Symbolbild
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Düsseldorf/Essen/Neuss. Nach geplatztem Verhandlungstermin:

Nachdem der BDSW (Bundesverband der Sicherheitswirtschaft) angekündigt hatte, kein erhöhtes Angebot vorzulegen, wurde der für Anfang Dezember vereinbarte dritte Verhandlungstermin zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in NRW und dem BDSW auf das neue Jahr verschoben. ver.di erhöht deshalb im Vorfeld des Temins den Druck auf die Arbeitgeber und ruft für die kommende Woche zu Warnstreiks auf. Die Gewerkschaft fordert für die rund 52.000 Beschäftigten im Wach- und Sicherheitsgewerbe eine Lohnerhöhung von 1 Euro pro Stunde, mindestens aber 6 Prozent, bei einer Laufzeit von einem Jahr. Das Arbeitgeberangebot wurde in der zweiten Verhandlungsrunde nur marginal auf 1,6 Prozent im ersten und 2,6 Prozent im zweiten Jahr angehoben.

„Die Blockadehaltung der Arbeitgeber provoziert eine Reaktion der Beschäftigten. Obwohl die Kolleginnen und Kollegen in der Sicherheitsbranche systemrelevant sind, haben sie keine Corona-Prämie erhalten. Zusätzlich wird ihnen die Wertschätzung durch eine angemessene Lohnerhöhung verwehrt. Einige Beschäftigte, wie Pforten- und Empfangsdienste sollen sogar komplett leer ausgehen“, erklärte Andrea Becker, ver.di-Verhandlungsführerin. Ein Angebot zur Erhöhung der Ausbildungsvergütungen liege ebenfalls nicht vor.

„Trotz der guten wirtschaftlichen Lage der Branche sollen die Beschäftigten mit minimalen Cent-Beträgen abgespeist werden. Der Personalmangel im Wach- und Sicherheitsgewerbe von über 9.000 Stellen bundesweit kommt nicht von ungefähr. Ein fairer Abschluss hätte hier Symbolwirkung und würde helfen, die Branche attraktiver zu machen.“

Sicherheitsbeschäftigte arbeiten im Niedriglohnbereich. Ein Sicherheitsmitarbeiter in der untersten Lohngruppe trägt das Risiko, nach 45 Jahren Arbeit, im Alter nur 6 Euro über der Grundsicherung zu liegen. „Ein Lohn muss nicht nur zum Leben, sondern auch für die Rente reichen! Deshalb darf der Abstand zum Mindestlohn in unserem Tarifvertrag nicht schrumpfen, er muss größer werden. Wir erwarten von den Arbeitgebern ein Angebot, das die Tariflöhne deutlich nach oben korrigiert“, so die Gewerkschafterin.

Die Tarifverhandlungen werden am 18. Januar 2021 in Neuss fortgesetzt. Den Auftakt der Streikwoche vor dem nächsten Verhandlungstermin machen Beschäftigte von Westdeutscher Wach- und Schutzdienst Fritz Kötter SE & Co KG Essen, die am 11. Januar 2021 zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen werden. Aufgrund der aktuellen Corona-Lage, werden die Streikenden nicht vor Ort zu Streikversammlungen zusammenkommen.

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