Lidija Vlainic ist Beschäftigte der Albert-Schweitzer-Einrichtungen und Werkstattrat-Vorsitzende. Schrittweise können sie zurück an ihren Arbeitsplatz (Foto: Jana Perdighe)
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Dinslaken. Nach sieben Wochen kann ein Teil der Menschen mit Behinderung zurück in die Werkstatt

Von dem Betretungsverbot, das Corona bedingt seit Mitte März viele Menschen betrifft, sind auch die Albert-Schweitzer-Einrichtungen (ASE) nicht verschont geblieben. Für die Mitarbeiter und Beschäftigten der Werkstätten war das eine enorme Umstellung.

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Die ASE Dinslaken beschäftigt an den fünf Standorten im Stadtgebiet über 600 Menschen mit Behinderung. Je nach Fähigkeit und Einsatzbereitschaft arbeiten sie in verschieden Abteilungen. In nicht Corona-Zeiten werden in der Großküche über 800 Essen gekocht und die ASE-Wäscherei wäscht, mangelt und faltet täglich mehr als 3 Tonnen Wäsche. Sicher, seit der Schließung der Werkstätten müssen weniger Essen gekocht werden. Auch die geschlossenen Gastronomie-Betriebe, die ihre Wäsche seit vielen Jahren in der ASE-Wäscherei reinigen lassen, fallen weg. Aber saubere Wäsche für die Senioren- und die Wohnheime beispielsweise, wird auch und gerade in solchen Zeiten gebraucht.

Tausche Arbeitsgruppe gegen Wohngruppe

So mussten die Mitarbeiter der Werkstatt in der Wäscherei an die Mangel und in die Falt-Ecke, um die fehlenden Hände der Beschäftigten zu ersetzen. In kleinen Notgruppen wurden Menschen beschäftigt, wo es zu Hause nicht geleistet werden könnte. Die Betreuung während der Arbeitszeit musste nun in den Wohnheimen gewährleistet werden. “Tausche Arbeitsgruppe gegen Wohngruppe“ war das Motto. Ideen mussten her, wie die Menschen weiterhin beraten und informiert werden konnten. So wurden die Teilnehmer des Berufsbildungsbereiches mittels Online-Klassenraum unterrichtet und bekamen per Post Lernpakete nach Hause.

Die Beschäftigten der Werkstatt wurden in den letzten Wochen mit Briefen und vielen Telefonaten zu den neuen Gesetzen und Verhaltensregeln regelmäßig informiert. Den Briefen waren auch immer kleine Botschaften enthalten. „Mit Tipps gegen Langeweile, einer Anleitung zur Duftseifenherstellung, Fotogrüßen der Mitarbeiter oder Bewegungseinheiten an der frischen Luft haben wir unseren Beschäftigten Mut zum Durchhalten gegeben. Jetzt können wir schrittweise den Betrieb wieder aufnehmen“, erklärt Julia Keusen vom Sozialen Dienst der ASE.

Der Alltag kehrt langsam zurück

Seit wenigen Tagen dürfen die Beschäftigten wieder in die Werkstatt kommen. Im Vorfeld wurde mächtig umgeräumt, abgeklebt und viele Regeln aufgestellt. Der Werkstatt-Rat der ASE machte im Vorhinein von seinem Recht auf Mitwirkung und Mitsprache gebrauch. Machte die erste Begehung und prüfte die neuen Regeln innerhalb der Werkstatt. „Mit einem Schutzkonzept für die Beschäftigten und einer Öffnungsstrategie  geschah alles in Absprache mit dem Gesundheitsamt und dem LVR. Wir freuen uns auch mit einigen Einschränkungen die Beschäftigten wieder willkommen heißen zu können“, berichtet Christiane Frerigmann, Werkstattleitung für Rehabilitation.

Dass langjährige Kollegen mit und ohne Behinderung sich mit Mundschutz begegnen, ausreichend Abstand halten müssen und sich nach so langer Zeit zur Begrüßung nicht in den Arm nehmen können, fällt schwer. „Es ist schön wieder an unserem Arbeitsplatz zu sein. Die bekannten Gesichter zu sehen und einer Beschäftigung nach zu gehen, tut sehr gut“, erklärt Lidija Vlainic, Beschäftigte der ASE und Werkstattrat-Vorsitzende.

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass die Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) nicht nur für die Beschäftigten sehr wichtig ist. „Das Betretungsverbot war notwendig und jetzt wird es Zeit, dass wir wieder gemeinsam mit den Beschäftigten starten. Alle Mitarbeiter haben eine Menge Einsatzbereitschaft und Kreativität gezeigt. Dafür sind wir sehr dankbar“, freut sich Christiane Frerigmann.

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