Sie stellten die Pläne für den Bau eines Prüfungs- und Weiterbildungszentrums in Neuss vor (v.l.): IHK-Vizepräsident Prof. Dr. Joerg Dederichs, IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz, IHK-Vizepräsident Christoph Buchbender, Architekt Richard Wichmann und IHK-Vizepräsidentin Susanne Thywissen (Foto: IHK Mittlerer Niederrhein) 
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Neuss. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein investiert in die Zukunft, genauer gesagt in die Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte von morgen: In ihrer jüngsten Sitzung hat die IHK-Vollversammlung die Errichtung eines Prüfungs- und Weiterbildungszentrums mit Geschäftsstelle in Neuss beschlossen. Mit den Plänen für einen Neubau begegnet die IHK dem zunehmenden Fachkräftemangel in der Region und setzt ihre langfristig angelegte Strategie, an allen drei Standorten ideale Voraussetzungen für die Aus- und Weiterbildung zu schaffen, fort. Ein optimaler Standort für den Neubau in Neuss wäre für die IHK das noch zu entwickelnde Areal am Wendersplatz.

„Trotz der aktuellen Corona-Pandemie werden die Betriebe in Zukunft noch stärker als bisher unter einem Mangel an gut qualifizierten Mitarbeitern leiden – dafür wird schon der demografische Wandel sorgen“, erklärt IHK-Präsident Elmar te Neues. „Gleichzeitig müssen die Betriebe die digitale Transformation bewältigen“, ergänzt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Dafür benötigen sie gut ausgebildete Fachkräfte mit digitalen Kompetenzen.“

Die IHK setzt bei der Ausgestaltung ihres Weiterbildungsangebots zwar zunehmend auf digitale Formate, dennoch ist der Bedarf an Räumen für Präsenzunterricht nach wie vor groß. 2019 nutzten 4.092 Teilnehmer die Weiterbildungsangebote der IHK (2018: 3.665). Die Zahl der Unterrichtsstunden im Bereich Weiterbildung stieg in diesem Zeitraum von 18.286 auf 19.852. Dazu kommen die Teilnehmer aus den Bereichen Aus- sowie Fortbildung. 12.384 Prüfungen und Zwischenprüfungen hat die IHK 2019 insgesamt abgenommen.

„Der Wirtschaftsstandort Neuss ist aufgrund der idealen Lage und des großen Potenzials seiner Unternehmen für die gesamte Region von großer Bedeutung“, erläutert IHK-Vizepräsident Christoph Buchbender. Gerade in dieser Region ist die berufliche Bildung ein wichtiges Zukunftsthema. „An einem neuen Standort können wir die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachkräften in modernen und funktionalen Räumlichkeiten im Herzen der Stadt noch besser unterstützen“, ergänzt Steinmetz. Dafür sind die Möglichkeiten am derzeitigen Standort ausgeschöpft.

Zur Abschätzung der Kosten und der Machbarkeit eines Neubaus in Neuss wurde die Wichmann Architekten Ingenieure GmbH mit der Erstellung einer Entwurfsplanung beauftragt. „Der Entwurf wurde nun in ein städtebauliches Konzept zur Entwicklung des Wendersplatzes integriert“, berichtet Steinmetz. Das Areal mit seiner zentralen Lage ist ideal, denn neben Aus- und Weiterbildung sind Industrie, Hafen sowie Innenstadt und Handel wichtige Themen für uns.“ Vorstellbar sei für den Standort insgesamt ein Bildungs- und Innovationscampus mit Hochschulen und anderen Bildungsträgern. Dies würde auch sehr gut zu den bisherigen Überlegungen passen, Kultureinrichtungen am Wendersplatz zu etablieren. „Ein solcher Campus würde den Standort beleben und ein echtes Innovations-Cluster ermöglichen, das auch Start-ups und Co-Working-Angebote berücksichtigt“, betont Steinmetz.

Der vorläufige Entwurf des Neubaus sieht unter anderem flexibel nutzbare Weiterbildungs- und Prüfungsräume, Büroräume, einen Veranstaltungsraum und Parkmöglichkeiten vor. „Der Neubau an dieser Stelle ist natürlich maßgeblich davon abhängig, wie zügig die Entwicklung des Gesamtareals am Wendersplatz vorangeht“, sagt Steinmetz. „Politik, Verwaltung und Schützen haben signalisiert, dass sie unser Vorhaben begrüßen und unterstützen, da es große Chancen schafft und die bisherigen Nutzungen berücksichtigt.“ Der Kostenrahmen für den Neubau wird von den Architekten mit etwa 9,5 Millionen Euro beziffert.

Bürgermeister Reiner Breuer freut sich über die Entscheidung der IHK-Vollversammlung: „Das ist eine sehr gute Botschaft, die Campus-Idee ist toll. Hinter dem Bildungs- und Innovationsansatz kann sich die Stadtgesellschaft versammeln, die Idee lässt sich prima mit dem bisher überlegten Kulturansatz verbinden.“ Breuer verwies auf den anstehenden Ideen-Wettbewerb für die Entwicklung des Bereichs Wendersplatz: „Ich bin sicher, dass sich die Pläne der IHK sehr gut in die Gesamtplanung für dieses wichtige Areal integrieren lassen. Der IHK-Vorstoß ist ein Beschleuniger für die Entwicklung dieser Fläche.“

Das IHK-Präsidium und die Geschäftsführung befassen sich bereits seit zwei Jahren mit dem Für und Wider eines Neubaus in Neuss. Das Projekt ist Teil einer langfristigen Strategie zur Stärkung der Aus- und Weitebildung in der Region. Nachdem 2016 in Krefeld 5,2 Millionen Euro in den Neubau eines Prüfungs- und Weiterbildungszentrums – inklusive Abbruchkosten für die alte Kaufmannsschule – investiert wurden, stehen nun Investitionen in Mönchengladbach und Neuss an. Parallel zur Weichenstellung für Neuss hat die IHK-Vollversammlung Umbaumaßnahmen für den Standort Mönchengladbach beschlossen: Dort sollen 1,5 Millionen Euro in neue Seminarräume und Büroflächen investiert werden.

Das neue Prüfungs- und Weiterbildungszentrum in Neuss kann zu einem Teil durch den Verkauf des derzeitigen IHK-Gebäudes an der Friedrichstraße finanziert werden. Weitere Mittel werden durch eine Neuordnung des IHK-Eigenkapitals freigesetzt. Diese Anpassungen gehen auf Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts zur Haushaltsführung der Industrie- und Handelskammern zurück.

„Alternative Verwendungen dieser freiwerdenden Mittel wurden vom Präsidium und der Geschäftsführung sorgfältig geprüft“, betont IHK-Vizepräsident Prof. Dr. Joerg Dederichs. „Wir haben uns dafür entschieden, in die Zukunft zu investieren – in die Ausbildung junger Menschen und in die Weiterbildung, um den digitalen Wandel zu meistern“, erklärt Susanne Thywissen, Vizepräsidentin der IHK Mittlerer Niederrhein.

Gleichzeitig hat die Vollversammlung konkrete Entlastungen für die Unternehmen im kommenden Jahr beschlossen. Der Umlagehebesatz wird von 0,20 auf 0,19 Prozent des Gewerbeertrags beziehungsweise Gewinns im nächsten Jahr gesenkt. „Gerade mit Blick auf die Corona-Pandemie war uns beides wichtig: Zukunftsinvestitionen und Entlastungen“, so Steinmetz.

„Damit setzen wir unsere langfristige Strategie, die Unternehmen zu entlasten, auch in diesem schwierigen Jahr fort“, erklärt IHK-Präsident Elmar te Neues. Seit 2011 hat die Vollversammlung der IHK die Mitgliedsbeiträge immer wieder reduziert. Die Grundbeiträge und die Umlagehebesätze wurden dreimal gesenkt und fünfmal rückwirkend erstattet. Durch diese Schritte wurden die IHK-Mitglieder pro Jahr im Umfang von rund 2,3 Millionen Euro entlastet.

Gründer und nicht im Handelsregister eingetragene Gewerbetreibende, deren jährlicher Gewerbeertrag beziehungsweise Gewinn aus Gewerbebetrieb 5.200 Euro nicht übersteigt, sind auch 2021 vom Beitrag freigestellt. Von den rund 78.000 Mitgliedsunternehmen der IHK Mittlerer Niederrhein zahlen 34,2 Prozent keine Beiträge.

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