(von links) Claire Neidhardt, Stadtmarketing, Lucas Brux, Hochschule Niederrhein, Andrea Brönner, Fachbereich Umwelt und Verbraucherschutz, Stefan Hübertz, Kommunalbetrieb, Hanna Finke, Klimastab, Nicolas Beucker, Hochschule Niederrhein (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Dirk Jochmann)

Krefeld. Stadtmarketing plant rund 50 weitere Einheiten

Genüsslich beißt ein junger Mann in sein Butterbrot, lehnt sich an den grauen Hochblumenkasten und blickt über den Rathausplatz. Ein paar Meter weiter sitzen zwei junge Mütter ins Gespräch vertieft über Eck, ihre Kinder sausen mit den Inlineskates umher. Und wieder nur wenige Schritte entfernt lässt sich ein älterer Herr mit Gehstock nieder, um mit dem frischen Blumenduft in der Nase mal kurz nach Luft zu schnappen. Es ist ein ganz normaler Vormittag auf dem Krefelder Von-der-Leyen-Platz, der seit einigen Wochen durch die drei „Mobiles-Grün-Anlagen” an Qualität gewinnt. Fast immer sind die anthrazitfarbenen Holzaufbauten mit den hellen Sitzflächen und den bunten Beeten in Benutzung. Von langer Hand durch Vertreter der Stadtverwaltung und Designer der Hochschule Niederrhein geplant, sind die Prototypen pünktlich zu „Kultur findet Stadt” als Pilotprojekt ins Stadtgeschehen eingezogen.

So könnten weitere Anlagen aussehen

„Es macht großen Spaß zu sehen, dass die Anlagen von unterschiedlichen Zielgruppen so gut angenommen werden und unser Konzept aufgeht”, sagt Stadtmarketing-Leiterin Claire Neidhardt. „Jetzt liegt es an uns, die Prototypen mit unseren Erfahrungswerten noch weiter aufzuwerten, um dann weitere Anlagen im Stadtgeschehen zu platzieren.” Die Mobiles-Grün-Elemente bestehen aus einem Baukastensystem. Auf dem Rathausplatz mit Blumenbeeten und Sitzbänken sind bislang nur die Basics abgebildet. Zukünftig sollen auch Anlagen mit weiteren nutzbaren Bestandteilen, wie zum Beispiel einer Theke oder einer Ladebuchse für Mobilgeräte aufgestellt werden. Die Prototypen nutzt die Projektgruppe, um die zukünftigen Anlagen noch einmal anzupassen. „Wir werden zum Beispiel die Holzart noch einmal verändern, denn auf dem Rathausplatz ist gut zu sehen, dass bei Regen aktuell Flecken unter den Bänken entstehen”, beschreibt Neidhardt. „Die Prototypen sind auch wichtig, um den Pflegeaufwand für uns abzubilden und herauszufinden, mit welchem Einsatz wir die Elemente verschieben können.” Im Moment übernimmt der Kommunalbetrieb Krefeld (KBK) die Pflege der Beete, das Projekt ist in das Reinigungs- und Gestaltungsprogramm „Stadt. Fein” integriert.

Die Prototypen werden zurzeit ausgewertet

Auch sei im Moment wichtig, die Ausschreibung für rund 50 weitere Mobiles-Grün-Anlagen auf den Weg zu bringen, so Neidhardt. Die Vergabe soll dann noch in diesem Jahr erfolgen. Dafür hat die Projektgruppe mögliche Standorte in der Innenstadt erfasst und sich mit den ortgegebenen Kriterien befasst. „Wir möchten zum Beispiel noch eine schmale Variante entwickeln, die dort platziert werden kann, wo nicht viel Platz ist”, sagt Neidhardt. „Auf der Hochstraße gibt es beispielsweise nur wenig Fläche zwischen den Schaufenstern.” Hier könnte ein reines grünes Element, ohne Sitzmöglichkeit, aufgestellt werden. Neu ist auch die Idee, durch mobiles Grün an besonders offenen Flächen für Sonnenschutz zu sorgen. Die Projektgruppe wertet dazu im Moment noch drei Entwürfe aus, die mit einem Rankgitter arbeiten. Auch die Anlage als Schattenspender soll Teil der Ausschreibung sein.

Vielfältiges Projektteam hat daran gearbeitet

Die Stadtverwaltung profitiert dabei von der Zusammenstellung der Projektgruppe, denn diese wurde zu Beginn der Planung breit aufgestellt. Neben dem Stadtmarketing sind auch Akteure aus dem Klimastab, dem Fachbereich Umwelt und Verbraucherschutz, dem Fachbereich Stadt- und Verkehrsplanung und dem KBK dabei. Mit Nicolas Beucker, Professor an der Hochschule Niederrhein, und Design-Student Lucas Brux wird das Entwicklerteam außerdem durch Kreativpioniere verstärkt. Im Rahmen des „Kompetenzzentrums Social Urban Design” (SOUND) haben sie das Design für die mobilen Anlagen entwickelt. Dazu untersuchten sie zuerst vorhandene Elemente von Herstellern aus den Niederlanden, aus Norwegen, der Schweiz, aus Tschechien, aus Spanien und aus Deutschland. Anschließend nahmen sie die Krefelder Innenstadtarchitektur in den Blick. Über die „Krefelder Ansichten” entstanden letztendlich die „Krefelder Module”.

Die Hochschule als Kreativpionierin

„Die Module für Mobiles Grün sollen sich harmonisch in das Stadtbild einfügen. Aus diesem Grund greifen sie die prägnante horizontale Fassadengliederung typischer klassizistischer Krefelder Stadthäuser auf und verbinden die Stadtmöblierung mit der umgebenden Architektur”, erklärt Beucker. „Der modulare Aufbau der Elemente ermöglicht es, vielfältige Konfigurationen zu erstellen, mit denen die Aufenthaltsqualität in Straßen und auf Plätzen deutlich verbessert wird. Denn, je nach räumlichem Kontext, werden entweder mehr Grün oder mehr Sitzgelegenheiten oder ganz andere Aspekte zum Gebrauch in der Stadt wichtig.” Das Projekt Mobiles Grün wird durch das Landesprogramm zur Stärkung der Innenstädte und Zentren finanziert. Für neue Beleuchtungselemente, verschönerte Fassaden und die mobilen Anlagen wurden der Stadt Mittel von rund 200.000 Euro genehmigt.

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