Die Feuerwehr Düsseldorf machte bei der Durchfahrt von Straßen in Oberbilk auf die Gefahr aufmerksam, die durch "Falschparker" entstehen (Foto: © Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister)
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Düsseldorf. Feuerwehr Düsseldorf, Ordnungsamt und Amt für Verkehrsmanagement machten bei der Durchfahrt von Straßen in Oberbilk auf die Gefahr aufmerksam, die durch “Falschparker” entstehen

Immer häufiger werden die Rettungskräfte der Landeshauptstadt Düsseldorf auf ihren Fahrten zu Einsätzen durch Falschparker behindert. In Not geratene Menschen, Brände oder Verkehrsunfälle zählen zum täglichen Einsatzgeschehen. Häufig genug kommt es dabei auf jede Minute an. Die Feuerwehr Düsseldorf startete deshalb am Dienstag, 3. August, von der Wache Hüttenstraße in Richtung Oberbilk und durchfuhr die Borsigstraße, Sonnenstraße, Flügelstraße, Linienstraße und Kirchstraße, um auf das Problem, das Falschparker den Einsatzkräften oftmals bereiten, aufmerksam zu machen. In Zusammenarbeit mit der Verkehrsüberwachung des Ordnungsamtes und dem Amt für Verkehrsmanagement zeigte die Feuerwehr, wie schwer ein Durchkommen oftmals ist und dass wertvolle Zeit verloren gehen kann, weil Autos achtlos abgestellt werden.

Bereits seit vielen Jahren macht die Feuerwehr gemeinsamen mit der Verkehrsüberwachung und dem Amt für Verkehrsmanagement auf die Problematik aufmerksam. Fast täglich werden die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit durch nicht ordnungsgemäß abgestellte Fahrzeuge behindert. Bei den Menschen, die um Hilfe rufen, zählt oft jede Minute. Wenn die Einsatzfahrzeuge dann verspätet oder gar nicht am Unglücksort ankommen, kann das schlimme Folgen haben. Für viele Autofahrer ist es noch immer eine vermeintliche Bagatelle, wenn sie ihre Fahrzeuge falsch parken. “Ziel unserer Aktion ist es, die Autofahrer für dieses Thema zu sensibilisieren. Jedem muss bewusst sein, ‘Falschparker gefährden Menschenleben’, denn die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst brauchen Platz um schnelle Hilfe leisten zu können“, sagt Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen. “Wir schreiben selbst keine Strafzettel, uns geht es vielmehr darum, darzustellen, dass wenn auch ein Auto an einer engen Stelle noch durchkommt, ein großes Feuerwehrfahrzeug dort seine Grenzen findet”, führt Schülpen weiter aus.

Um im Notfall genügend Bewegungsfreiheit für die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr zu haben und damit in das Bewusstsein der Parker und insbesondere der Falschparker zu rücken, liegt das Hauptaugenmerk der Fahrt durch den Stadtteil Oberbilk. Im Nachhinein werden nun auch Beschilderungen und Fahrbahnmarkierungen verbessert, falls das erforderlich ist.

Situation in der Landeshauptstadt
Die städtische Verkehrsüberwachung sprach für zugeparkte Feuerwehrbewegungszonen und -zufahrten alleine im letzten Jahr 2.322 Verwarnungen aus und leitete 600 Abschleppmaßnahmen ein. In der ersten Jahreshälfte 2021 waren es bereits 1.440 Verwarnungen und 586 Abschleppmaßnahmen, die durch die Einsatzteams des Ordnungsamtes ausgesprochen werden mussten.

Doch vielen Bewohnern der engen Straßen Düsseldorfs ist oft gar nicht bewusst, dass sie Rettungswege versperren. Falschparker ignorieren dabei, dass Feuerwehrfahrzeuge größer sind als normale Pkw und dementsprechend mehr Platz benötigen. Die Löschfahrzeuge und Drehleitern haben in der Regel eine Fahrzeugbreite von zwei Metern und 55 Zentimetern, das sind aber die Abmessungen der Fahrzeugaußenseiten ohne die Außenspiegel. In der Nordrhein-Westfälischen Bauordnung werden für Feuerwehrzufahrten Durchfahrtsbreiten von mindestens drei Metern beschrieben, die im Kurvenbereich je nach Radius deutlich größer werden.

Umgang mit Falschparkern
Wenn bei einem Notfall die Wege für die Feuerwehr durch falsch parkende Autos versperrt sind, versuchen die Einsatzkräfte zunächst, die Hindernisse zu umfahren. Aus verschiedenen Richtungen werden dann die Einsatzwagen zu der gemeldeten Adresse gelenkt, um so bei Engstellen trotzdem den Unglücksort schnell zu erreichen. Durch Umwege geht jedoch wertvolle “Rettungszeit” verloren. Oft genug sind auch die anderen Zufahrtsstraßen vollgestellt, und es ist nur schwer, durchzukommen. Zudem verhindern falsch abgestellte Fahrzeuge – insbesondere in zweiter Reihe oder in Kurven nicht nur die Durchfahrt, sondern auch das Aufstellen von Drehleitern, die zur Rettung von Menschen aus oberen Etagen bei Wohnungsbränden notwendig sind. Selbst Hydranten, die von der Feuerwehr bei Bränden zur Wasserentnahme benötigt werden, sind regelmäßig zugestellt. Wenn das Umfahren der Hindernisstelle nicht möglich ist, wird versucht das Fahrzeug wegzudrücken. Damit verbundene Beschädigungen der Autos sind keine Seltenheit.

Das ordnungswidrige Parken im Bereich einer Feuerwehrzufahrt wird nach derzeit gültigem Bundeseinheitlichen Bußgeldkatalog mit 35 Euro geahndet. Sollten die Verusachenden nicht ermittelt werden, kommen im Falle einer Abschleppmaßnahme noch weitere Kosten von mindestens 200 Euro dazu.

Rücksichtsloses Parkverhalten kann übrigens auch rechtliche Folgen nach sich ziehen. Neben der Ordnungswidrigkeitenanzeige werden die Falschparker auch bei den Beschädigungen an den Feuerwehr- sowie dem eigenen Fahrzeug beteiligt. Wenn durch das Falschparken jemand zu Schaden kommt, können zusätzlich noch Ersatzansprüche gestellt werden.

Aktuelle Beispiele für zugeparkte Rettungswege Am 19. Juni kam es zu einem Feuer unterhalb der Rheinkniebrücke auf der Oberkasseler Seite. Das anrückende Löschfahrzeug von der Wache Quirinstraße versuchte sich über die Zufahrt am Kaiser-Wilhelm-Ring den Weg zu dem Brand zu bahnen, allerdings haben dort mehrere im absoluten Halteverbot geparkte Fahrzeuge von Spaziergängern den Weg auf die Oberkasseler Rheinweisen versperrt. Nur mit einem großen Zeitverzug gelang es, über andere Zufahrtsstraßen das Feuer zu erreichen.

Bereits im April hatten mehrere falsch abgestellte Fahrzeuge die Zufahrt zur Hasselbeckstraße im Stadtteil Gerresheim versperrt. Anrufer meldeten am späten Abend einen Wohnungsbrand. Die anrückenden Feuerwehrkräfte konnten durch im Kurvenbereich abgestellte Pkw nicht in die Straße einfahren. Die letzten 100 Meter legten die Einsatzkräfte dann zu Fuß zurück. Dort konnte dann schnell Entwarnung gegeben werden. Einer älteren Dame war das Essen auf dem Herd angebrannt, und die Feuerwehr konnte noch rechtzeitig Schlimmeres verhindern.

Schon Ende Januar war es in Gerresheim auf der Ikenstraße zu einer Behinderung bei einem Brandeinsatz der Feuerwehr gekommen. Am späten Abend des 28. Januar versuchten die Einsatzkräfte über verschiedene Straßen das Haus zu erreichen. Trotz aller Bemühungen blockierten Falschparker im Bereich der Lakronstraße und der Pfeifferstraße das Vorankommen der Rettungskräfte. Auch dort gingen die Feuerwehrleute die letzten Meter zu Fuß zum Gebäude. Der zunächst angenommene Brand eines Dachstuhls bestätigte sich nicht, und die Einsatzkräfte konnten kurze Zeit später wieder abrücken.

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