Im März 2014 bei der Nominierung zur Kandidatur für den Kreistag bei den Kommunalwahlen 2014: v.l. Uwe Krins und Wolfgang Weinkath (Foto: Archiv Christian Voigt)
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Kreis Wesel. In einer Presseerklärung teilten am Donnerstagnachmittag die beiden Kreistagsmitglieder Uwe Krins und Wolfgang Weinkath ihren Austritt aus der Alternative für Deutschland (AfD) mit. Die Rheinische Post berichtete schon am 1. September auch über mögliche Austritte weiterer Mitglieder: „Nach Angaben von AfD-Kreistagsmitglied Uwe Krins haben bislang elf AfD-Mitglieder die Austrittserklärung unterzeichnet, darunter er selbst und sein Kreistags-Kollege Wolfgang Weinkath. Die Austritte würden zeitnah dem Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesvorstand der AfD übermittelt. Krins ging davon aus, dass ein halbes Dutzend weiterer Mitglieder der AfD zum Ende des Jahres den Rücken kehrt.“ Die sich selbst als „alte Garde der AfD“ bezeichnenden Mitglieder haben schon in einer Mitteilung vom 8. September ihren Austritt erklärt: „Für die Kommunalwahl am 13.09.2020 hat dieser Vorstand dafür gesorgt, dass in 11 von 13 Kommunen im Kreis Wesel keine AfD-Kandidaten vertreten sind. Wahlaufstellungsversammlungen wurden nur für den Kreistag und den Stadtrat in Moers und Rheinberg durchgeführt, wo die beiden Sprecher (1. Rieger, 2.Nehnes) wohnen. In Dinslaken und anderswo gab es willige und erfahrene Mitglieder –ihr Wunsch zu kandidieren wurde jedoch vereitelt, indem der Vorstand dort abgesagt oder erst gar keine Wahlaufstellungsversammlung durchgeführt hat. Wir distanzieren uns ausdrücklich von diesen Machenschaften und wollen ein Zeichen setzen, in dem wir unseren Austritt erklären.“

Dazu teilen Krins und Weinkath mit, dass seit der Amtsübernahme als Vorstandssprecher durch Dr. Renatus Rieger mittlerweile über 30 Mitglieder wegen ihm und seinem Vorstand ausgetreten sind oder ihren Austritt angekündigt haben. „Aktuell haben erneut über 10 Mitglieder erklärt die Partei zu verlassen, 9 Austrittsschreiben sind gestern (Anm.d.Red.: Mittwoch) an den Landesvorstand geschickt worden.“ Austrittsgründe sind die innerparteilichen Querelen, Streitigkeiten und Ungereimtheiten nach dem „bereits teilweise veröffentlichtem rassistischen Pamphlet eines Mitglieds nun einen neuen Höhepunkt erreicht“. Im Kündigungsschreiben von Mitglieder der „Alten Garde“ an den Landesverband der AfD heißt es dazu: „ … am 26.08.2020 fand ein Kreisparteitag des KV Wesel in Neukirchen-Vluyn statt, der in einem Eklat endete. Herr M. (Name liegt der Redaktion vor), Mitglied des AfD KV Wesel, ehemaliger Polizist, ist bereits am 10. März 2020 während eines Treffens mit den Kamp-Lintforter Mitgliedern extrem aufgefallen, da er proportional mit steigendem Alkoholkonsum seine rechtsextremen Ansichten lautstark verkündet hat. Der anwesende Sprecher des KV Wesel, Dr. Renatus Rieger, zeigte sich damals davon unbeeindruckt. Dass ebengenau dieser Herr M. während des o.g. KPT im Rahmen seiner Bewerbungsrede zum Delegierten ein Pamphlet verteilte, mit dem ich mich in keinster Weise identifiziere und dessen Inhalt Ihnen gewiss schon vorliegt, kann somit auch für den Kreisvorstand nicht überraschend gewesen sein. Ich hatte den Eindruck, dass Herr Dr. Rieger mit einem Mob von etwa 15 Mitgliedern versucht, allen Lesern dieses Pamphlets das Schriftstück wieder aus den Händen zu reißen und sah untätig zu, wie eine Parteikollegin aufs Äußerste bedroht und genötigt wurde, sodass diese die Polizei rufen musste, da sie um Leib und Leben fürchtete. …“

In der Recherche der Rheinischen Post hat AfD-Kreissprecher Renatus Rieger „nach dem Kreisparteitag den pensionierten Polizisten wegen Volksverhetzung angezeigt und ihn aufgefordert, aus der Partei auszutreten.“ Zwei Schriftstücke habe der AfD-Vorstand selbst der Polizei übergeben. Dagegen setzen Krins und Weinkath allgemein: „Der Kreisverband Wesel der AfD gerät seit der Übernahme des Vorsitzes durch Herrn Rieger und seines Stellvertreters Nehnes immer mehr in eine Schieflage. Selbstherrliche Entscheidungen, Hetze, Lügen, Beleidigungen, üble Nachrede, falsche Verdächtigungen und Aufforderung zur Spitzeltätigkeit gegen ungeliebte Parteimitglieder sind die „Arbeitsmittel“ dieses Vorstands.“ Als Mitglieder des Kreistags Wesel distanzieren sich Uwe Krins und Wolfgang Weinkath „auf das Schärfste gegen diese Positionierung des Kreisverbandes sowie den Machenschaften dieses Vorstands und werden deshalb den KV und die Partei verlassen. Unsere Aufgabe als Mitglieder des Kreistages werden wir natürlich bis zur letzten Sitzung erfüllen.“

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