiert worden ist. Seitdem das reformierte Hebammengesetz in Kraft getreten ist, gilt grundsätzlich: Wer Hebamme werden will, muss ein Bachelorstudium absolvieren. An der Hochschule Niederrhein ist dies seit dem Wintersemester möglich. Anfang November hat in Annika Walker auch die erste Professorin für Angewandte Hebammenwissenschaft an der Hochschule Niederrhein ihre Arbeit aufgenommen.

Die 36-Jährige arbeitete bis zum Antritt ihrer Professur in den Niederlanden, wo Sie auch 2015 ihr Studium der Hebammenwissenschaft an der Academie Verloskunde in Amsterdam erfolgreich abgeschlossen hat. Zuvor hatte Walker an der Universität Nijmegen/NL ein Psychologie-Masterstudium mit dem Schwerpunkt klinische Psychologie mit Auszeichnung abgeschlossen. Doch schon während des Masterstudiums war ihr klar, dass sie zusätzlich noch ein Hebammenstudium absolvieren wollte. „Schwangerschaft und Geburt haben mich schon immer fasziniert. Es ist etwas Besonderes, diese Ereignisse als Hebamme immer wieder von Nahem miterleben zu dürfen und werdende Eltern in dieser intensiven Lebensphase auf ihrem Weg zu begleiten“, berichtet Walker.

Die Stellung der Hebammen in den Niederlanden ist noch eine andere als in Deutschland. Im Nachbarland sind die Hebammen erste Ansprechpartnerin für die Schwangeren, eine Gynäkologin bzw. ein Gynäkologe werden nur bei Schwierigkeiten herangezogen. Dadurch hat Annika Walker während ihrer Zeit im Nachbarland viel praktische Erfahrungen sammeln können: „Ich habe in Haarlem und Amsterdam als freiberufliche Hebamme gearbeitet. Diese Erfahrungswerte helfen mir heute ungemein.”

Aktuell finalisiert Walker ihre Promotion zum Thema depressive Beschwerden in der Schwangerschaft und nach der Geburt: „In dieser Promotion bringe ich meine Kenntnisse aus der Psychologie und der Hebammenwissenschaft zusammen. Ich untersuche, welche Risikofaktoren für eine Depression während und nach der Schwangerschaft eine Rolle spielen und wie Frauen mit depressiven Gefühlen während der Schwangerschaft noch besser therapeutisch geholfen werden kann. Eine von fünf Frauen ist von depressiven Beschwerden während oder nach der Schwangerschaft betroffen.“ Das Thema geht in der gesellschaftlichen Diskussion jedoch häufig unter, da mit einer Schwangerschaft in der Regel positive Gefühle verknüpft sind.

Bei Ihrem neuen Arbeitgeber ist Walker nach den ersten Wochen gut angekommen. „Ich bin hier sehr freundlich und warmherzig aufgenommen worden. Es ist eine tolle Herausforderung, als erste Professorin für Angewandte Hebammenwissenschaft an der Hochschule Niederrhein zukünftige Hebammen auf akademischem Niveau auszubilden und meine Erfahrungen weiterzugeben“, so Walker. Aktuell sind 25 Studierende im ersten Semester des Studiengangs Hebammenwissenschaft eingeschrieben und alle sind mit viel Elan dabei. „Ich spüre, dass die Studierenden sehr motiviert sind. Ich freue mich sehr darüber, dass wir die Begeisterung für den Beruf der Hebamme teilen“, sagt Walker.

Informationen zum Studiengang Angewandte Hebammenwissenschaften: https://www.hs-niederrhein.de/angewandte-hebammenwissenschaft

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