Freuten sich über die feierliche Eröffnung der Reagenzien-Produktion im tansanischen Kibaha (v.l.n.r.): Sid Peruvemba (Vorstand action medeor), Gerald Masuki (Landesdirektor action medeor Tansania), Christoph Bonsmann (Vorstand action medeor), Ulrich Viefers (Präsidium action medeor) und Thomas Terstegen (deutscher Botschafter in Tansania) (Foto: action medeor)
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Tönisvorst. Tansania ist der Standort für die erste Produktionsstätte von Hämatologie-Reagenzien in Ostafrika. In Kibaha, einem Vorort von Dar es Salaam, wurde die Anlage in diesen Tagen feierlich eröffnet. Die lokale Produktion von Reagenzien zur Blutanalyse soll die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit des tansanischen Gesundheitssystems stärken, so lautet die Zielsetzung von action medeor International Healthcare Tansania, dem Betreiber der Anlage. Der tansanische Zweig des deutschen Medikamentenhilfswerks action medeor bekam dabei auch Unterstützung aus Deutschland: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) förderten die Errichtung der Anlage ebenso wie verschiedene private Spender.

„Reagenzien sind chemische Substanzen, die zum Betrieb von Blutanalysegeräten in jedem Labor benötigt werden“, erläutert Christoph Bonsmann, Vorstand von action medeor. Mit Hilfe solcher Analysen können Ärzte verschiedene Krankheiten sicher diagnostizieren, wie etwa Virusinfektionen, chronische Entzündungen oder Blutarmut. „Erst die verlässliche Diagnose sichert eine erfolgreiche Behandlung dieser Krankheiten. Daher ist die Verfügbarkeit von Reagenzien ein wichtiger Aspekt in der Gesundheitsversorgung“, schildert Bonsmann.

Bislang werden Hämatologie-Reagenzien in Tansania nicht hergestellt, sondern regelmäßig aus Asien importiert – mit hohen Kosten, langen Transportwegen und einer permanenten Abhängigkeit von internationalen Lieferketten. Die erste lokale Produktionsstätte in Ostafrika soll dem nun einen Gegengewicht entgegensetzen. „Wir möchten Reagenzien für die Blutanalyse aus lokaler Produktion verfügbar machen, und zwar deutlich günstiger, sicherer verfügbar und auf höchstem Qualitätsniveau“, bringt es Christoph Bonsmann auf den Punkt. Die Produktionskosten der Reagenzien werden in Kibaha nach ersten Schätzungen nur halb so hoch sein wie die Kosten der importierten Produkte.

Der hohen gesundheitspolitischen Bedeutung des Projekts entsprechend waren auch der deutsche Botschafter Thomas Terstegen und die stellvertretenden Gesundheitsminister Sansibars und Tansanias der Einladung zur feierlichen Einweihung der Produktionsanlage gefolgt. Sie machten sich zusammen mit vielen anderen Gästen ein eigenes Bild von der Produktionsstätte, die internationale Qualitätsstandards erfüllt und demnächst Reagenzien in Serie produzieren wird.

Gefördert wird das Projekt durch das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen des develoPPP.de/Covid 19 Response Programms, das durch die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) umgesetzt wird. Weitere Spenden kamen vom Logistikunternehmen Jungheinrich, vom Jahrmarkt Wissen und privaten Spendern. „Durch diese Unterstützung wird es möglich sein, dass wir die Reagenzien bis März 2025 sogar kostenfrei abgeben können“, freut sich Bonsmann. Insgesamt sollen bis zu 86 ausgewählte Krankenhäuser in Tansania davon profitieren, die bis zu eine Million Patientinnen und Patienten versorgen.

Zum Zeitpunkt der Eröffnung der Anlage sind die ersten Reagenzien in Kibaha bereits produziert worden – zunächst in kleinen Mengen, aber die Serienproduktion soll nun in den nächsten Wochen starten. Vorausgegangen waren zwei Jahre, in denen das Projekt geplant und schrittweise umgesetzt wurde.

Ergänzend dazu betreibt action medeor auf dem gleichen Gelände in Kibaha noch ein Trainingszentrum für Medizintechnik. Mehr als 20 Arbeitsplätze sind dadurch in Kibaha entstanden, weitere 20 sollen in den nächsten drei Jahren entstehen. „In unseren medizintechnischen Trainings zeigen wir den Teilnehmern, wie man Reagenzien richtig lagert und einsetzt und wie man medizintechnische Geräte wartet und repariert“, erläutert Christoph Bonsmann. Dadurch wolle man helfen, die Ausfallzeiten von Diagnosegeräten in den Krankenhäusern zu verringern. „Wir wollen einen nachhaltigen Beitrag leisten bei der Gesundheitsversorgung der tansanischen Bevölkerung“, formuliert Christoph Bonsmann das Ziel.

Das nun eröffnete Zentrum in Kibaha mit Reagenzienproduktion und Trainingszentrum ist ein maßgeblicher Schritt dazu. Für action medeor bedeutet es auch eine Erweiterung des Portfolios als pharmazeutischer Großhändler. Als solcher versorgt action medeor bereits viele Krankenhäuser in Tansania mit Medikamenten. Im Bereich Medizintechnik werden seit einiger Zeit zusätzlich Geräte, Service und Wartung angeboten. Durch die Erweiterung des Angebots um Hämatologie-Reagenzien und Trainings bietet action medeor nun ein besonderes Rundum-Paket für die Bedürfnisse lokaler Gesundheitsstationen. Gleichzeitig wird dadurch die Mission von action medeor gestärkt. Sie lautet: „Kein Mensch soll an behandelbaren Krankheiten sterben.“

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