Eröffnung der renovierten Stachelschwein-Anlage mit Stachelschwein Josh. Von links: Mario Brands mit Tochter Lilly und Sohn Theo, Friedrich R. Berlemann (Vorsitzender Zoofreunde Krefeld), Cornelia Bernhardt (Kuratorin, Zoo Krefeld), Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen (Foto: Zoo Krefeld)
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Krefeld. Die Modernisierung der Stachelschweinanlage im Krefelder Zoo ist abgeschlossen. Nach zehnmonatiger Bauphase konnten die neunjährige Steffi und ihr neuer vierjähriger Weggefährte Josh in ihr neues Gehege einziehen. Der Umbau wurde nötig, da der alte Stall in die Jahre gekommen und renovierungsbedürftig war. Gleichzeitig sollten die dämmerungsaktiven Tiere für die Besucher auch am Tag während der Ruhezeiten besser sichtbar sein. Deshalb wurde ein kleines Warmhaus mit großer Einsicht-Scheibe zum Besucherbereich hin errichtet. Die Sanierung der Stachelschweinanlage hat rund 40.000 Euro gekostet und wurde durch Spenden aus den Patenschaften der Zoofreunde Krefeld und einer privaten Einzelspende der Krefelder Familie Brands finanziert.

Ein kleines Experiment ist die dem Stall vorgelagerte Plattform aus Natursteinen, die zu den Besuchern hin keine weitere Abgrenzung hat – außer ihrer Höhe von 90 Zentimetern. Diese ist hoch genug, damit die Stachelschweine sich nicht trauen, in die „Tiefe” zu springen. Die Sandsteine für die Plattform und die Mauer, welche das hinten liegende Absperrgehege umgrenzt, stammen aus dem Steinbruch Rauen in Mülheim. Die einzelnen Steine wurden passgenau im Steinbruch ausgesucht und im Gehege zur Plattform zusammengefügt. Der neue Stall besteht aus einem Grundgerüst aus Beton, das mit Kunstfels verkleidet an die Natursteine angepasst wurde. Große Türen an der Rückseite des Stalls erleichtern den Tierpflegern das Säubern des Innenraums, der durch eine Deckenheizplatte erwärmt wird. Ein Grün-Dach rundet das neue Häuschen ab, im Gehege sind neue Wurzeln und ein großer hohler Baumstamm als Unterschlupf dazu gekommen.

Stachelschweine seit Jahrzehnten im Zoo

Stachelschweine leben schon seit Jahrzehnten im Zoo Krefeld. Doch waren die dämmerungsaktiven Nagetiere meist nur bei Abendführungen gut zu sehen, weil sie tagsüber hinter der undurchsichtigen Scheibe ihres Häuschens schliefen. Neuzugang Josh ist am 14. Juli 2017 im Zoo Schwerin geboren und am 31. März 2021 nach Krefeld gekommen. Die Zusammenführung der beiden Stachelschweine hätte aus zoologischer Sicht nicht besser verlaufen können. Beide fanden sich vom ersten Kontakt an interessant, so dass es auch schnell zu den ersten Paarungsversuchen gekommen ist. Stachelschweine sind mittelgroße bis große Nagetiere. Einige der Arten gehören neben den Capybaras und den Bibern zu den größten Nagetieren der Welt und sind die größten Nager in Europa, Asien und Afrika.

Tastborsten helfen, sich in ihren dunklen Höhlen zurechtzufinden

Die ersten Beschreibungen des Stachelschweins in Europa stammen vom griechischen Gelehrten Aristoteles und dem Römer Plinius dem Älteren. Die beiden Gelehrten beschrieben das Stachelschwein als besonders gefährliches Tier. Plinius verbreitete durch seine Schriften sogar den bis heute anhaltenden Irrglauben, die Nagetiere könnten ihre Stacheln schleudern wie Pfeile, um damit Angreifer abzuwehren. Ganz so angriffslustig sind sie in Wirklichkeit allerdings nicht. Stachelschweine greifen im Regelfall nicht an. Eher drohen sie potenziellen Fressfeinden durch lautes Rascheln mit den Stacheln der Schwanzquaste. Fakt ist allerdings, dass die bis zu 40 Zentimeter langen Stacheln Widerhaken haben, die sich in der Haut allzu aufdringlicher Feinde festhaken und ziemlich wehtun. Also: Niemals ein Stachelschwein streicheln, auch nicht am Kopf. Dort sitzen zwar keine Stacheln, dafür aber die sehr empfindlichen Tastborsten, die ihnen helfen, sich in ihren dunklen Höhlen zurechtzufinden.

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