v.l. Oliver Mojecki (zoologischer Leiter Zoo Duisburg), Mahmut Özdemir (SPD, Mitglied des Deutschen Bundestages), Sören Link (Oberbürgermeister Stadt Duisburg), Dietmar Bluhm (Mitglied Aufsichtsrat Zoo Duisburg) (Foto: Zoo Duisburg / I. Sickmann)
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Duisburg. Futtermittellager, zooeigene Werkstätten und Sozialräume für die Mitarbeitenden sind in dem Ersatzneubau integriert. Das Projekt wurde maßgeblich aus finanziellen Mitteln des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes (KIDU) realisiert. Die reine Bauzeit betrug 18 Monate.

Täglich werden im Zoo Duisburg über 6.000 hungrige Mäuler versorgt. Um Brillenbären, Gorillas und Delfine satt zu bekommen, lagern in den Kühlräumen am Kaiserberg bergeweise frisches Obst, knackiges Gemüse und tiefgekühlter Fisch. Um für die Zukunft gut gerüstet zu sein, entstand auf dem Zoogelände ein moderner Wirtschaftshof.

18 Monate wurde auf dem Wirtschaftsgelände des Zoos gebaggert, gemauert und gehämmert. Entstanden sind zwei moderne Multifunktionsgebäude mit zahlreichen Futterlagern, verschiedenen Werkstätten und Sozialräumen für die Belegschaft des Zoos. Waren die zwischen 1948 und 1950 errichteten und energetisch nicht sanierungsfähigen Altbauten noch über das gesamte Wirtschaftsgelände verteilt und dezentral angeordnet, entstand mit dem Ersatzneubau ein konzeptionell neu durchdachter, zentraler Gebäudekomplex mit allen Vorteilen: Wege und Arbeitszeiten für verschiedene essenzielle Prozesse des Zoos werden mit ihm nachhaltig optimiert und bringen den Mitarbeitenden Vorteile. Zwar ist die Investition in den Wirtschaftshof ist für die Zoobesucher nicht sichtbar, sie ist aber dennoch von enormer Bedeutung für eine zukunftsfähige Aufstellung des Zoos, wie Oberbürgermeister Sören Link betont: „Der Zoo ist Publikumsmagnet und Aushängeschild für unsere Stadt zugleich. Um die Faszination des Zoobesuchs auch in den kommenden Jahren zu sichern, müssen wir auch hinter den Kulissen zeitgemäß aufgestellt sein. Der neue Wirtschaftshof, kommt als moderne Schaltzentrale mit seiner optimalen Futterversorgung direkt den Tieren zugute“.

Hinter großen, extra breiten Schiebetüren lagern im Inneren bei Temperaturen von 2 – 6 °C Paletten voller Salat, säckeweise Möhren und kistenweise Obst. Kleine Hubwagen, die sogenannten ‚Ameisen‘, erleichtern die Arbeit im Wirtschaftshof. Mit ihnen wird das auf Paletten gestapelte Futter von der zentralen Anlieferung in neun getrennte Kühlräume befördert. Den gleichen Weg nehmen große Blöcke mit gefrorenem Fisch. Sie werden in einen Tiefkühlraum bei minus 18 – 20 °C gelagert und sind Nahrung für Delfine, Brillenpinguine, Seelöwen, Pelikane und Co.. In Abhängigkeit des täglichen Fischbedarfs werden einzelne Blöcke mit gefrorenem Fisch über Nacht in großen Becken aus Edelstahl schonend aufgetaut. Portionsweise aufgetaut werden auch verschiedene Sorten Laub. Im Sommer frisch geerntet, wird das Blattfutter kistenweise schockgefrostet und in einem extra Laubtiefkühlraum eingelagert. In den Wintermonaten dient insbesondere den auf Blattfutter spezialisierten Bärenstummelaffen als Nahrung.

Auf besondere Weise wird das Fleisch für die Raubtiere des Zoos in das Gebäude befördert: Ein ausgeklügeltes System aus Rohrbahnen unter der Decke ermöglicht es, die großen Fleischstücke direkt vom Kühltransporter abzuladen. Über Weichen wird der Weg bestimmt: Portionierraum, Kühlraum oder Tiefkühler können angesteuert werden. Neben den verschiedenen Kühl- und Tiefkühlräumen gibt es im neuen Wirtschaftshof außerdem ein Lager für verschiedenes Körnerfutter sowie diverse Pellets und eine moderne Industrieküche zum Kochen von Gemüse, Reis und Kartoffeln.

Die zwei zentralen Gebäude auf dem Wirtschaftshof beherbergen nicht nur Lagerflächen für Tierfutter, sondern auch die Werkstätten der zooeigenen Gärtner und Handwerker (Schreinerei, Schlosserei, Elektrowerkstatt), sowie die Umkleiden und Duschen für die Belegschaft. „Wenn man so will, ist der Wirtschaftshof das Herz des Zoobetriebs. Bei dem Ersatzneubau ist es das Ziel gewesen, unseren Mitarbeitenden ein Arbeitsumfeld zu schaffen, dass ihnen die Möglichkeit gibt, die Prozesse im Hintergrund zu optimieren und zeitgemäß zu arbeiten. Das ist uns gelungen“, sagt Oliver Mojecki, zoologische Leiter des Zoo Duisburg.

Vier Mitarbeitende sorgen dafür, dass die Futterlager des Zoos immer gefüllt sind. Sie bestellen feines Moos für die Rentiere, frischen Fisch für die Seelöwen und bauen Mais, Gras sowie Luzerne auf gepachteten Feldern selbst an. Es geht zu, wie in einem Großmarkt. Nur haben die Kunden meist vier Beine und können teils ziemlich große Futtermengen verdrücken. Die Arbeit im Futterbereich beginnt bereits um sechs Uhr morgens. Dann werden vorbereitete Kisten voller Obst und Gemüse, säckeweise Pellets und Spezialfutter mit dem Radlader in die einzelnen Arbeitsbereiche der Tierpflege, den sogenannten Revieren, befördert. Kommen die Tierpfleger zum Dienst, steht das am Tag zuvor im Zentrallager bestellte Futter schon bereit, das Frühstück für die Tiere kann direkt zubereitet werden.

Oliver Mojecki ist dankbar, dass der Zoo die energetische Sanierung dank der KIDU-Förderung umsetzen konnte und betont die Bedeutung für den Zoo Duisburg: „Mit dem zentralen Futterlager und den modernen Werkstätten stellen wir uns zukunftsfähig auf. Dies ist ein weiterer Schritt für die kontinuierliche Entwicklung unseres Zoos“.

Fakten:

Gesamtkosten: 5,5 Mio. Euro
Fördermittel: 5,2 Mio. Euro
Eigenanteil Zoo Duisburg: 0,3 Mio. Euro
Architekten: Architekturbüro Kersting und Gallhoff (Duisburg)
Beginn Planung: 4. Quartal 2018
Beginn Bauarbeiten: 4. Quartal 2019

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