Weihbischof Rolf Lohmann (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Achim Pohl)

Niederrhein/Recklinghausen. Weihbischof Lohmann: „Weihnachten feiern heißt, sich der Nacht stellen“

Die Bedeutung der Nacht hat Weihbischof Rolf Lohmann, Regionalbischof für Recklinghausen und den Niederrhein, in seiner Weihnachtspredigt erläutert. Nachdem er den Heiligen Abend zunächst mit Häftlingen in der Justizvollzugsanstalt in Geldern-Pont und später in Marienbaum gefeiert hatte, hielt er die Weihnachtsmesse im Xantener St.-Viktor-Dom.

Die Nacht, sagte der Weihbischof, sei den Christen heilig: „Gott kommt nicht kurz bei Tageslicht herein, er sucht uns in der dunkelsten Nacht auf. Wäre er einer von uns, wen er diesen Tiefpunkt gescheut hätte?“ Christen würden die Nacht zwar nicht herbeireden, ihr aber auch nicht weichen. „Weihnachten feiern heißt, sich der Nacht stellen“, betonte Lohmann. Sie stecke „in ihrer ganzen Abgründigkeit“ in jedem Menschen, dort, wo Konflikte das Leben überschatten oder man im Dunklen tappt. Doch gerade in die Nacht hinein sei Jesus geboren worden, „er ist in den Abgründen und Tiefschichten, in den Nächten unseres Daseins anwesend. Darin zeigt sich die Stärke unseres Glaubens, dass er sich der Finsternis aussetzt“, erklärte der Weihbischof.

Jesus öffne den Menschen die Augen für „die im Dunkeln. Die können und dürfen wir nicht übersehen: die durch Terror, Vertreibung und Flucht im Dunkel tappen und die bei uns anklopfen, weil sie als Flüchtlinge eine Bleibe suchen“. Kein Licht in die Welt hingegen brächten „die, die zur Zeit die rechten Parolen schwingen und Menschen einwickeln für ihre eigenen Zwecke, angeblich, um das christliche Abendland zu retten.“ Lohmann: „Für uns Christen bleiben Toleranz und Religionsfreiheit oberstes Gebot.“

Auf der anderen Seite seien die Initiativen von Menschen „weihnachtlich“, die sich für Klimagerechtigkeit und Umweltschutz engagieren, die sich im Bereich der Flüchtlingsarbeit einsetzen und caritative Angebote schaffen. „Wie weihnachtlich beachtenswert“, sagte Weihbischof Lohmann weiter, „ist das ungebrochene Engagement aller, die sich für die Corona-Erkrankten einsetzen und alles geben, was möglich ist. Wie weihnachtlich sind die vielen Ideen in unseren Pfarrgemeinden, die Weihnachtsbotschaft – trotz und gerade in der Pandemie – zu den Menschen zu bringen und sie zu feiern.“ Auch der Zusammenhalt und die Hilfe bei der Hochwasserkatastrophe sei weihnachtlich gewesen. „Überall hier zeigt sich Weihnachten von der besten Seite, Licht wurde in die Dunkelheit hinein gebracht“, betonte er.

Wer Jesus in sich hineinkommen lasse, werde von Gottes Licht durchflutet. „So können wir ein anderes Leben führen und das Dunkle hinter uns lassen. Dank dieses Ereignisses von vor gut 2000 Jahren ist uns ein Licht, das Licht aufgegangen. Im Friedenslicht aus Bethlehem wird uns das auch heute deutlich vor Augen geführt. Christus will durch uns durchscheinen, durch unsere Worte, unsere Gebärden und unser Verhalten, durch unser Gesicht und durch unser ganzes Leben. Das leuchtet auch anderen ein. Wie ein Lichtblick“, schloss der Weihbischof seine Predigt.

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