Mitarbeitende der St. Augustinus Gruppe in Neuss lassen sich das digitale Patientenzimmer erklären (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Rhein-Kreis Neuss/Mönchengladbach/Kreis Viersen/Krefeld. Ein Mini-Roboter mit großen runden Augen, der selbstständig das Lieblingsbuch vorliest. Ein vollautomatisiertes Pflegebett mit integrierter Waage, das sogar die Herzfrequenz misst und sanftes Licht anschaltet, wenn man nachts mal aufstehen muss oder meldet, wenn man aus dem Bett fällt. Oder ein in verschiedenen Farben leuchtender Ball, der auf Stimmen reagiert. Das sind nur einige der technischen Werkzeuge, die die Pflege von Menschen mit Assistenzbedarf künftig unterstützen können. Diese und viele weitere Anwendungen konnten Mitarbeitende der Behindertenhilfe der St. Augustinus Gruppe in dieser Woche testen und anwenden.

Möglich macht das TruDi, der „Truck der Digitalisierung“. Gefördert vom Bund bringt er ein voll digitalisiertes Patientenzimmer zu Vorführzwecken dahin, wo Pflege und Assistenz in Zukunft durch Digitalisierung unterstützt werden sollen. „Um unseren Klientinnen und Klienten digitale Teilhabe zu ermöglichen, haben wir unsere Einrichtungen bereits technisch gut ausgerüstet“, sagt Heike Schellhaas, Geschäftsleitung der Behindertenhilfe. „Dazu gehören zum Beispiel WLAN in allen Bereichen, Laptops für die Einrichtungen, spezielle barrierefreie Rechner und Schulungen im Umgang mit Computer und Internet. Jetzt schauen wir uns mit dem Truck der Digitalisierung an, was es noch gibt, um für unsere Bewohnerinnen und Bewohnern mehr Teilhabe und Selbstbestimmung und für unsere Mitarbeitenden Entlastung bei der Assistenz ermöglichen zu können.“

Zur Auswahl stehen dabei einerseits Betreuungs-Werkzeuge, mit denen sich Menschen mit Assistenzbedarf selbstständig beschäftigen und kognitive Fähigkeiten trainieren können. Dazu gehören sensorische Spiele, Geräte mit Musik- oder Vorlesefunktion. Andererseits gehören Pflege-Werkzeuge wie die digitale Unterlage für die Matratze dazu, die anzeigt, wenn sie mit Flüssigkeit wie Urin in Berührung kommt. Es gibt Tools, die Bewegungen erkennen und verfolgen können und so unbegleitete Spaziergänge möglich machen. „Es geht für uns darum, Menschen mit Assistenzbedarf zu mehr Selbstständigkeit zu verhelfen. So kann ein leicht zu bedienendes Navigationsgerät oder ein mobiles Ortungssystem zum Beispiel in der Armbanduhr, Freiheit und Selbstbestimmung bedeuten“, sagt Heike Schellhaas.

Ziel ist es nicht, durch den Einsatz von Robotik den Faktor Mensch aus der Pflege oder der Assistenz zu kürzen. Sondern es geht darum, wieder allein entscheiden zu können, beispielsweise wann das eigene Zimmer gesaugt wird, weil der Saugroboter immer einsatzbereit ist. Für Menschen, die Assistenz leisten, bedeuten solche Anwendungen Entlastung und mehr Zeit für diejenigen, die gerade mehr als digitale Assistenz benötigen.

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