Kerstin Seidel (2.v.l.), Regionalgruppenleitung Viersen / Irrsinnig Menschlich e.V., Nicole Meyer (3.v.l.), Trainerin Irrsinnig Menschlich e.V., Brigitte Schönheit (rechts außen), Landeskoordinatorin NRW/ Irrsinnig Menschlich e.V., und Christina Ewald (2. Reihe, 1. v.l.), Schulpsychologischer Dienst Kreis Viersen, gemeinsam mit den Teilnehmenden des zweitägigen Trainingsworkshops im Kreishaus (Foto: Kreis Viersen)
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Kreis Viersen. Neue Experten für Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“

Psychische Erkrankungen beginnen oft im Jugendalter. Um Jugendliche in ihrer psychischen Gesundheit zu stärken, kann Aufklärungsarbeit an Schulen einen wichtigen Beitrag leisten. Daher kamen am 24. und 25. September im Rahmen des Präventionsprogramms “Verrückt? Na und!” 15 Akteure aus sechs Städten und Kreisen in NRW zu einem Trainingsworkshop im Kreishaus in Viersen zusammen. Der Trainingsworkshop ist Teil der gemeinsamen Ausbildung von Fachlichen und Persönlichen Experten. “Verrückt? Na und!” bringt das Thema seelische Gesundheit an Schulen. Durchgeführt wurde der Workshop von Nicole Meyer, Trainerin Irrsinnig Menschlich e.V. aus Mülheim, und Brigitte Schönheit, Landeskoordinatorin NRW/Irrsinnig Menschlich e.V. Die Teilnehmenden wurden im Workshop mit dem Konzept, Methoden und Materialien des Präventionsprogrammes vertraut gemacht. Zukünftig sollen sie das Programm an ihren jeweiligen Arbeits- und Wohnorten umsetzen und so zur Erweiterung des Netzes beitragen.

Christina Ewald vom Schulpsychologischen Dienst Kreis Viersen erläutert: “Wir als Expertinnen und Experten für jugendliche Entwicklung und seelische Gesundheit machen bei ‚Verrückt? Na und!‘ mit, weil wir wissen, dass psychische Krisen und Erkrankungen häufig vorkommen und überwiegend in der Jugendzeit beginnen.” Kerstin Seidel von der AWO Viersen ergänzt: “Das Thema ist noch immer tabuisiert und Betroffene finden oft zu spät Hilfe. Genau deshalb wollen wir den Schülerinnnen und Schülern sowie den Lehrkräften Wege zeigen, wie sie gemeinsam psychische Gesundheit stärken und Krisen meistern können, um ihren Schul- bzw. Ausbildungsabschluss zu schaffen.”

“Verrückt? Na und!” richtet sich an Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 20 Jahren und ihre Lehrkräfte. Ziel ist es, Bewusstsein für eine frühzeitige Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit zu schaffen. Das bedeutet: Ängste und Vorurteile abzubauen, Zuversicht und Lösungswege in Krisen zu vermitteln und Wohlbefinden zu fördern.

Das mehrfach ausgezeichnete Präventionsprogramm wird von Irrsinnig Menschlich e.V. in Zusammenarbeit mit gesundheitsziele.de betreut. Es ist darüber hinaus Modellprojekt für die Umsetzung der nationalen Gesundheitsziele “Gesund aufwachsen” und “Depressive Erkrankungen verhindern”. Das Programm wird seit 2001 national an inzwischen circa 78 Standorten in zehn Bundesländern angeboten, darüber hinaus in Österreich, Tschechien und der Slowakei. Im Jahr 2019 wurden bundesweit mit knapp 1.000 Schultagen rund 26.000 Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte erreicht – davon ein Viertel allein in NRW. Der Startschuss für NRW erfolgte 2011 mit dem 2. Gesundheitspreis des Landes NRW. Im Kreis Viersen wird das Projekt seit 2014 umgesetzt. Seitdem haben im Kreis circa 35 Schultage und eine Lehrerfortbildung stattgefunden. Der Schulpsychologische Dienst Kreis Viersen führt das Programm in Kooperation mit der AWO Viersen, der Psychiatrischen Hilfsgemeinschaft (PHG Viersen) und der Familienhilfe Niederrhein durch.

So funktioniert “Verrückt? Na und!”:

Ein Team bestehend aus einem Fachexperten, zum Beispiel einer Psychologin oder einem Sozialarbeiter, und einem Persönlichen Experten, der selbst eine seelische Krise durchlebt habt, besucht Schulklassen, um sich mit ihnen und ihren Lehrkräften offen über die großen und kleinen Fragen zur psychischen Gesundheit auszutauschen. Typische Themen: Leistungsdruck, Mobbing, Trennung der Eltern, Krankheit in der Familie, Süchte, Zukunftssorgen. Der Höhepunkt des Schultags ist stets der Austausch mit den persönlichen Experten. Die Schülerinnen und Schüler erfahren von Betroffenen, wie sich eine Depression oder eine Psychose anfühlt, wo sie Hilfe bekommen sowie was sie selbst und was Freunde, Eltern und Lehrer tun können. Durch die Begegnung mit Menschen, die psychische Krisen selber erlebt haben, hat der Schultag eine besondere Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler.

InfoKlick: www.irrsinnig-menschlich.de/service/presse

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