(Foto: Werner Scheurer)

Köln. Ab sofort im Kölner Zoo zu sehen – Verspielte madagassische Tiere zählen zu den bedrohtesten Primatenarten der Erde

Besonderheit im Kölner Zoo: Ab sofort können Besucher hier das Coquerel-Sifaka-Paar „Ziggy“ und „Justa“ bestaunen. Sie kamen Ende Mai aus dem Duke Lemur Center in Durham, USA, an den Rhein. Weitere Sifakas aus Durham gingen parallel an den Chester Zoo, Großbritannien, sowie den Tierpark Berlin. Es ist das erste Mal, dass die in der Haltung sehr aufwendigen und viel biologische Expertise erfordernden Coquerel-Sifakas in Europa gezeigt werden. Ziel ist, nun sukzessive ein zwischen den Zoos eng abgestimmtes europäisches Erhaltungsprogramm bei dieser hochbedrohten Art zu begründen. In den vergangenen zwölf Monaten kamen in den USA neun Jungtiere zur Welt. Die Zoos in Köln, Berlin und Chester hoffen, an diese Erfolge anknüpfen und schon bald Reservebestände-Bestände in menschlicher Obhut aufbauen zu können.

Sifaka-Haltung: Engagement und Expertise, um diese Art zu retten

„Ziggy“ und „Justa“, das in Köln lebende Paar, hat einen eigenen großzügigen Bereich im Madagaskarhaus des Zoos bezogen. Der 4,5-jährige „Ziggy“ hat einen im Vergleich zu seiner Partnerin etwas größeren Kopf. Er ist ein ruhiger und ausgeglichener Charakter. Weibchen „Justa“ ist die aktivere der beiden. Beide bewegen sich hüpfend und springend fort – ein für Primaten ungewöhnliches und unterhaltsam anzusehendes Verhalten, das die Sifakas als „tanzende Affen“ bekannt gemacht hat. „Ziggys“ und „Justas“ neues Heim hat das Team des Kölner Zoo durch zahlreiche senkrechte Äste und Lianen sowie Futterplattformen optimiert. Zusätzlich brachte der Zoo beheizte Schlaf- und Aufenthaltskisten für den Winter an. Eine Kölner Tierpflegerin hat zum Pinsel gegriffen und die Rückwände ebenso detailreich wie lebensraumnah mit Tropenwaldmotiven gestaltet. Zudem wurden auf der Anlage gut einsehbare Trainingswände installiert, auf denen künftig direkt vor Augen der Zoo-Besucher Beschäftigung-Programme und Medical Trainings mit den neugierigen und verspielten Sifakas stattfinden sollen. Dabei lernen sie beispielsweise, auf Kommando sich wiegen oder abtasten zu lassen.

Sifakas sind in der Haltung überaus anspruchsvoll. Als Futterspezialisten fressen sie nahezu ausschließlich Blätter. Die Kölner Tierpfleger frieren daher bereits seit Längerem täglich Laubrationen für den Winter ein. Ebenso wird aktuell getestet und ausgewertet, welche europäischen Laubsorten in puncto Geschmack und Verträglichkeit für „Ziggy“ und „Justa“ die besten sind. Derzeit geben die beiden den Blättern von Hainbuche, Buche, Haselnuss und Roteiche den Vorzug. Das Futter muss nach Vorgaben der us-amerikanischen Kollegen zunächst desinfiziert und portioniert werden. Auch müssen die Tiere immer wieder beobachtet und bei Unregelmäßigkeiten der Kotbeschaffenheit untersucht werden. U.a. auch dazu dienen die regelmäßigen Medical Trainings. Medizinischer Koordinator und Berater bei allen Fragen der Coquerel-Sifaka-Haltung ist Dr. Andreas Pauly, Tierarzt und Primatenkurator im Tierpark Berlin.

Wissenswerte Fakten auf einen Blick:

  • Sifakas zählen zu den seltensten und bedrohtesten Primatenarten der Erde
  • Der Kölner Zoo hatte sie in seinem 160-jährigen Bestehen noch nicht im Bestand
  • Im Freiland kommen sie nur noch in wenigen Laubtrockenwäldern im Westen Madagaskars vor
  • Neben den Coquerel-Sifakas gibt es acht weitere Sifaka-Arten; 8 von ihnen sind vom Aussterben bedroht, eine Art ist stark gefährdet
  • Hauptgefahr für die Sifakas stellt die Zerstörung ihres kleinen Lebensraumes durch Umwandlung in Viehweiden und durch die Holzkohleerzeugung dar. Traditionell wurden sie jahrzehntelang nicht gejagt (es bestand ein Tabu, ein sogenanntes „Fady“), mittlerweile sind solche Traditionen aufgeweicht und der Jagddruck durch die hungernde Bevölkerung nimmt zu
  • Kopfrumpflänge 42 bis 50 Zentimeter; hinzu kommt der 50 bis 60 Zentimeter lange Schwanz. Ihr Gewicht beträgt 3,5 bis 4,3 Kilogramm
  • Die Weibchen sind dominant, insbesondere bei der Fütterung
  • Sie leben meist in Gruppen von 3-10 Tieren, in der Regel Elterntiere und deren Nachwuchs
  • Es sind tagaktive Lemuren, die sich hüpfend und springend fortbewegen
  • Sie bilden im Freiland Reviere von 4 bis 8 ha aus, von denen 2-3 ha Kerngebiet sind
  • Sifakas sind Pflanzenfresser, die sich vorwiegend von Blättern und Knospen ernähren. In der Regenzeit nehmen sie auch Rinde zu sich und fressen vermehrt Blüten und Früchte
  • rund 155 bis 165-tägige Tragzeit
  • Ständiger Austausch mit den nordamerikanischen Kollegen, die hoch motiviert sind und alles geben, damit das Nachzucht-Projekt gelingt.
  • Es werden noch Sponsoren für eine geplante großflächige Sifaka-Außenanlage am Kölner Nashornhaus gesucht
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