Auf reges Interesse stieß die Informationsveranstaltung des Ruhrverbands zum Thema „Hochwasser“ bei den Anwohnerinnen und Anwohnern aus Essen-Werden, von denen einige im Sommer 2021 selbst betroffen waren (Foto: Ruhrverband)
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Essen. Wasserwirtschaftsverband informiert über Hochwasserereignis und Schutzmöglichkeiten

Rund ein Dutzend Anliegerinnen und Anlieger der „Laupendahler Landstraße“ und angrenzender Straßen in Essen-Werden nahmen am Donnerstag, dem 8. September 2022 die Einladung des Ruhrverbands wahr, um die Geschehnisse rund um das Hochwasser aus dem vergangenen Jahr gemeinsam aufzuarbeiten und sich über etwaige Schutzmaßnahmen im Hinblick auf weitere Hochwasser-Ereignisse zu informieren.

Seitens des Ruhrverbands informierten Peter Klein (Geschäftsbereichsleiter Technischer Betrieb), Katja Last (Abteilungsleiterin Wasserwirtschaft) Georg zur Strassen (stellv. Leiter Wasserwirtschaft), Anne Becker (Gruppenleiterin Talsperrensteuerung), Matthäus Schallenberg (Betriebsstellenleiter Stauseen) und Markus Rüdel (Leiter Unternehmenskommunikation) unter anderem über die Einflussmöglichkeiten von Talsperren bei Hochwasserereignissen, die Aufgaben des Baldeneysees, die Steuerung des Wehres Baldeney während des Hochwasserereignisses im Juli 2021, die geplanten Veränderungen des Umweltministeriums NRW beim Hochwasserwarndienst und über die Informationsoptionen bei Hochwasserereignissen durch den Ruhrverband und weiterer wasserwirtschaftlicher Akteure. Zu jedem Themenschwerpunkt entwickelte sich aufgrund der zahlreichen Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine lebhafte Diskussion.

So wurde deutlich, dass die Talsperren des Ruhrverbands Multifunktionsanlagen sind und als Hauptaufgabe einerseits die Sicherstellung der überregionalen Wasserversorgung durch Einhaltung von gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabflüssen in der Ruhr haben und andererseits den Hochwasserschutz durch Rückhalt der Wassermassen gewährleisten sollen. Diese Aufgaben stehen jedoch in direkter Konkurrenz in Bezug auf den Füllstand und sind daher nur schwer miteinander vereinbar.

Ferner erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer, dass sich weniger als ein Viertel des Einzugsgebietes der Ruhr (23 Prozent) im direkten Einzugsbereich der Talsperren befinden und das Wasser somit in mehr als drei Viertel des Einzugsgebietes abfließt, ohne jemals in Talsperren zu gelangen.

Auf die Frage, wie der Ruhrverband auf das Juli-Hochwasser des vergangenen Jahres reagiert hat, erläuterten Peter Klein und Georg zur Strassen, dass der Ruhrverband rechtzeitig auf die Warnungen vor Starkniederschlag reagiert und zusätzlichen Stauraum geschaffen hat. Zu Beginn des Starkregenereignisses standen so insgesamt 23 Millionen Kubikmeter freier Stauraum zur Verfügung. Dadurch konnten die Talsperren zu einer wesentlichen Dämpfung des Hochwassers beigetragen, indem sie 261 Kubikmeter pro Sekunde in der Spitze zurückhielten und so die Abflussspitze an der Ruhr von 1.491 auf 1.230 Kubikmeter pro Sekunde reduzierten. Anne Becker ergänzte, dass in der Vergangenheit bereits größere Hochwasser im Ruhreinzugsgebiet auftraten und aufgrund des Klimawandels zukünftig mit häufigeren Extremwetterereignissen zu rechnen sei.

Matthäus Schallenberg wies in seiner Funktion als Betriebsstellenleiter Stauseen darauf hin, dass sich sowohl Zweck als auch Funktionsweise von Talsperren und Stauseen deutlich unterscheiden. Im Gegensatz zu den Talsperren, die aufgrund der Funktion als Wasserspeicher wechselnde Wasserstände haben können, muss der Wasserstand im Baldeneysee, der als Flusskläranlage angelegt wurde, konstant gehalten werden. Jeder Tropfen, der in den Baldeneysee hineinfließt, wird über das Laufwasserkraftwerk oder bei Hochwasser über die Wehrwalzen wieder in die Ruhr abgeführt. Das Stauziel des Baldeneysees von 51,77 Metern über Normalhöhennull wird unbeeinflusst vom Abfluss der Ruhr beibehalten. Der Baldeneysee ist mit einer mittleren Tiefe von ca. drei Metern relativ flach und hält – anders als die Talsperren – keine Speichervolumen oder Retentionsräume vor.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden die Hochwassermeldeketten skizziert, in denen der Ruhrverband keine aktive Rolle innehat, es wurde auf das Informationsangebot des Ruhrverbands (Homepage und Webseite der Talsperrenleitzentrale) sowie Dritter (Hochwassergefahrenkarten, Hochwassermeldedienste, Pegel-Apps etc.) eingegangen und Hochwasserschutzstrategien und -maßnahmen vorgestellt. In der anschließenden Diskussion brachten die Betroffenen ihre Hoffnung auf eine bessere Vernetzung der handelnden Akteure zum Ausdruck und bedankten sich für die zahlreichen Hintergründe der wasserwirtschaftlichen Abläufe, „die uns so nicht bekannt waren.“

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