Frau Schuh wird von ihren Kindern besucht. Die Umgebung ist ungewohnt, die Freude trotzdem groß (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Neuss. Seit Mitte März gab es ein striktes Besuchsverbot in Einrichtungen für Senioren und für Menschen mit Behinderungen. Jetzt sind Kontakte und Besuche unter strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen wieder gestattet. Viele Angehörige konnten das Wiedersehen kaum erwarten – genau wie die Bewohner. Im Neusser Johannes von Gott Haus beispielsweise starteten die Besuche am symbolträchtigen Muttertag. Zwar trennten dünne Plexiglasscheiben Besucher von Besuchten, doch die Wiedersehensfreude trübte das kaum. Nicht selten flossen Freudentränen.

Die Vorsichtsmaßnahmen sind umfangreich, bevor die Angehörigen das Besuchszelt oder den Besuchspavillon in der Senioreneinrichtung Johannes von Gott Haus betreten können: Telefonische Terminabsprachen, Hygieneeinweisung, Fragebogen ausfüllen, Mundschutz tragen und Hände gründlich desinfizieren gehören zu den Vorbereitungen. Dann werden die Bewohner der zur St. Augustinus Gruppe gehörenden Senioreneinrichtung von der einen Seite zum Besuchsfenster geführt, und die Gäste kommen von der anderen. 30 Minuten sind gestattet, damit möglichst viele Bewohner besucht werden können. Denn der Andrang ist groß: Seit dem Muttertag sind nahezu alle Besuchszeiten ausgebucht.

Maximal zwei Personen können auf den frisch desinfizierten Besucherstühlen Platz nehmen. Sohn und Tochter von Frau Schuh haben Blumen mitgebraucht. Die Mutter weint gerührt und glücklich über das Wiedersehen, selbst wenn Berührungen nicht möglich sind. Fritz Theissen hatte seine Ehefrau Helena sieben Wochen lang nur telefonisch gesprochen. Jetzt endlich das freudige Wiedersehen, das beiden Eheleuten sichtbar gut tut. Obwohl Fritz Theissen das Getrenntsein schwer fällt, findet  er die Corona-Maßnahmen richtig.

Für Einrichtungsleiterin Elke Bunjes läuft die Besucherregelung sehr gut: Alle Besucher haben sich an die Regeln und Vorgaben gehalten, der befürchtete unkoordinierte Ansturm von Kindern und Enkeln ist ausgeblieben. „Die Gäste waren ausgesprochen diszipliniert, viele waren sehr gerührt“, zieht Elke Bunjes ein erstes Fazit. Sie und ihre Mitarbeitenden sind froh, dass Besuche auf diese Weise nun wieder ermöglicht werden konnten – auch wenn die Umsetzung nach dem kurzfristigen Erlass der Landesregierung eine große Herausforderung war. „Das bedeutete, dass wir sehr viel Zeit auf Planung und Logistik verwenden mussten. Für die Bewohner tun wir das sehr gerne, aber ein bisschen mehr zeitlichen Vorlauf hätten wir gerne gehabt.”

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