(Foto: privat)
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Kreis Kleve/Kleve. Den Auftakt zu den Aktionstagen “Sucht im Alter” im Kreis Kleve bildete ein „Markt der Möglichkeiten“ im Klever Kolpinghaus. Stände der Fachstelle Suchtvorbeugung im Kreis Kleve, des Caritasverbands Kleve, der Diakonie im Kirchenkreis Kleve, des AWO-Kreisverbands, der Präventionsarbeit der Polizei und des Regionalbüros Alter Pflege und Demenz hatten einen Informationsrundlauf zusammengestellt. Unter anderem konnten Besucherinnen und Besucher sowie Fachpublikum testen, wie sich „Alter“ überhaupt anfühlt. Hand- und Fuß-Gewichte, eine sichteinschränkende Maske und versteifende Handschuhe gaben ein Gefühl dafür, wie die Motorik und Beweglichkeit nachlässt.

„Sucht, da denken wir häufig nur an den Junkie, der sich eine Spritze setzt“, begann der Klever Apotheker Dr. Heiko Buff seinen Vortrag. Sucht betreffe jedoch leider auch Medikamente, die doch eigentlich `Heilung´ bewirken sollten. Ältere Menschen brauchen statistisch gesehen häufiger Medikamente, somit ist Medikamentensucht insbesondere im Alter ein Thema.

In der Mehrheit böten Medikamente zwar kein Suchtpotential, wie etwa Blutdrucksenker. „Aber der Stoffwechsel von Menschen ändert sich im Alter“, so der Apotheker. Er berichtete, dass sich dadurch die Wirkung von Medikamenten bis zu dem Zehnfachen erhöhen könne. „Da Stoffe durch eine verminderte Leber- und Nierenfunktion nicht so schnell aus dem Körper abtransportiert werden, wirken sie länger im Körper, als dies bei jüngeren Menschen der Fall ist.“ In Beipackzetteln stehen jedoch in der Regel nur Dosierungen für Kinder und Erwachsene. Wer mehr als 5 Medikamente gleichzeitig nehmen muss, der könne einmal im Jahr in Apotheken kostenlos beraten werden. Viele Apothekerinnen und Apotheker seien extra dafür geschult.

Buff warnte davor, Medikamente selbständig, ohne Rücksprache mit dem Arzt abzusetzen: „Es können unerwünschte Entzugserscheinungen auftreten.“ Vorsicht sei geboten, wenn starke Medikamente über einen längeren Zeitraum genommen werden müssten. Eine Gewöhnung tritt bereits nach wenigen Wochen ein. Menschen fühlen sich auf einmal nur dann sicher, wenn sie die Medikamente genommen haben. Eine Nebenwirkung, insbesondere von muskel-entspannenden, schlaffördernden Medikamenten könne sein, dass Menschen eher fallen. „Im Alter kommt erschwerend hinzu, dass durch weniger Bewegung der Anteil der Muskelmasse gegenüber der Fettmasse weniger wird“, so Buff. Auch Schwindel und Unkonzentriertheiten gehören zu den Nebenwirkungen, die Medikamente haben können.

Viele im Publikum nahmen die Gelegenheit wahr, dem Apotheker weitere Fragen zu stellen. Lea Würziger von der Ginko-Stiftung informierte zur Gemeinschaftsinitiative „Sucht hat immer eine Geschichte“ und die Fachstelle Suchtvorbeugung dankte nochmal allen Kooperationspartnern: „Danke für die Unterstützung in der Projektwoche. Das Thema Sucht im Alter müssen wir gemeinsam angehen“, meinte Jennifer Dellnitz vom Caritasverband Kleve.

Petra van Bergen (Diakonie im Kirchenkreis Kleve) sprach den präventiven Ansatz an: „Ärzte und Apotheker sind sensibilisiert. Die Prävention hat nun die Aufgabe, Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und auch die Gesellschaft bei dem Thema mitzunehmen. Dazu gehört auch der Blick auf die positiven Seiten des Alterns.“

Mehr zu den Veranstaltungen der Aktionswoche „Sucht im Alter“ auf www.caritas-kleve.de und www.diakonie-kkkleve.de.

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