Fruchtstände der Pfingstrose (Paeonia) in verschiedenen Stadien: Der zunächst völlig geschlossene Fruchtstand (links) bricht auf und gibt die Samen frei (Fotos: HHU / Arne Claussen)

Düsseldorf. Der Höhepunkt des Sommers: Im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) blühen die Stauden, während andere Pflanzen wie die Pfingstrosen schon Früchte angesetzt haben. Es gibt viel zu entdecken, viele Plätze laden zum Sonnenbaden oder aber zur Abkühlung im Schatten ein.

Wer sich vor dem Kuppelgewächshaus rechts wendet, stößt schon nach wenigen Metern auf ein gelbes Blütenmeer. Die aus Nordamerika stammenden Durchwachsenen Silphien (Silphium perfoliatum), und Sonnenblumen (Helianthus annuus, an ihnen wird an der HHU im Rahmen des Projekts Gain4Crops geforscht) sind nur einige der Pflanzen, die gerade in voller Blüte stehen.

Die Silphien sind seit einigen Jahren verstärkt im Fokus der Nutzpflanzenforschung. Die Pflanzen – auch Becherpflanze genannt – sind an ihren charakteristischen viereckigen Stängeln und ihren verwachsenen Blättern zu erkennen, die um den Stängel herum Becher bilden, in denen sich auch Regenwasser sammelt. Sie weisen eine hohe Biomasseproduktion auf, die getrockneten Stängel können darüber hinaus als Dämmstoff und faseriger Bauzusatzstoff dienen. Die Flavonoide in den Blüten haben interessante medizinische Eigenschaften. Darüber hinaus sind die Blüten bei Bienen und anderen Bestäubern sehr beliebt. Mehr dazu: Bericht über eine Forschungsreise nach Nordamerika.

Gerade im Bereich Nutzpflanzen und Nordamerika – im Süden des Botanischen Gartens – finden sich weitere Highlights: Gelb und lila blühen Sonnenhüte (Rudbeckia und Echinacea), die violetten Blüten der Artischocken (Cynara cardunculus) sind besonders bei Insekten beliebt. Sehr filigran sind die gefiederten Blüten des Moskitograses (Bouteloua gracilis).

Der Rundweg durch den Außenbereich des Botanischen Gartens führt weiter in die schattigen Abteilungen China, Japan und Kaukasus. Abseits des Weges finden sich die Fruchtstände der Pfingstrosen (Paeonia), die noch vor wenigen Monaten überall im Garten blühten: Zuerst noch vollständig geschlossen, platzen ihre reifen Früchte auf und zeigen rote und violette Samen. Beim Blick nach oben sind die kugeligen Blütenstände der Papier-Maulbeere (Broussonetia papyrifera) zu sehen.

Und wer den Rundgang im Kuppelgewächshaus beschließt, wird auf die ersten Früchte des Granatapfels (Punica granatum) stoßen.

Übrigens: An der HHU werden Staudengärtner ausgebildet, aktuell gibt es acht Auszubildende. Als ein Projekt haben sie in der – für das Publikum nicht zugänglichen – Lehrgärtnerei eine „Living Wall“ gestaltet, mit diversen Aronstabgewächse, die sie selbst angezogen haben.

Der Botanische Garten der HHU

Der rund acht Hektar große Botanische Garten wurde 1979 eröffnet. Er dient der Bevölkerung ganzjährig als Stätte der Bildung und Erholung, der Pflanzenforschung und der Studierendenausbildung an der HHU. Die umfangreichen, größtenteils öffentlichen Pflanzensammlungen werden als Arbeits- und Anschauungsmaterial für Forschung und Lehre vor allem in der Biologie und der Pharmazie genutzt.

Ein besonderer Schwerpunkt des Düsseldorfer Botanischen Gartens ist die sogenannte Kalthauskultur. In ihrem Zentrum steht das Wahrzeichen des Gartens, das 1.000 Quadratmeter große Kuppelgewächshaus mit einer Höhe von 18 Metern. Es beherbergt Pflanzen des Mittelmeerraums und der Kanaren, aber auch solche aus Ozeanien, Asien und Amerika.

In den Jahren 2004 und 2008 wurde die Einrichtung um zwei neue Gebäude erweitert, die Orangerie und das Südafrikahaus. Neben dem großen Sammlungs- und Forschungshaus und Versuchsflächen betreibt der Botanische Garten auch die hochmodernen Forschungsgewächshäuser auf dem Dach des Biologie-Neubaus.

Die im Botanischen Garten zu entdeckende Pflanzenwelt ist äußert vielfältig. Dort finden sich äußerst seltene Pflanzen wie die Wollemie, von denen in Ursprungsland Australien nur circa 100 ausgewachsene Exemplare wild in einem sehr kleinen, gut geschützten Gebiet vorkommen. In Düsseldorf wird damit ein Beitrag zur Erhaltung bedrohter Arten und zur Sicherung der Biodiversität geleistet.

Alljährlichen besuchen rund 100.000 Bürgerinnen und Bürger den Botanischen Garten. Er ist für die Öffentlichkeit von März bis Oktober täglich und von November bis Februar montags bis freitags geöffnet. Den Besuchenden steht ein kostenfreier Audioguide zur Verfügung, der sie auf Rundgängen zu allen Besonderheiten führt.

Mit einem vielfältigen Vortrags- und Führungsprogramm werden Pflanzeninteressierte jeden Alters an die Geheimnisse, die im Garten zu finden sind, herangeführt und die Bedeutung von Pflanzen für die menschliche Zivilisation verdeutlicht. Mit diesem Wissenstransfer ist der Botanische Garten in das Selbstverständnis der HHU als Bürgeruniversität eingebunden.

Unterstützt wird die Arbeit durch den Freundeskreis, mit dessen Hilfe bereits viele Projekte realisiert werden konnten.

Ebenso ist der Botanische Garten eine Ausbildungsstätte für Gärtnerinnen und Gärtner. Bis zu zehn Auszubildende erlernen in der Fachrichtung „Staudengärtnerei“ den Betrieb eines wissenschaftlich orientierten Gartens.

Weitere Informationen: https://www.botanischergarten.hhu.de/

Beitrag drucken
Anzeigen