Michelle Storms mit den Kita-Kindern im Seniorenhaus Korschenbroich (Foto: Seniorenhaus Korschenbroich / S. Niemöhlmann)
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Korschenbroich. Durch die Abschlussarbeit von Michelle Storms als Erzieherin ist eine Kooperation zwischen dem Seniorenhaus Korschenbroich und der Inklusiven Kita „Zauberwald“ der Lebenshilfe Rhein-Kreis Neuss gGmbH entstanden, die allen Beteiligten viel Freude macht.

Der Zuckerguss will die Lebkuchen-Teile nicht so recht halten, und die Deko-Gummibären verschwinden immer wieder in den kleinen Mündern – aber die jungen und älteren Baumeister haben bei der gemeinsamen Mission „Hexenhaus“ ihren Spaß und verbringen Zeit miteinander. Zeit, auf die sich beide Seiten schon Tage vorher freuen: die Bewohner des Seniorenhauses Korschenbroich ebenso wie die Mädchen und Jungen der „Raupengruppe“ aus der Inklusiven Kita „Zauberwald“. „Unsere Bewohner fragen schon die ganze Woche, wann die Kinder wieder kommen“, sagt Alexandra Stiller, Leiterin des Sozialen Dienstes im Seniorenhaus. „Einige Kinder haben heute beim Frühstück vor lauter Aufregung kaum etwas heruntergebracht, weil sie sich so auf die ‚Omis und Opis‘ freuen“, erzählt Michelle Storms. Sie hat die beiden Generationen zusammengebracht. Die 23-jährige Erzieherin in Ausbildung entwickelte das Kooperations-Projekt zwischen den beiden Korschenbroicher Einrichtungen für ihre Abschlussarbeit. Nach einer erfolgreichen Anfangsphase soll die regelmäßige Begegnung nun dauerhaft etabliert werden.

Es ist der sechste Besuch der neun Knirpse im Alter zwischen einem und vier Jahren im Seniorenhaus des Rheinland Klinikums an der Regentenstraße. Inzwischen ist der Weg in den großen Aufenthaltsraum Routine. Jung und Alt kennen sich teilweise schon mit Namen. Gemeinsam haben sie bereits Weckmänner gebacken und Lieder gesungen, Gläser mit Herbstlaub verziert und füreinander kleine Stofftaschen bemalt. Heute sind also Hexenhäuschen dran, eins für die Kita, eins für das Seniorenhaus. „Das habe ich mit meinen Kindern früher auch gemacht“, erzählt Bewohnerin Maria Sibilla Deuß, während sie das vorbereitete Set auspackt, „aber wir haben auch noch den Lebkuchen selbstgebacken und auch Printen.“ Otto Behnke freut sich einfach, die quirligen Kleinen in Aktion zu sehen. Und die Kinder finden prima, dass auch ein „Opi“ in der Runde sitzt. „Ich bin einfach gerne mit Kindern zusammen, mein Enkelkind habe ich auch großgezogen, aber das ist längst erwachsen“, sagt Ilse-Dore Swemke, die schon mehrfach an den Treffen teilgenommen hat.

„Die Senioren sind mit der Zeit interessierter und aufgeschlossener geworden“, hat Michelle Storms beobachtet, „wenn wir mit den Kindern hereinkommen, haben einige der Damen und Herren direkt ein Strahlen in den Augen.“ Die Bewohner blühten regelrecht auf, erzählten aus ihrem eigenen Leben und tauschten sich untereinander und mit den Kindern aus, bestätigt Alexandra Stiller. „Kinder und Senioren – das ist eine gute Mischung“, findet die Sozialarbeiterin. Darum stimmten sie und Einrichtungsleiterin Iris Baldus auch sofort zu, als die Anfrage von der Kita Zauberwald kam. Zumal das Seniorenhaus bereits sehr gute Erfahrungen mit ähnlichen Kooperationen gemacht hat. „Aus dem Städtischen Familienzentrum Am Sportplatz besuchen uns etwas ältere Kinder, dann wird gemeinsam gespielt, auch mal gesungen. Und zu St. Martin haben die Mädchen und Jungen ihre Laternen mitgebracht“, berichtet Alexandra Stiller. Der Unterschied: Für die zweiwöchentlichen Treffen mit den Kindern aus der Kita „Zauberwald“ bereitet Michelle Storms immer besondere Aktionen vor, wie eben die Lebkuchenhäuser.

Dass die Kooperation auch nach ihrem Examen im Sommer 2020 fortgesetzt werden soll, dann unter Leitung von Erzieherin Lina Kaiser, ist bereits beschlossene Sache. „Geplant ist, dass irgendwann jedes Kind aus der Kita ein paar Mal an den Begegnungen hier im Seniorenhaus teilnimmt“, erklärt Michelle Storms. Darauf freuen sich die anderen Kinder schon sehr, denn Marlon (4) berichtet seinen Freunden jedesmal haarklein von seinen Erlebnissen im Seniorenhaus. Und der einjährige Karl „erzählt“ begeistert zu Hause vom „Opi“, den er besucht hat. „Natürlich fragen auch die Eltern sehr interessiert nach“, sagt Storms, die darum aktuell in der Kita „Zauberwald“ eine kleine Fotodokumentation zu ihrem Projekt präsentiert.

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