v.l. Dr. med. Ludger Dohmann, Olga Naumov, Diana Berger (Foto: Thomas Momsen)

Geldern. Das St.-Clemens-Hospital Geldern setzt verstärkt auf die Prävention und Therapie bei einer der häufigsten Komplikationen im Krankenhaus

Das Delir zählt zu den häufigsten Komplikationen im Krankenhaus. Betroffen sind vor allem Menschen im höheren Lebensalter oder Risikopatienten mit Vorerkrankungen. Ausgelöst wird die akute Verwirrtheit dann durch eine große körperliche Belastung wie eine Operation, ein verschleppter Infekt oder ein Unfall. Doch auch Angst, Stress und bestimmte Medikamente können das Delir begünstigen. Patienten reagieren dann desorientiert, wirken unruhig bis aggressiv. Andere ziehen sich zurück, reagieren apathisch oder sogar depressiv.

Im St.-Clemens-Hospital werden jetzt Maßnahmen aus Medizin und Pflege gebündelt, um dieser verstörenden Begleiterkrankung wirkungsvoll zu begegnen. „Wichtig ist, bereits geringe Anzeichen zu identifizieren und umgehend geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Schließlich ist das Delir nicht einfach nur eine vorübergehende Wahrnehmungsstörung, sondern ein konkretes Gesundheitsrisiko, das zu einer deutlich erhöhten Sterblichkeit führt“, erklärt Olga Naumov, leitende Oberärztin der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation. Erste Schritte werden in Geldern deshalb bereits präventiv unternommen: durch Delirscreenings bei besonders gefährdeten Patientengruppen sowie eine angepasste präoperative Betreuung. „Die persönliche Ansprache ist ebenso wichtig wie eine weitgehend störungsfreie Umgebung während der Narkoseeinleitung“, beschreibt Dr. med. Ludger Dohmann das Vorgehen. Als positiver Nebeneffekt lasse sich so die Gabe von Beruhigungsmitteln herabsetzen, die ihrerseits eine delirauslösende Wirkung haben. „Die einzelnen Schritte klingen banal, doch es geht um die Gesamtheit der Maßnahmen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sie effektiv dazu beitragen, um Patienten zu schützen“, so der Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin.

Und was passiert, wenn sich eine akute Verwirrtheit nicht vermeiden lässt? Dann greift im Gelderner Krankenhaus ein multimodales Versorgungskonzept. Neben der medikamentösen Therapie spielen dabei kleine alltägliche Maßnahmen eine entscheidende Rolle: zum Beispiel die Wiederherstellung des Tag-Nacht-Rhythmus, die Konfrontation mit bekannten Sinneseindrücken wie Fotos, Musik oder Nahrungsmittel sowie die konsequente Nutzung von Hilfsmitteln wie Brille oder Hörgeräte. “Hierbei können uns auch Angehörige gut unterstützen“, weiß Diana Berger, stellv. Pflegerische Leitung der geriatrischen Stationen. Sie ist sich sicher: Spitzenmedizin und –pflege brauchen nicht immer nur modernste Geräte. Manchmal sind es gerade die kleinen Gesten, die dazu beitragen, dass die Patienten in Geldern in den allerbesten Händen sind.

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