Diana Finkele, Fania Burger, Ulrich Hecker und Dr. Anke Münster (v.l.) hoffen, dass die Wanderausstellung #StolenMemory weiter zur Aufklärung über die NS-Zeit beiträgt. Sie ist bis 17. September auf dem Schlossplatz zu sehen (Foto: pst)
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Moers. Gemeinsam mit lokalen Partnern zeigen die Arolsen Archives ab Samstag, 26. August, auf dem Schlossplatz die Open-Air-Wanderausstellung #StolenMemory. Sie ist bis Sonntag, 17. September, dort zu sehen. Im Mittelpunkt stehen persönliche Gegenstände von KZ-Insassinnen und -Insassen: Uhren, Eheringe, Fotos und Dokumente. Das weltweite größte Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus mit Sitz im hessischen Bad Arolsen bewahrt einige tausend dieser von den Nationalsozialisten KZ-Insassen abgenommener Erinnerungsstücke. Mitarbeitende und ehrenamtlich Tätige suchen nach den Familien der Verfolgten, um die Gegenstände zurückzugeben. „Oft handelt es sich dabei um Uhren oder Schmuck. Aber auch kleine Wecker, Schminkutensilien oder Brieftaschen befinden sich darunter“, berichtet Dr. Anke Münster, Leiterin der PR-Abteilung der Arolsen Archives. Die Ausstellung, die in einem Metallcontainer eingebaut ist, erzählt von den Schicksalen der KZ-Opfer und der Suche nach ihren Familien.

NS-Zeit ist nicht komplett aufgearbeitet
Viele der sogenannten Effekten warten darauf, an die Familien zurückgegeben zu werden. „Viele Menschen denken, dass die NS-Zeit so lange her und bereits aufgearbeitet ist. Die Ausstellung zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Dies müssen wir gerade jungen Menschen vermitteln“, erläutert Diana Finkele, Leiterin des Grafschafter Museums. Dieser Meinung ist auch Ulrich Hecker. Vorsitzender von ‚Erinnern für die Zukunft Moers‘: „Gerade der biografische Bezug ist für die Vermittlung wichtig“. Der Verein und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers sind in Moers Partner der Ausstellung. „Sie ist ein tolles Bindeglied zu der Ausstellung im Alten Landratsamt“, ist sich Diana Finkele sicher. Um auch Schulklassen die Möglichkeit zu geben, beide Ausstellungen zu sehen, sind die Öffnungszeiten des Hauses der Demokratiegeschichte im Alten Landratsamts an die Ausstellung im Container angepasst worden.

Schicksal erst nach 70 Jahren geklärt
Dass die Vergangenheit und die Schicksale der Opfer noch nicht aufgeklärt sind, zeigen auch die Erfahrungen der Arolsen Archives. „Bisher gab es drei Millionen anfragen, in letzter Zeit sind sie um 25 Prozent gestiegen. Das zeigt, wie viel noch nicht geklärt ist“, so Dr. Münster. Persönlich berührt hat sie besonders die Übergabe der Effekten in zwei Fällen. Ein Abschiedsbrief des niederländischen Widerstandskämpfers und KZ-Häftlings Peter Will, der kurz vor der Befreiung bei einem Zugtransport starb, konnten seinem Sohn Joop 70 Jahre später überreicht werden. Dabei waren Fotos von den Kindern. Auch eine algerische Familie konnte den Besitz des Vaters und Großvaters nach Jahrzehnten in Empfang nehmen. Er war damals zum Arbeiten nach Frankreich gegangen. Die Familie dachte, dass er sie einfach verlassen hat. In Wirklichkeit haben die Nationalsozialisten ihn in einem KZ ermordet.

Eröffnung am 26. August:
Die Ausstellung wurde am Samstag, 26. August, um 18.30 Uhr auf dem Schlossplatz vor dem Pulverhaus eröffnet. Diana Finkele (Leiterin Grafschafter Museum) und Ulrich Hecker (Vorsitzender Erinnern für die Zukunft Moers e. V.) hielten Grußworte. Dr. Anke Münster (Arolsen Archives) führte in die Ausstellung ein. Um 20 Uhr gab es ein Konzert mit der Folk-Band La Kejoca im Schlosshof. Sie spielte unter anderem das Lied „Die Moorsoldaten“, das in diesem Jahr 90 Jahre alt wird. Gefördert wird die Veranstaltung durch das Bundesprogramm ‚Demokratie Leben‘ über die Fachstelle für Demokratie.


Die Ausstellung #StolenMemory und das Alte Landratsamt (Kastell 5) sind dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Schulklassen können sich zum Besuch mit kleiner Einführung unter der Telefonnummer 0 28 41 / 201-68200 anmelden.
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